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Dortmund - Nach dem 0:1 gegen den Hamburger SV steht für Borussia Dortmund aus den letzten vier Spielen gerade einmal ein Punkt auf der Habenseite (Ergebnisse). Das hat es unter Jürgen Klopp noch nie gegeben.

In der Champions League überzeugt der BVB, aber in der Bundesliga zeigt die Mannschaft stets ein anderes Gesicht. Ein Motivationsproblem allerdings schließt der Trainer kategorisch aus: "Es geht nicht um die Einstellung. Unser Problem ist es, eine stabile Form auf den Platz zu bringen."

Die Niederlage gegen den HSV hat Klopp nach einer der schlechtesten Halbzeiten seiner Ära nicht nur als Tiefpunkt ausgemacht, sondern zugleich als "Startpunkt für den Rest der Saison. Wir werden hart arbeiten mit den Jungs" (Stimmen zum Spiel). Woran aber muss der BVB in der Länderspielpause vor allem arbeiten? Woran hakt es genau im Spiel der Borussia in dieser Saison? bundesliga.de zeigt fünf Problemfelder auf, die für die aktuelle Krise stehen.

1. Im Abschluss fehlt die Genauigkeit

127 Torschüsse hat der BVB an den ersten sieben Spieltagen abgegeben. Das ist der Spitzenwert aller 18 Mannschaften der Bundesliga - es sind aber satte 36 Schüsse wenigerals in der vergangenen Saison. Was noch weitaus gravierender ist: Den Schützen fehlt es an Präzision und Genauigkeit. Von den 127 Versuchen gingen nur 39 tatsächlich aufs Tor. Und nur jeder 14. Torschuss ist auch drin. Lediglich vier Mannschaften (Hannover, Stuttgart, Köln, Hamburg) brauchen mehr Schüsse für einen Treffer. Vergangene Saison war an den ersten sieben Spieltagen beim BVB jeder dritte Ball aufs Tor drin, dieses Jahr ist es nur jeder vierte. Die Effizienz hat spürbar nachgelassen.

2. Hoher Aufwand in Zeiten fehlender personeller Alternativen

Ein hoher läuferischer Aufwand und intensives Pressing sind nach wie vor ein entscheidendes Charakteristikum des Dortmunder Spiels. Die Mannschaft hat in Sachen Laufarbeit sogar noch einmal zugelegt: Durchschnittlich 121,9 Kilometer hat der BVB pro Partie an den ersten sieben Spieltagen zurückgelegt, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 117,3 Kilometer. 258 Sprints sind sogar Ligaspitze. Zwar betont Klopp die hohe Belastung seiner Spieler, erst recht durch die mangelnden personellen Alternativen aufgrund der Verletzungsmisere. Aufgeboten werden müssen auch Spieler, die nachweislich nicht zu 100 Prozent fit sind wie gegen den HSV etwa Sven Bender. Zugleich aber hält der Trainer bisher am intensiven und kraftraubenden Spielstil fest - was zwar bislang keine Stabilität gibt und die Anzahl der Gegentore nicht einschränkt, aber andere Probleme nach sich zieht.

3. Die spielerische Leichtigkeit hat gelitten

Der Aufwand stimmt, aber die spielerische Leichtigkeit ist dem BVB dabei verloren gegangen. Kreative Ideen und Kombinationsfußball sind Mangelware. Funktioniert das schnelle Umschalten nicht, tut man sich vor allem gegen kompakt stehende Mannschaften schwer. Gegen den HSV hatte Dortmund zwar 60 Prozent Ballbesitz, was aber mit etlichen Querpässen im Mittelfeld einherging. Schnelles, vertikales Spiel in die Spitze findet zu selten statt. Echte Torgefahr kam erst in der Endphase auf - die erste Torchance verzeichnete der BVBnach 72 (!) Minuten.

4. Flanken sind ineffizient

Weil es spielerisch hakt und an Ideen fehlt, versuchte es der BVB gegen den HSV immer mal wieder mit hohen Bällen. Eine Woche zuvor auf Schalke verzichtete Klopp auf einen Kreativspieler im Zentrum, setzte stattdessen auf Angriffe über die Außenbahn und Flanken auf die Stürmer. Das ist allerdings nicht erst in dieser Saison ein wenig probates Mittel - die mangelnde Gefahr nach Flanken ist bei Dortmund ein Dauerthema. Im Kalenderjahr 2014 hat der BVB - trotz starker Rückrunde 2013/14 - in der Bundesliga nur ein Tor nach einer Flanke erzielt. Gegen Hamburg war das Flügelspiel oft verwaist, trotzdem standen am Ende 20 Flanken zu Buche - allerdings komplett ohne Ertrag (Analyse-Seite mit Teamstatistiken).

5. Die Konzentration fehlt

Der hohe Aufwand und das kräftezehrende Spiel in einer zwangsweise nicht wirklich fitten Mannschaft führen immer wieder zu Konzentrationsproblemen - mit teils verheerenden Folgen. Der BVB erlaubt sich generell zu viele Fehlpässe; Erik Durm etwa verzeichnete gegen den HSV eine Passquote von gerade einmal 40 Prozent. Zudem hat Dortmund immer wieder gefährliche Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. So wie Ramos mit seinem Fehlpass auf Höhe der Mittellinie gegen den HSV, der zum Gegentor führte. Individuelle Fehler ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison; ein Drittel der Dortmunder Gegentreffer(!) resultierten unmittelbar daraus. Die Fehleranfälligkeit ist deutlich zu hoch. Noch nicht ein einziges Mal konnte der BVB in der Bundesliga in dieser Saison zu Null spielen.

Dietmar Nolte