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Köln - Borussia Dortmund hat die Trendwende auch in der Domstadt nicht geschafft. Nach der 1:2-Niederlage beim 1. FC Köln warten die Westfalen nun schon seit fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis in der Bundesliga. Hoffnung macht allerdings die Rückkehr von Ilkay Gündogan, Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan.

Die Mienen werden ernster, längst ist den Verantwortlichen bei Borussia Dortmund das Lachen vergangen. "Heute gibt’s nichts von mir zu sagen", rief Sebastian Kehl den wartenden Journalisten zu, während er zum Mannschaftsbus eilte. Die Faktenlage ist beim BVB nach diesem 8. Spieltag alles andere als positiv. Sieben Punkte hat der Vizemeister auf dem Konto, in der Tabelle reicht es momentan nur für Platz 14. Die hochambitionierte Verein hinkt seinen eigenen Ansprüchen gewaltig hinterher.

Zorc: "Brauchen nicht über Saisonziele sprechen"

"Es ist die schwierigste Situation für uns in den letzten Jahren, das muss man klar sagen", sprach Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc Klartext. "Es fehlt überall ein bisschen. Es fehlt die Konsequenz im Offensiv- und im Defensivbereich. Wir schenken die Gegentore wieder her. Die so genannten Führungsspieler machen kapitale Böcke. Es fehlt die nötige Gier, unbedingt ein Tor erzielen zu wollen."

Das Wort von der Krise macht unwidersprochen die Runde. "Wie soll man das auch sonst nennen?" fragt Zorc. "Wir müssen sehen, dass wir irgendwann da unten rauskommen. Im Moment sitzen wir unten drin, der Abstand nach oben wird immer größer. Aber wir brauchen nicht über Saisonziele sprechen. Wir müssen sehen, wann ist das nächste Bundesliga-Spiel. Das muss gewonnen werden."

Schwarz-Gelb veranstaltet Fehlpassfestival

Der Druck nimmt weiter zu. Das haben sich die Spieler selbst eingebrockt, die in Köln zu sehr versuchten, fußballerische Lösungen zu finden. Doch statt eines gepflegten Kombinationsspiels gab es vor allem vor der Pause ein Fehlpassfestival und unerklärliche Konzentrationsmängel, die der Aufsteiger konsequent bei beiden Toren ausnutzte.

"Wir haben eine Art Fußball gespielt, die absolut keinen Sinn macht", fasste BVB-Trainer Jürgen Klopp das Geschehen drastisch zusammen. "Es ist eine Mischung aus fehlender Konzentration und schlechtem Fitnesszustand. Wir haben ja kaum noch einen Spieler, der keine längere Verletzung hatte. Und die, die keine hatten, mussten durchspielen und gehen auf dem Zahnfleisch. Diese Fehler müssen wir abstellen. Nicht morgen oder übermorgen, sondern jetzt."

Der enge Terminkalender lässt dem BVB aber kaum Zeit, an der Beseitigung der Fehler im Training zu arbeiten. Schon am Mittwoch steht das Champions-League-Spiel bei Galatasaray Istanbul auf dem Programm, in dem die Borussia einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen kann. Denn im Gegensatz zur Bundesliga hat sich der Vizemeister international noch keine Blöße gegeben. "Das ist ja das Fatale", rätselt Michael Zorc über die zwei Gesichter des BVB.

Rückkehrer brauchen noch Zeit

Immerhin hat sich die angespannte Personalsituation etwas entspannt. In Köln stand Ilkay Gündogan erstmals nach über 430 Tagen wieder auf dem Platz. Der Nationalspieler spulte 10,8 Kilometer ab und brachte 85 Prozent seiner Pässe erfolgreich an den Mann. Zudem kehrten Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan zurück ins Team. Der Erstgenannte legte den 1:1-Ausgleichstreffer von Immobile vor und schoss selbst fünf Mal auf den Kasten. Doch die drei werden sicher noch einige Zeit brauchen, um wieder zu ihrer Topform zurückzufinden. Das gilt auch für Dortmunds Mannschaftskapitän Mats Hummels, der in Köln ebenfalls noch unübersehbare Defizite an den Tag legte, aber seinen Kampfgeist noch lange nicht verloren hat.

"Es ist nur eine Frage von Spielen, bis wir unsere Form und vielleicht auch ein bisschen das Glück wieder gefunden haben", glaubt der Weltmeister. "Wir haben einen Riesenrückstand auf die Positionen, die wir erreichen wollen. Es wird ein harter Kampf. Aber wir werden in den 26 ausstehenden Spielen definitiv angreifen und das nicht unruhig oder planlos. Wir werden uns weiter verbessern und dann platzt der Knoten auch wieder in der Bundesliga. In der Champions League läuft es ja."

Der nächste Gegner in der Bundesliga ist am kommenden Wochenende Hannover 96, ein Team, das nach drei Niederlagen in Folge selbst aus dem Tritt geraten ist. Danach kommen mit dem Auswärtsspiel beim FC Bayern und dem Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach die ganz dicken Brocken. Diese Partien werden für den weiteren Saisonverlauf richtungsweisend sein.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski