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München - Die mitgereisten Fans von Borussia Mönchengladbach brachten es auf den Punkt. "Ein Schuss, ein Tor - Borussia", schallte es durch die Allianz Arena. Die gnadenlose Effizienz war aber nicht der einzige Grund für den verdienten 2:0-Erfolg beim FC Bayern München. Obendrein tankten die Gladbacher zusätzliches Selbstvertrauen für die kommenden Wochen.

Gleich den ersten Torschuss der Gäste nutzte Raffael in der 30. Minute zur Führung. Schon zum siebten Mal gelang der Borussia in dieser Saison mit dem ersten Abschluss der erste Treffer. In der Schlussphase nutzte erneut Raffael (77.) einen der Konter zur Entscheidung. "Wir wussten, dass wir nicht so viele Möglichkeiten kriegen. Und die, die wir hatten, mussten wir nutzen. Von unseren vier Torchancen haben wir zwei genutzt, besser geht es nicht", schwärmte Granit Xhaka.

"Wenn du Bayern schlägst, musst du Champions League spielen"

Der Blick auf die Tabelle sorgte zusätzlich für Zufriedenheit. Mit nun 47 Punkten zogen die Gladbacher wieder an Bayer Leverkusen vorbei  und schoben sich auf Platz drei. Allein in der Rückrunde holten die Fohlen zusammen mit Wolfsburg die meisten Punkte (20), einen mehr sogar als Tabellenführer Bayern. "Wir haben Träume und wir haben ein Ziel: Das ist die Champions League", betonte Xhaka. "Mit dem heutigen Sieg sind wir auf einem sehr guten Weg. Wenn du Bayern München schlägst, musst du nächstes Jahr auch Champions League spielen."

Auch Sportdirektor Max Eberl sprach angesichts der Punkterfolge der Konkurrenz von einem "Big Point", Trainer Lucien Favre trat hingegen auf die Euphoriebremse. "Es war nur ein Spiel, drei Punkte, und es ist schon wieder vorbei", stellte der Schweizer nüchtern fest. Dennoch bedeutete der Sieg in München ein bisschen mehr als nur drei Punkte. Immerhin fügte Favres Team dem souveränen Tabellenführer die erste Heimniederlage der Saison zu - auch weil Favres Schützlinge den taktischen Plan perfekt umsetzten.

Herrmann spielt seine Stärken aus

Die Borussia schaffte durch geschicktes Verschieben immer wieder Überzahlsituationen gegen den ballführenden Bayern-Spieler und stellte konsequent die Räume für das gefürchtete Passspiel der Gastgeber zu. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Arjen Robben fehlte den Bayern zusätzlich die nötige Kreativität, die kompakte Ordnung der Gäste in Unordnung zu versetzen. "Es hat uns sicher nicht geschadet, dass Robben raus musste, auch wenn es mir persönlich leid tut", gestand Patrick Herrmann.

Der 24-Jährige stellte einmal mehr seine Stärken als Konterspieler unter Beweis und hatte mit der Vorlage zum 1:0 und dem einleitenden Pass auf Christoph Kramer vor dem 2:0 entscheidenden Anteil am Sieg. Dabei konnte Herrmann es verschmerzen, dass er sein Vorhaben, in München selbst zu treffen, nicht in die Tat umsetzen konnte. "Dass es nicht geklappt hat, nehme ich gerne in Kauf, wenn wir das Spiel so gewinnen", sagte Herrmann.

Vorjahr als Warnung

Zugleich verschafften sich die Gladbacher dank des Erfolgs ein Polster von acht Punkten auf den Tabellenfünften FC Schalke 04. Der von Xhaka formulierte Traum von der Champions League nimmt immer realistischere Züge an. Doch Herrmann warnte: "Es wird viel darüber geredet, aber wir als Mannschaft müssen das von uns fernhalten. Im letzten Jahr wurde in der Winterpause auch viel darüber geredet und in der Rückrunde hat man ja gesehen, was passiert ist."

Im Vorjahr überwinterten die Fohlen auf Platz drei, rutschten nach einer Serie von sieben Spielen ohne Sieg jedoch zwischenzeitlich auf Rang acht ab und schafften am Ende immerhin die Qualifikation für die Europa League. In diesem Jahr kamen die Gladbacher nach der Winterpause bedeutend besser aus den Startlöchern. Der Erfolg gegen die Bayern war die vorläufige Krönung der Erfolgsserie, die für Patrick Herrmann in den kommenden Spielen in Hoffenheim und gegen Borussia Dortmund fortgesetzt werden soll: "So ein Sieg gibt zusätzliches Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben."

Aus München berichtet Maximilian Lotz