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München - Fast die halbe Bundesliga praktiziert es, beinahe alle Mannschaften haben es bereits probiert: Das 4-5-1 ist inzwischen die am häufigsten verwendete taktische Formation. Dabei spielt es keine Rolle, ob Topteam oder Kellerkind. Dortmund, Bayern, Leverkusen, Stuttgart, Nürnberg und Hoffenheim vertrauen genauso darauf wie Hertha oder Augsburg. Diese Entwicklung hat Folgen.

Sie wirkt sich eklatant auf die Torausbeute der Angreifer in der Bundesliga aus: In dieser Saison halten sich Stürmertore (266) und Treffer der Mittelfeldspieler (258) in etwa die Waage. Und: Die offensiven Mittelfeldspieler, die die beiden Flügel beackern sind heute so wichtig wie noch nie für ihre Teams.

Robben, Blaszczykowski und Co. im Blickpunkt



Bayerns Arjen Robben, Dortmunds Jakub Blaszczykowski oder VfB-Angreifer Martin Harnik sind Prototypen dieser Spielergattung: schnell, dribbelstark und abschlussfreudig. Zwar agieren diese Spieler gerade bei Topteams häufig sehr offensiv, de facto zählen sie aber als Mittelfeldspieler.

Die verwaisten Stoßstürmer im Zentrum kommen durch die Entwicklung seltener zum Abschluss. Über 1.000 Schüsse gaben die Mittelfeldspieler bislang mehr ab als die Angreifer.

VfB und Nürnberg nicht abhängig von ihren Stürmern



Am stärksten fiel dies im Saisonverlauf bei Stuttgart und Nürnberg ins Gewicht. Kein Team hat weniger Stürmertore auf dem Konto als der FCN (sechs), die Schwaben bringen es auf sieben Treffer der meist einzigen Spitze.

Stuttgart stellt dennoch die viertbeste Offensive der Liga (41 Treffer), dank der 29 Tore des Mittelfelds um 14-Tore-Mann Harnik. Beim VfB gehen damit über 70 Prozent der Tore auf das Konto der Mittelfeldreihe (höchster Anteil). Beim "Club" sind es 57 Prozent (dritthöchster Anteil).

Norddeutsche Doppelspitzen



Regelrecht abhängig von den offensiven Mittelfeldspielern ist Hertha BSC mit bisher nur acht Stürmertoren: Bei vier der fünf Siege traf Raffael, gegen Bremen sorgte Nikita Rukavytsya für das "goldene" Tor. Ohne Treffer der offensiven Dreierreihe gewannen die Hauptstädter also kein Spiel.

Das Gegenbeispiel, also Abhängigkeit von Stürmern, gibt es bei zwei Teams zu beobachten, die auf das 4-4-2-System setzen. Bremen und Hannover (67 bzw. 60 Prozent der Tore durch Stürmer, nur 24 bzw. 10 Prozent durch Mittelfeldspieler) wissen schon, warum sie auf Doppelspitzen bauen.

BVB mit der perfekten Mischung



Für Meister und Tabellenführer Dortmund ist das 4-5-1-System wie auf den Leib geschneidert. Die Westfalen bestechen mit einer perfekten Mischung aus Torgefahr der offensiven Dreierreihe (31 Tore sind Ligaspitze) - gepaart mit einem höchst erfolgreichen Stoßstürmer Robert Lewandowski (16 Treffer).

Die BVB-Mittelfeldspieler stoßen dabei immer wieder in den Sechzehner vor: 49 der 52 Dortmunder Treffer wurden im Strafraum abgeschlossen. Auch BVB-Konkurrent Bayern München nennt ein torgefährliches Mittelfeld (24 Treffer) sein eigen. Doch die Münchner Offensive harmoniert zumindest auswärts nicht so wie die des Meisters.

Bayerns Mittelfeld auswärts zahnlos



Denn auswärts hakt es bei Thomas Müller, Franck Ribery und Co. Lediglich drei Tore erzielte das Bayern-Mittelfeld in dieser Saison auf fremdem Platz - und zwei davon gehen sogar auf das Konto von defensiven Mittelfeldspielern.

Die logische Folge: Trifft Stoßstürmer Mario Gomez (bislang sechs Auswärtstore) nicht, wird es schwer für den FCB in fremden Stadien. Diese fehlende Torgefahr auf fremden Plätzen könnte letztlich sogar den Unterschied machen, was die Meisterschaft angeht: Nur zwei Siege sprangen bei den letzten neun Gastspielen heraus - beim 2:1 in Augsburg (ein Gomez-Tor) und beim 2:1 in Stuttgart (zwei).