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Als der Finne Jonatan Johansson in Hamburg in der 11. Minute den Ball aus kurzer Distanz an Rene Adler vorbei zum 1:0 in die Maschen drosch, wurde bei vielen deutschen Fans die Erinnerung an das Spiel gegen Tschechien vor fast genau zwei Jahren wach.

Am 17. Oktober 2007 verlor die deutsche Nationalmannschaft in München sang- und klanglos mit 0:3. Damals hatte die DFB-Elf schon vor der Partie das Ticket für die EURO 2008 sicher in der Tasche. Gegen Finnland war die Situation ähnlich. Nur dieses Mal war die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika bereits unter Dach und Fach.

"Wir wollten Gas geben und gut spielen. Leider ist es dann genauso losgegangen wie im letzten Gruppenspiel der vergangenen Qualifikationsrunde. Wir haben viele Fehlpässe gespielt und waren nicht konzentriert genug", analysierte Innenverteidiger Arne Friedrich nach dem Schlusspfiff.

Kritik von Bierhoff

Dank Lukas Podolski, der in der Schlussminute etwas glücklich noch den 1:1-Endstand erzielte, gab es für die DFB-Elf immerhin noch ein kleines Happy-End. "Wir können nicht zufrieden sein. Uns war es nach dem anstrengenden Spiel in Russland zwar klar, dass es schwierig werden würde, die Mannschaft wieder hochzufahren, aber leider haben wir zu behäbig gespielt. Ich hoffe aber, dass auch nach solch einem Spiel die Freude über die klare Qualifikation überwiegt", meinte Teammanager Oliver Bierhoff.

Die Fans zeigten aber wenig Verständnis und quittierten die Leistung schon früh mit Pfiffen. Michael Ballack war mit dieser Reaktion nicht ganz einverstanden. "Ich habe kein Verständnis für die Pfiffe. Natürlich haben wir nicht gut gespielt, aber das hat die Mannschaft nach dieser guten Qualifikation nicht verdient. Wir sind alle enttäuscht. Ich hätte mehr Fingerspitzengefühl erwartet", sagte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.

Umstellungen bringen nicht die erhoffte Wirkung

Die Zuschauer vermissten an diesem bitterkalten Abend an der Elbe die herzerwärmende Spielfreude der vergangenen Auftritte. Doch die deutsche Elf kam nie so richtig in Schwung, wirkte über weite Strecken kraft- und ideenlos.

Und das, obwohl Bundestrainer Joachim Löw die Startelf im Vergleich zum Russland-Spiel gleich auf sechs Positionen veränderte und auf ein offensives 4-3-3 umstellte. In den Vordergrund spielte sich aber keiner der "Neulinge".

"Finnland hat defensiv gut gestanden. Wir waren nicht so frisch wie in Moskau, aber es ist auch schwer, nach so einem Spiel die Kräfte zu bündeln. Dennoch habe ich aus dem Spiel gute Erkenntnisse geschlossen", erklärte Löw und nahm damit Arne Friedrich, Thomas Hitzlsperger, Mario Gomez und Co. aus der Schusslinie.

Verlängert Löw, oder verlängert er nicht?

Acht Siege, zwei Remis - so lautet die Bilanz der Nationalmannschaft in der WM-Quali. Die Vorbereitung auf Südafrika hat mit dem Spiel gegen Finnland zwar nicht so gut begonnen, bei den Testspielen gegen Chile am 14. November und Ägypten vier Tage später bietet sich den Nationalspielern aber erneut eine Chance, sich zu empfehlen.

Bis dahin wird vielleicht auch geklärt sein, ob Bundestrainer Löw seinen Vertrag beim DFB vorzeitig verlängert. Löw selber hielt sich direkt nach dem Spiel noch bedeckt. "Das war für mich in den vergangenen Tagen kein Thema. Die Qualifikation war wichtig. Jetzt kann man den Kopf mal freibekommen und sich überlegen, wie es weitergeht und dann werden sicherlich auch Gespräche stattfinden", so Löw.

Michael Reis