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Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat auf den Pokal-Frust von Bielefeld die richtige Antwort gegeben. Die Fohlen überrannten im Borussen-Duell den Namensvetter aus Dortmund nach einem über weite Strecken begeisternden Spiel verdient mit 3:1 und waren dabei vom Anpfiff weg hellwach. Schon nach 28 Sekunden klingelte es erstmals im BVB-Tor.

Vielleicht lag das auch an der etwas ungewöhnlichen Spielvorbereitung, die die beiden Skandinavier Oscar Wendt und Havard Nordtveit am Morgen vor dem Match gewählt hatten. "Wir haben auf Youtube Videos angeguckt", erzählt der Norweger Nordtveit. "Es ging um die ultimativen Last-Minute-Tore. Irgendwie hat Oscar das nicht richtig verstanden. Er hat viel zu früh getroffen."

Nicht mal eine halbe Minute benötigten die Gladbacher Borussen für das blitzschnelle Führungstor durch Oscar Wendt. "Das frühe Tor tat uns gut, um auch das Pokalspiel zu verarbeiten", freute sich Borussias Sportdirektor Max Eberl. Danach lief das Spiel wie am Schnürchen, immer dann, wenn der BVB etwas aufkam, legte die Elf vom Niederrhein nach. Erst nach erneut überragender Vorarbeit von Patrick Herrmann durch Raffael nach einer guten halben Stunde, dann durch Nordtveit selbst zum vorentscheidenden 3:0 Mitte der zweiten Halbzeit.

Zwölf Punkte Vorsprung auf Schalke

Dank dieses souveränen Erfolges hält die Elf von Lucien Favre weiter Kurs Richtung Champions League. Bei nunmehr zwölf Punkten und 16 Toren Vorsprung auf den Fünften Schalke 04 und nur noch sechs ausstehenden Spielen, sollte mindestens der 4. Platz im Endklassement weitgehend sicher sein. Für den Fall, dass die Borussia diesen Vorsprung auf die Knappen noch verspielen sollte, kündigte Gladbachs Mittelfeldabräumer Granit Xhaka drastische Schritte an. "Dann höre ich mit Fußball auf", gab der Schweizer scherzend zu Protokoll.

Die Gefahr dürfte gegen Null tendieren, zu konstant und stabil spielt Borussia Mönchengladbach in der Rückrunde auf. Acht von elf Spielen wurden gewonnen, darunter die letzten vier am Stück und sogar die letzten sieben Heimspiele in Serie. Mit 26 Punkten holte Borussia zusammen mit Wolfsburg die meisten Zähler im Jahr 2015.

"Endspiel" gegen Leverkusen?

Wichtig für die Fohlen wäre es vor allem, Platz 3 und damit die direkte Qualifikation für die Königsklasse zu sichern. Denn bei Platz 4 würden in den Qualifikationsspielen schwere Brocken drohen. Gladbach hat alles in eigener Hand. In den letzten sechs Partien dieser Saison empfängt die Favre-Truppe noch den härtesten Verfolger aus Leverkusen am drittletzten Spieltag im heimischen Stadion. Zwei Punkte Vorsprung sind es derzeit, die Werkself ist jedoch der absolute Angstgegner von Borussia und seit über zwei Jahrzehnten in Mönchengladbach unbesiegt.

"Wir müssen jetzt auf Leverkusen schauen. Das wird das entscheidende Spiel werden", glaubt nicht nur Granit Xhaka. "Wir wollen uns Platz 3 holen, auch wenn wir noch mit Wolfsburg oder Augsburg weitere enorm schwere Gegner haben." Das Restprogramm hat es also durchaus noch in sich. Doch gerade diese Topspiele machen Xhaka weitaus mehr Spaß, als gegen "Gegner wie Köln, die sich nur hinten reinstellen". Gegen mitspielende Kontrahenten kann Gladbach seine auch gegen Dortmund wieder eindrucksvoll demonstrierte Konterstärke ausspielen.

Freitag in Frankfurt

Bevor es zu den Knallern gegen Wolfsburg und Leverkusen kommt, muss die Borussia erst einmal ihre Hausaufgaben in Frankfurt am kommenden Freitag erledigen. Im Hinspiel gab es gegen die Hessen die einzige Heimniederlage (1:3) der Saison, im Pokal konnte Gladbach dagegen in der 2. Runde bei der heimstarken Eintracht mit 2:1 gewinnen. Gelingt das wieder, ist die Königsklasse zum Greifen nahe.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski