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Dortmund - Jetzt also auch noch Henrikh Mkhitaryan. Als wäre die 0:2 Niederlage beim 1. FSV Mainz 05 nicht schlimm genug: Der armenische Nationalspieler zog sich nach seiner Einwechslung einen Bänderriss in der Fußwurzel zu und wird wohl vier Wochen ausfallen.Und damit auch das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart verpassen.

Mittlerweile liest sich die Verletztenliste von Borussia Dortmund wie die Aufstellung eines europäischen Spitzenteams: Nuri Sahin, Ilkay Gündogan, Marco Reus, Neven Subotic, Mats Hummels, Jakub Blaszczykowski, Sebastian Kehl, Oliver Kirch und Dong-Won Ji stehen auf der Ausfallliste, nun also auch noch Mkhitaryan. Der Dortmunder Kader ist mittlerweile zwar so groß, dass Klopp in Ciro Immobile und Henrikh Mkhitaryan zwei Helden des Arsenal-Spiels in Mainz zunächst auf der Bank beließ - doch langsam kommt auch der BVB an seine Grenzen. Einzig Neven Subotic könnte für die beiden kommenden Spiele in der Liga am Mittwoch gegen den VfB Stuttgart und am kommenden Samstag beim Derby auf Schalke (Galerie: Legendäre Revierderbys) wieder einsatzbereit sein.

"Mit Gefühl der Niederlage" in die englische Woche

Die Borussia ächzt also schon früh unter den vielen Ausfällen, bis Weihnachten gibt es aber fast nur noch englische Wochen, zum Durchatmen bleibt keine Zeit. Keine leichte Aufgabe für Trainer Jürgen Klopp. Der tat sich schwer, diese Niederlage in Mainz einzuordnen. Klopp hatte ein Spiel gesehen, an dessen Ende ein "verdienter Sieg" seiner Mannschaft hätte stehen können. Der BVB hatte aber 0:2 verloren. Beim 1. FSV Mainz 05. Und weil die Nullfünfer diese zwei Tore mehr als seine Spieler geschossen hatten, stand am Ende für Klopp "irgendwie" auch eine "verdiente Niederlage".

Für die Dortmunder war es bereits die zweite Pleite im vierten Ligaspiel, das Torverhältnis des BVB weißt in der Rubrik Tordifferenz aktuell "-1" aus. "Das ist eine durchwachsene Statistik", untertrieb Klopp, bevor er zugab, dass diese ihm gar nicht schmecke. Ebenso wenig konnte sich Klopp mit der Tatsache anfreunden, dass die Dortmunder "das Gefühl der Niederlage mit in die kommende Woche nehmen".

Allerletzte Konsequenz im Abschluss fehlte

Dabei waren die Dortmunder mit dem Hochgefühl eines atemberaubenden 2:0-Erfolges gegen den FC Arsenal in der Champions League nach Mainz gereist. Vergangenen Dienstag schien dieser BVB nach Meinung vieler Experten ein Favorit auf den Champions-League-Gewinn zu sein. Am Samstag aber verlor der BVB in Mainz. Die Gründe für die Niederlage lagen in mangelnder Effizienz vor dem Tor und zu inkonsequentem Verteidigen bei den Gegentoren (Klopp: "Da waren wir in der Birne zu passiv.").

Dortmund hat nicht schlecht gespielt in Mainz, aber die allerletzte Gier bei der Balleroberung, die allerletzte Konsequenz im Abschluss fehlte vier Tage nach dem Triumph gegen Arsenal. Dabei, gab Mittelfeldspieler Sven Bender zu, sei man den Rhythmus aus den Spielen in der Champions-League und in der Liga gewohnt.

BVB muss an Grenzen gehen

Doch wie schon häufig in der Vergangenheit konnte der BVB den Zug aus den erfolgreichen Europapokalnächten nicht mit in die Liga nehmen. Die Niederlage in Mainz sei zwar einerseits "unnötig", wie Sven Bender bemerkte, weil der BVB beste Chancen nicht nutzte, zweimal der Pfosten für Mainz rettete (Ramos und Mkhitaryan) und Ciro Immobile beim Stand von 0:1 mit einem Elfmeter an FSV-Torwart Loris Karius scheiterte (Klopp: "Auch das gibt es im Fußball.").

Sven Bender sagte einen banal klingenden Satz, der aber viel erklärte: "Das ist erste Liga - und da gibt es keine schlechten Spieler." Übersetzt heißt das: Nicht nur um eine Mannschaft wie Arsenal zu besiegen, muss der BVB an seine Grenzen gehen. Fehlen nur ein paar Promille an Gier, Kraft und Willen kann eine Spitzenmannschaft wie der BVB eben auch in Mainz verlieren. Das Problem der schnellen Abfolge von Spielen wird den BVB die nächsten Monate noch weiter begleiten, schon in dieser Woche und beim Heimspiel am Mittwoch gegen den VfB Stuttgart.

Tobias Schächter