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Köln - Mit Leverkusen wurde er 1993 Pokalsieger, mit Dortmund 2002 Deutscher Meister. Christian Wörns kennt die beiden Kontrahenten des mit Spannung erwarteten Verfolgerduells am Sonntag noch aus eigener Erfahrung. Wie der 40-Jährige die Chancen der beiden Clubs einschätzt, verriet er im Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Wörns, am Sonntag treffen Ihre beiden Ex-Vereine Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund aufeinander. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Christian Wörns: Ich erwarte ein Duell ungefähr auf Augenhöhe. Beide Mannschaften sind im Moment gut drauf. Ich habe das Leverkusener Spiel in Freiburg am Fernseher verfolgt. Das hat mir gut gefallen. Auch die Dortmunder haben zwei starke Spiele abgeliefert. Man konnte eine Handschrift erkennen. Es geht zwischen diesen beiden Vereinen um den 2. Tabellenplatz. Leverkusen will auf dem Platz bleiben, Dortmund würde die Position gerne erobern. Das verspricht ein interessantes Spiel zu werden.

bundesliga.de: Was zeichnet die beiden Teams aus?

Wörns: Leverkusen steht sehr kompakt und hat im Spiel gegen den Ball ein Konzept. Ich favorisiere allerdings in dem Spiel Dortmund ein bisschen, weil die Borussen im Spielaufbau etwas flexibler und kreativer spielen. Leverkusen versucht, gut zu stehen, den Ball zu gewinnen und dann Konter zu fahren. Beide Vereine spielen nach Bayern München sehr konstant.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Leverkusen und Dortmund die beiden Plätze hinter den Bayern unter sich ausmachen? Oder haben Sie noch andere Vereine auf der Rechnung?

Wörns: Nein. Im Moment habe ich die beiden auf dem Zettel für die Plätze 2 und 3. Für die anderen Mannschaften wird es schwer. Nicht weil sie schlechte Mannschaften sind, sondern weil die Konstanz etwas fehlt.

bundesliga.de: In der BayArena kommt es auch zum Stürmerduell zwischen Stefan Kießling und Robert Lewandowski. Wen halten Sie für stärker?

Wörns: Im Moment liegt Stefan Kießling in der Torschützenliste einen Tick vorne. Seine 13 Tore sprechen für seine Qualität. Er hat seit Monaten einen Lauf. Lewandowski ist auch gut in Form. Man kann beide Stürmer gut ins Spiel miteinbinden. Wenn gepresst wird, verarbeiten sie auch gut lange und hohe Bälle. Beide sind in Topform.

bundesliga.de: Wer ist aus Sicht eines Abwehrspielers, wie Sie früher einer waren, schwerer zu verteidigen?

Wörns: Gegen Kießling habe ich selbst noch gespielt. Es ist gegen beide unangenehm zu spielen. Sie bringen körperlich einiges mit und sind technisch gut. Mit dem Rücken zum Gegner kann man sie gut in den Fuß oder in der Luft anspielen. Sie schirmen die Bälle gut ab und wehren sich auch richtig.

bundesliga.de: Sind die in der Hinrunde gelegentlich noch schwächelnden Dortmunder aus Ihrer Sicht wieder in der Spur?

Wörns: Ja, Dortmund ist sicherlich wieder in der Spur. In Bremen ist ein 5:0-Sieg nicht selbstverständlich. Und die Nürnberger waren mit dem 3:0 noch gut bedient. Dortmund hat so souverän und überlegen gespielt, dass man nie das Gefühl hatte, dass Nürnberg da einen Punkt hätte mitnehmen können. Aber auch Leverkusen hat in Freiburg gegen einen wirklich unangenehm zu spielenden Gegner alles rausgehauen und ein super Pressing gespielt. Leverkusen hat da keinesfalls enttäuscht. Das war ein Spiel von beiden auf ganz hohem Niveau.

bundesliga.de: Der BVB hat seinen früheren Star Nuri Sahin zurückgeholt. Macht das Ausleihgeschäft Sinn?

Wörns: Ich denke, es macht Sinn, vor allem auch perspektivisch, auch wenn er zunächst nur für eineinhalb Jahre unterschrieben hat. Danach spielt Real Madrid eine große Rolle. Aber wenn man die Interviews von ihm hört, kann er sich wohl vorstellen, auch länger zu bleiben. Sebastian Kehl spielt in den letzten beiden Jahren wirklich überragend, aber wird auch nicht jünger. Deshalb macht es wie gesagt perspektivisch Sinn und erhöht den Konkurrenzkampf. Außerdem wird Dortmund aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr in der Champions League spielen.

bundesliga.de: Kann der hohe Konkurrenzkampf um die Plätze im Dortmunder Mittelfeld auch kontraproduktiv sein und für Unruhe sorgen?

Wörns: Nein, jeder einzelne weiß, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen darf. Jeder muss weiterhin Gas geben. Wenn es Verletzte gibt, hat der Trainer nun immer einen Topspieler, der nahtlos einspringen kann. Das können die drei, vier zusätzlichen Prozentpunkte sein, die am Ende entscheidend sein können.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Leverkusen oder Dortmund den Bayern noch einmal gefährlich werden können?

Wörns: Das liegt nur am FC Bayern. Wenn Dortmund in der Vorrunde das direkte Duell gewonnen hätte, dann hätten sie vielleicht noch einmal rankommen können. Aber Bayern hat einen enormen Vorsprung, elf Punkte aus Leverkusen und zwölf auf Dortmund. Die Bayern sind sehr gefestigt. Sie müssten ja drei Mal in Folge verlieren, die anderen alles gewinnen. Ich glaube eher nicht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski