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München - Was haben Autofahrer, Flugbegleiterinnen und Anhänger des gepflegten Fußballs gemeinsam? Ihre Nerven wurden an diesem Wochenende großflächig auf die Probe gestellt! Denn gleich neun Bundesländer sind gerade in die Osterferien gestartet - und auch in der Bundesliga ist das Reisefieber ausgebrochen. Darüber spricht die Liga am 30. Spieltag. 

Zu Gast bei Freunden

Für Borussia Dortmund haben sich die Reisen in den Süden der Republik in der jüngeren Vergangenheit immer gelohnt. Beim FC Bayern München hat der BVB - inklusive des klaren 3:0-Sieges am Samstagabend - nämlich keines der vergangenen vier Spiele verloren. Diese Statistik kennt natürlich auch der Rekordmeister, der es sich deshalb wohl nicht verkneifen konnte, den Rivalen mit einem netten kleinen Plakat über dem Spielereingang zu empfangen (Foto: Imago). Allerdings ging der Schuss letztlich nach hinten los - die Aufschrift "Herzlich willkommen beim Deutschen Meister 2014" war für die Schwarz-Gelben bloß zusätzliche Motivation.

Lost in Translation?

Wenn Du in Rom bist, dann verhalte Dich einfach wie die Römer, lautet ein altes englisches Sprichtwort. In der Fremde sollte man sich also erst einmal den Gepflogenheiten anpassen, um eben nicht sofort als Fremder aufzufallen. Jürgen Klopp scheint von so viel Bescheidenheit und Understatement aber eher wenig zu halten, denn der BVB-Trainer gab seinem Team eine ganz andere Marschroute mit auf den Weg: "Wir wollten Chaos stiften", erklärte Nuri Sahin im Interview nach dem Schlusspfiff mit einem Schmunzeln. Die Münchner Presseabteilung hatte zuvor zwar noch versucht, diesen teuflischen Plan zunichte zu machen und selbst für die totale Verwirrung zu sorgen - doch vergeblich: Denn dass auf der Bayern-Bank statt Toni Kroos angeblich ein gewisser "Toni Kross" saß, schien den Borussen schlussendlich vollkommen gleich zu sein.

Sonnenschutz nicht vergessen!

Die Nachspielzeit in der Allianz Arena hatte bereits begonnen, da fasste sich Rafinha endlich ein Herz. Mit einem beherzten Griff ins Gesicht von Henrikh Mkhitaryan überprüfte der brasilianische Internationale, ob sich sein Gegenspieler auch ausreichend eingecremt hatte (Foto: Imago). Schließlich ist er als Südamerikaner mit extremer Sonneneinstrahlung absolut vertraut. Und auch unter Flutlichtern mit mehreren tausend Watt wird die Haut sehr schnell trocken, da scheint so viel Fürsorge und Hilfsbereitschaft durchaus angebracht. Der Unparteiische sah das allerdings anders und schickte Rafinha mit der Roten Karte zum Duschen. Für Matthias Sammer unverständlich. "Ich weiß nicht, ob er Creme an der Hand hatte und etwas abgeben wollte", erklärte der Sportvorstand des FCB und zeigte sich vom harten Urteil entsetzt: "Unsere Spieler sind keine Roboter. Sie haben auch Gefühle."

Ab in den Süden!

Je näher man dem Äquator kommt, desto wärmer wird es erfahrungsgemäß. Zu dieser Erkenntnis ist nun auch Eintracht Braunschweig gekommen. Zwar mussten die Löwen zum Spiel beim SC Freiburg nur 500 Kilometer Luftlinie gen Süden bewältigen, dennoch war Trainer Torsten Lieberknecht vom Klima in der Stadt mit den bundesweit meisten Sonnenstunden ganz und gar beeindruckt: "Wir kommen aus dem arschkalten Braunschweig hier ins warme Freiburg. Da wachst du auf und bekommst erst mal einen Burner", erklärte der 40-Jährige nach der 0:2-Niederlage und kriegte sich kaum noch ein: "Und dann haben die hier auch noch überall Solarenergie. Wir brauchen auch Solarenergie auf dem Trainingsplatz bei uns."

Wenn Engel reisen ...

Dass gemeinsame Reisen für Fußballmannschaften nicht immer in wilden Fiestas an balearischen Sandstränden enden müssen, hat Hannover 96 an diesem Wochenende eindrucksvoll bewiesen. Nach vier Niederlagen in Serie war Chefcoach Tayfun Korkut mit seinem Team ins Trainingslager gefahren. Und die Überdosis Ruhe im idyllischen Hotel Klosterpforte in Ostwestfalen war vor dem wichtigen Nordderby gegen den Hamburger SV (2:0) wohl genau das Richtige. "Gott war auf unserer Seite. Wir haben alle zusammengehalten, sind sehr, sehr glücklich", bekundete Siegtorschütze Didier Ya Konan nach dem Schlusspfiff noch ganz beseelt.

Zuhause ist es doch am Schönsten ...

Davon wissen die Fans des HSV momentan ebenso ein Liedchen zu singen wie die des FC Schalke 04. Denn während die Rothosen mit dem schon angesprochenen Nordderby auswärts die siebte Pleite nacheinander kassiert haben und scheinbar nur daheim erfolgreich sein können, sind die Gelsenkirchener in der Veltins-Arena seit Monaten eine Macht und haben dort in den vergangenen zehn Partien 28 von 30 möglichen Punkten eingefahren. Dementsprechend hatte auch Eintracht Frankfurt beim 2:0-Sieg der Knappen am Freitagabend auf dem Rasen wenig zu melden, dafür hinterließen beide Lager auf den Rängen bleibenden Eindruck: Als ein Fahnenträger in der Anfangsphase zusammengebrochen und von Ärzten behandelt werden musste, blieben die Anhänger hüben wie drüben zunächst stumm. "Die Fans hatten ein unfassbar gutes Gespür für die Situation und haben den Support vorübergehend eingestellt. Erst als sie erkannt haben, dass es ihm besser geht, haben sie wieder gesungen. Das war genau die richtige Entscheidung", lobte S04-Sportvorstand Horst Heldt. "Hut ab vor dieser Sensibilität."

Stefan Missy