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München - Erleichterung und Aufatmen auf der einen, Enttäuschung und Zittern auf der anderen Seite. Der Abstiegskampf war wieder einmal Unterhaltungsfaktor Nummer eins in der Bundesliga. Aber auch etliche Verabschiedungen etablierter Stars sowie eine "hirnlose" Watschn in der Imtech Arena sorgten für heftige Emotionen in den Stadien. Darüber spricht die Liga am 33. Spieltag…

"Wir sagen Servus"

In etlichen Stadien flossen am Samstag Tränen, weil einige verdiente Spieler "Servus" sagten. Die emotionalsten Abschiede gab es in Dortmund, Bremen und Mönchengladbach. Im Signal-Iduna-Park stürmte Robert Lewandowski zum letzten Mal vor eigenem Publikum für den BVB und wurde gebührend verabschiedet (XL-Bilder). "Was ich vor und nach dem Spiel gehört habe von unseren Fans, das war Wahnsinn! Ich kann mich nur bedanken bei unseren Fans", sagte der sichtlich gerührte Pole (Interview). "Die Stimmung und meine Emotionen sind auch jetzt immer noch sehr hoch." An der Weser feierte Aaron Hunt einen Bilderbuch-Abschied. Die Nummer 14 der Grün-Weißen schnürte in seinem letzten Heimspiel für Werder einen Doppelpack. Auch bei Fohlen-Keeper Marc-Andre ter Stegen blieben die Augen nicht trocken, als dieser nach 18 Jahren Vereinszugehörigkeit vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 offiziell "Tschüs" sagte: "Ich werde immer ein Gladbacher bleiben."

"Jetz' hemmers"

Der VfB Stuttgart fing sich zwar wieder einmal ein spätes Gegentor ein und verlor sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, wegen der Patzer der Konkurrenz dürfen die Kicker mit dem roten Brustring aber dennoch den Klassenerhalt bejubeln. "Wir wissen, was für einen Kraftakt wir hinter uns haben und freuen uns deshalb über den Klassenverbleib", erklärt Manager Fredi Bobic. "Es ist wichtig, aus dieser Saison zu lernen, und wir wissen, dass wir im Hinblick auf die nächste Runde einiges zu tun haben." Nur einer im Schwabenland wollte ob des schadlos überstandenen Abstiegskampfs nicht frohlocken, sondern grummelte und knorrte in gewohnter Manier vor sich hin. "Was in der letzten Minute passiert ist, das darf nicht passieren. Da bin ich enttäuscht. Ich bin enttäuscht, dass wir den Klassenverbleib nicht selbst geschafft haben", so Stevens (Trainerstimmen). "Jetzt haben wir zwei Tage frei, und dann hoffe ich, dass meine Enttäuschung verflogen ist."

"Dir geb' i a Watschn"

Im Grunde glückte dem FC Bayern die Rehabilitierung für die 0:4-Schmach in der Champions League gegen Real Madrid voll und ganz. Die Münchner siegten mit 4:1 sehr souverän beim Hamburger SV und durften sich über einen gut aufgelegten Mario Götze freuen, der seinen ersten Doppelpack im Trikot des Rekordmeisters schnürte (Splitter). Doch einer tanzte aus der Reihe und sorgte für einen bitteren Beigeschmack. Innenverteidiger Jerome Boateng lieferte sich wenige Minuten vor Schluss eine Rangelei mit Kerem Demirbay und wischte seinem Gegenspieler ins Gesicht. Eine "hirnlose" (Rummenigge) Tätlichkeit, die Schiedsrichter Marco Fritz mit der Roten Karte bestrafte und die großes Unverständnis bei den Verantwortlichen auslöste. "Solch eine Disziplinlosigkeit wird von Bayern München nicht akzeptiert. Man hat sich in unserem Trikot sauber und seriös zu verhalten", machte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge deutlich.

"Aufgebn tu mer ned"

In Stuttgart macht sich große Erleichterung breit, in drei anderen Städten geht das große Zittern weiter. Hamburg, Nürnberg und Braunschweig bezogen in ihren Heimspielen teilweise Prügel und mussten allesamt enttäuschende Niederlagen einstecken. Der HSV darf sich zumindest teilweise als Gewinner des Spieltags sehen. Die Norddeutschen hielten gegen den FC Bayern zumindest phasenweise mit und haben es am 34. Spieltag in Mainz in eigener Hand, noch die Relegation zu erreichen. Bei der Eintracht lebt trotz des Last-Minute-Gegentores gegen Augsburg die Hoffnung. "Unser Kopf bleibt jetzt oben", versichert BTSV-Trainer Torsten Lieberknecht. "Wir müssen eben einfach in Hoffenheim gewinnen." Und selbst in Nürnberg, wo die Ernüchterung nach der Pleite gegen Hannover 96 auch wirklich jedem im Stadion ins Gesicht geschrieben war, klammert man sich an den letzten Strohhalm. "Von zehn Spielen kannst du auf Schalke drei gewinnen - das müssen wir jetzt schaffen", blickt Kapitän Raphael Schäfer auf das Saisonfinale voraus.

David Schmidt