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München - Der kleine "Club träumt" von der Unsterblichkeit, die großen Bayern von dem Beginn einer Klettertour zur Meisterschaft: Trotz der klaren Rollenverteilung war die bayerische Welt faktisch selten so verkehrt wie vor dem 53. Derby zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg am Sonntag (ab 17 Uhr im Live-Ticker).

18 Jahre nach dem letzten Sieg in München wittern die Nürnberger ihre Chance, in die Bundesliga-Annalen einzugehen. "Macht euch in München unsterblich", forderten die "Club"-Fans nach dem 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln am vergangenen Spieltag auf einem Transparent.

Grund zum Optimismus haben die Anhänger allemal: 18 Punkte aus elf Spielen holte die Mannschaft von Dieter Hecking - der Rekordmeister nur 16. Damit herrscht erstmals seit vier Jahren wieder eine verkehrte Tabellen-Welt in Bayern.

Bader: Schön, ohne Messer an der Kehle

"Wir haben jetzt Rückenwind, da kann man auch in München gewinnen", sagt etwa Mittelfeldspieler Jens Hegeler. Sportdirektor Martin Bader übt sich zunächst noch im Realismus: "Es ist schön, mal nicht mit dem Messer an der Kehle nach München zu fahren."

Mit dem Rücken zur Wand stehen die Gastgeber. Der "Double"-Gewinner - momentan im grauen Mittelfeld - empfängt das Relegationsteam des letzten Jahres, das an den Europapokalplätzen schnuppert. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge fordert daher bedingungslos drei Punkte: "Der Blick auf die Tabelle lässt nichts anderes als einen Sieg zu, dafür gibt es keinen Ersatz." Präsident Uli Hoeneß wird noch deutlicher: "Es gibt kein Erbarmen für den 'Club'."

Der Ausbildungsverein des FC Bayern, in der letzten Saison durch Leihgaben wie Andreas Ottl und Breno nur knapp dem Abstieg entgangen, macht dem Lehrmeister plötzlich den Rang streitig. Von mehr als einer "wunderschönen Momentaufnahme" traut sich Bader aber trotzdem nicht zu sprechen.

Ribery und van Bommel zurück

Auch Bayerns Mario Gomez ist sich sicher, dass der FC Bayern "eigentlich die bessere Mannschaft" ist. Die Punkte, die man am vergangenen Samstag beim 3:3 in Mönchengladbach liegen gelassen habe, müsse man sich zurückholen. Ein Sieg sei Pflicht: "Die ganze Liga schaut auf uns."

Optimistisch stimmte den FCB-Coach Louis van Gaal vor allem das sich lichtende Bayern-Lazarett. "Ich habe 19 fitte Spieler, einen ganzen Kader", freut sich der Niederländer. Medizinisch seien Franck Ribery, Kapitän Mark van Bommel und Diego Contento wieder fit, "aber sie sind noch nicht spielfit". Zunächst werden die Rekonvaleszenten daher auf der Bank Platz nehmen müssen, während van Gaal der Startelf das Vertrauen schenkt, die ihn in der vergangenen Woche beim 3:3 in Mönchengladbach noch verärgert hatte.

Auch wenn Spitzenreiter Dortmund durch den Sieg gegen den HSV den Vorsprung mittlwerweile auf 15 Punkte ausgebaut hat, gerät Trainer van Gaal "noch nicht in Panik. Wir können den Rückstand noch aufholen."

Historisches Ziel

Auf der anderen Seite freut sich Bayern-Leihgabe Mehmet Ekici besonders auf das Aufeinandertreffen in der Münchner Allianz Arena. Der 20-Jährige war zwar leicht erkältet, steht gegen seinen Heimatverein aber wohl wieder im Aufgebot - voller Selbstbewusstsein: "Wir sind der 'Club'. Wir werden alles für einen Sieg geben".

Historisch gesehen verspricht das bayerische Derby sowieso seit jeher Außergewöhnliches. Dem "Phantomtor" von Thomas Helmer am 23. April 1994 folgte eine Spielwiederholung, und 1968 sicherten sich die Nürnberger mit einem 2:0 bei den Bayern ihre letzte Meisterschaft.

"Wer nicht in München gegen die Bayern gewonnen hat, der geht nicht in die Bundesliga-Annalen ein", hatte auch Willi Entenmann am 28. März 1992 gesagt. Unter Trainer Entenmann fand an diesem Tag die letzte Mannschaft des "Clubs" in den Geschichtsbüchern Erwähnung - mit einem 3:1-Sieg im Olympiastadion.