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Köln - Der Signal Iduna Park in Dortmund. Kein anderes Stadion in Deutschland hat eine ähnlich gewaltige Strahlkraft. 80.700 Menschen finden hier während eines Spiels Platz. 24.454 davon alleine auf der Südtribüne - der "Gelben Wand". Wer hier schon mal dabei sein durfte, will nichts anderes mehr erleben. Die Südtribüne ist nicht weniger als ein Mythos.

Die britische "Times" kürte die Heimspielstätte von Borussia Dortmund im Jahr 2009 zum besten Fußball-Stadion der Welt und titelte treffend: "Dieser Platz wurde für den Fußball und für die Fans erbaut." Alleine die nüchternen Zahlen der Tribüne flößen Respekt ein. 100 Meter breit, 40 Meter hoch, 37 Grad steil. Zum Vergleich: Skisprungschanzen haben die gleiche Neigung. Auf der gigantischen Stahlbeton-Konstruktion finden mehr Zuschauer Platz, als im gesamten Stadion des SC Freiburg.

"Hast du sie gegen dich, erdrückt sie dich"

Die "Süd" ist das Herzstück der Dortmunder Fußball-Begeisterung. Egal wie das Wetter auch sein mag, hier stehen die treuesten Fans. Und zwar bei jedem Heimspiel. Freie Plätze werden vergeblich gesucht. "Hast du sie im Rücken, ist es ein unglaubliches Gefühl. Hast du sie gegen dich, erdrückt sie dich", hat BVB-Torwart Roman Weidenfeller mal gesagt. Der 34-Jährige kämpfte bereits mit dem 1. FC Kaiserslautern gegen sie an.

Aber der Wahnsinn um die größte Stehplatz-Tribüne Europas geht deutlich weiter. Fans, die keine Tickets mehr ergattern können, leisten sich teurere Sitzplatzkarten, um sich dann kurz vor Anpfiff doch noch rüber zu schleichen. Sie tauschen luxuriöse Beinfreiheit gegen ein kleines Stück Beton. Heiligen Beton.

Was für viele Menschen außerhalb des Ruhrpotts verrückt klingen mag, ist beim BVB ganz normal. Auch deshalb werden Dauerkarten in den Familien über Generationen vererbt. Stimmung und Zusammengehörigkeitsgefühl sind fantastisch - auch wenn man sich an Prellungen und Bierduschen vielleicht erst gewöhnen muss.

Großkreutz: "Schon meine Oma war auf der Südtribüne"

Einer, der ganz genau weiß, wie es sich anfühlt, Teil der "Gelben Wand" zu sein, ist Kevin Großkreutz. Der 26-Jährige ist Ur-Borusse. Bis vor wenigen Jahren stand der gebürtige Dortmunder selbst noch als Fan dort. Der BVB ist im Hause Großkreutz seit Generationen Herzensangelegenheit. “Meine Oma stand schon auf der Südtribüne. Mein Vater, meine Tante auch", schwärmte er einst im Interview mit der "Welt". "Meine ganze Familie ist BVB-verrückt. Das erste Spiel, das ich vom BVB live gesehen habe, war 1992. Da war ich vier Jahre alt. Mein Vater hat mich mitgenommen."

Man kennt sich auf der "Süd". Jeder hat hier seinen Platz, jeder weiß wohin er gehört. "Hier stehen die größten BVB-Fans, bunt gemischt. Der Rechtsanwalt neben dem Arbeitslosen und die Omi neben dem Neunjährigen, der zum ersten Mal beim Spiel ist", erklärte Vereinslegende und Stadionsprecher Norbert Dickel.

Stehplätze sind fester Bestandteil der Fußballkultur

Doch nicht nur bei der Borussia ist man sich der Bedeutung von Stehplätzen für die Seele der Fußball-Fans bewusst. Andere Länder dienen hier als mahnende Beispiele. Die Verringerung des Kontingents führte zu überteuerten Eintrittspreisen und fehlender Stimmung. 

In Deutschland soll das Familienerlebnis Stadionbesuch unbedingt erhalten bleiben. "Stehplätze sind fester Bestandteil unserer Fußballkultur und stehen für den deutschen Profifußball nicht zur Disposition", heißt es von Seiten der DFL Deutsche Fußball Liga. Fast jeder vierte Platz in den 18 Bundesliga-Stadien ist ein Stehplatz.

Und so werden auch in Zukunft zahlreiche Sitzplatzkartenbesitzer vor dem Anpfiff durch die Katakomben des Signal Iduna Parks schleichen, um ein bisschen Luxus gegen den Mythos "Gelbe Wand" einzutauschen.

Thomas Ziemann

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