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Er ist in den Stadien der Bundesliga zuhause und ist zudem die rechte Hand von Bundestrainer Joachim Löw: Hans-Dieter Flick.

Für bundesliga.de wirft der Assistenztrainer der deutschen Nationalmannschaft einen Blick auf die abgelaufene Hinrunde, besonderes Augenmerk gilt dabei natürlich seinen beiden Ex-Clubs: Für den FC Bayern hat er gespielt, 1899 Hoffenheim hat er trainiert.

Zudem spricht Flick über die neuen Trainer in der Bundesliga und den Stempel, den sie Deutschlands höchster Spielklasse schon jetzt aufgedrückt haben. Und er gibt einen Ausblick auf das Jahr 2009 für die Nationalelf.

bundesliga.de: Herr Flick, die Hinrunde der Bundesliga-Saison 2008/09 ist Geschichte. Hand aufs Herz: Hätten Sie damit gerechnet, dass Hoffenheim ganz oben steht und die Hertha auf Platz 3?

Hansi Flick: Ganz ehrlich: Damit konnte man nicht rechnen. Ich habe die Entwicklung Hoffenheims aus nächster Nähe beobachtet und war ja auch lange Zeit direkt involviert. Es war mir immer klar, dass sich Hoffenheim in der Bundesliga leichter tut als in der 2. Bundesliga. Aber dass sich die Mannschaft so schnell zurechtfindet, damit konnte man nicht rechnen. Auch Hertha BSC hat mich positiv überrascht.

bundesliga.de: Sie selbst waren einige Jahre Trainer bei 1899. Schon damals arbeitete der Verein an der Vision Dietmar Hopps. Welche Erfahrungen haben Sie damals gemacht?

Flick: Bis auf die letzten Tage der Zusammenarbeit nur positive. Ich habe Herrn Hopp als herausragenden Menschen kennengelernt, der sich für diese Sache in Hoffenheim intensiv einsetzt - und trotzdem delegieren kann. Er ist eine absolute Ausnahme, weil er so viel Herzblut reinsteckt und weil seine Visionen trotzdem realisierbar sind.

bundesliga.de: Seit 2006 ist Ralf Rangnick nun Trainer in Hoffenheim. Wie sehen Sie dessen Arbeit?

Flick: Die kann man nur in höchstem Maße loben. Es ist aber nicht nur Ralf Rangnick, sondern es gibt in Hoffenheim ein hervorragendes Betreuerteam mit absoluten Top-Leuten. Und der Trainer zeigt, dass er die Fäden in der Hand hält und auch gut delegieren kann.

bundesliga.de: Mit Marvin Compper hat der erste Hoffenheimer Spieler bereits sein Debüt in der Nationalelf gegeben. Der Aufsteiger hat aber noch viele weitere junge, talentierte deutsche Spieler im Kader. Außerdem steht ab der Rückrunde mit Timo Hildebrand ein Keeper zwischen den Pfosten, der nur zu gern wieder den DFB-Adler auf der Brust tragen würde. Werden Sie in der Rückrunde öfter in Hoffenheim zu Gast sein als bisher?

Flick: Das würde Reisekosten beim DFB sparen… (lacht). Nein, im Ernst: Wir haben ein hervorragendes Scoutingsystem. Wir waren mit unseren Trainern in der Vorrunde pausenlos unterwegs - und zwar nicht nur bei den Bundesliga-Spielen, sondern auch bei Trainingseinheiten und bei Gesprächen mit Trainern und Spielern. Ich glaube, dass der Kontakt zur Bundesliga hervorragend ist. Wir werden in der Rückrunde Hoffenheim weiterhin intensiv beobachten - aber auch Kontakt zu den anderen Vereinen haben.

bundesliga.de: Zu Ihrer aktiven Zeit wurden sie vier Mal Deutscher Meister mit Bayern München. Was sagen Sie zur Hinrunde der aktuellen Bayern-Elf?

Flick: Auch hier ist die Entwicklung absolut positiv. Jürgen Klinsmann hat gemeinsam mit dem Verein hervorragende Bedingungen geschaffen. Die Mannschaft spielt meiner Meinung nach attraktiver und offensiver. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die mich nicht überrascht haben, kam die Mannschaft immer besser ins Rollen und hat auch in der Champions League sehr gut abgeschnitten.

bundesliga.de: Sie haben das Glück, jede Menge Bundesliga-Partien live sehen zu können. Können Sie die Spiele eigentlich auch insgesamt ein wenig genießen oder haben Sie nur Augen für den oder die Spieler, die für die Nationalmannschaft in Frage kommen?

Flick: Es ist eine Mischung. Es geht nicht ums Genießen und es geht auch nicht nur um die Spieler, die für die Nationalmannschaft in Frage kommen. Ich schaue mir alle Spieler an und beobachte auch taktische Entwicklungen und Feinheiten. Aber mir macht dieses Beobachten der Spiele in der Tat viel Spaß.

bundesliga.de: Was zeichnet die Bundesliga in dieser Saison ganz besonders aus?

Flick: Ich glaube, dass durch die neuen Trainer wie Jürgen Klinsmann, Ralf Rangnick, Bruno Labbadia oder Martin Jol auch neuer Schwung in die Bundesliga gekommen ist. Da ist eine gute Entwicklung in Gang gekommen und es freut mich besonders, dass diese Trainer mit ihren Mannschaften an der Spitze der Tabelle stehen.

bundesliga.de: Noch ein Wort zur Nationalmannschaft. Wie fällt Ihr Fazit zum Jahr 2008 aus und welche Ziele haben Joachim Löw und Sie sich für das kommende Jahr gesetzt?

Flick: Wir haben es dieser Tage gesagt: Die Bilanz wird nicht mit einem goldenen Rand in die Verbands-Annalen eingehen, aber wir können alle zufrieden sein. Als einziger der vier europäischen WM-Halbfinalisten von 2006 haben wir bei der anschließenden EM das Finale erreicht. Und bei der WM-Qualifikation haben wir bisher von zwölf möglichen Punkten zehn geholt. Daneben haben wir, wie bereits erwähnt, den Kontakt zu den Bundesliga-Vereinen verbessert und auch die einheitliche Spielphilosophie in den Auswahlmannschaften vorangetrieben. Natürlich gab es auch verbesserungsfähige Dinge - aber das gehört dazu. Als wichtigstes Ziel für 2009 steht eine möglichst schnelle Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Vordergrund.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz