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Dortmund - Medienrummel, Euphorie und Rekordserien reißen nicht ab, doch die Gejagten von Borussia Dortmund sind gewarnt. Als nächster Jäger will der Hamburger SV versuchen, die westfälischen Höhenflieger wieder auf den Boden zu holen.

"Da fangen jetzt einige an zu träumen, das könnte unsere Chance sein", spekulierte der einstige BVB-Torjäger Mladen Petric vor dem Duell mit dem Bundesliga-Tabellenführer am Freitag im sicherlich ausverkauften Signal Iduna Park (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Vor vier Wochen stoppte der HSV die Siegesserie des damaligen Spitzenreiters 1. FSV Mainz 05, jetzt nimmt Trainer Armin Veh die seit zehn Ligaspielen (neun Siege) ungeschlagene Borussia ins Visier.

BVB stellt größtes DFB-Kontigent

Doch die lässt sich auch durch Schlagzeilen und Kampfansagen nicht aus dem Konzept bringen. Mehr noch: Nachdem die Borussen mit vier Spielern das größte Kontingent im Kader von Bundestrainer Joachim Löw für das Länderspiel in Schweden (17. November) stellen, strotzen sie mehr denn je vor Selbstbewusstsein.

Eine "unbändige Leidenschaft", so der nominierte Abwehrspieler Mats Hummels, gepaart mit taktischer Disziplin, Laufbereitschaft und Qualität sei das Erfolgsrezept, mit dem die Westfalen auch in das Spiel gegen den HSV gehen, um die Führung zu festigen. "Wir denken ganz einfach von Spiel zu Spiel. Das ist zwar eine blöde Fußball-Floskel, aber sie stimmt", sagte Hummels in einem Interview mit der "Welt". Trainer Jürgen Klopp ergänzte: "Es gibt nicht oft solch lange erfolgreiche Phasen im Fußball. Man muss sich stets vor Augen führen, dass das kein Selbstläufer ist."

Watzke stapelt tief

Gute Erinnerungen haben die Westfalen an das letzte Heimspiel gegen den HSV. Am 23. Januar blieb der BVB durch das 1:0 auch das zwölfte Spiel in Serie ungeschlagen und setzte sich in der Spitzengruppe der Tabelle fest. Diesmal haben die Dortmunder zwar schon acht "englische Wochen" in den Beinen, doch die Gier nach Siegen lobt Trainer Jürgen Klopp, der um die Einsätze von Kevin Großkreutz und Lucas Barrios bangt (beide Oberschenkelprobleme), als größte Charaktereigenschaft seiner Truppe.

Der BVB erzielte bislang die meisten Tore (27), kassierte die wenigsten Gegentreffer (sieben), gewann mit dem 4:0 am vergangenen Sonntag in Hannover auch das sechste Auswärtsspiel seit dem Saisonstart (Liga-Rekord) und erspielte sich die mit Abstand meisten Chancen (103) aller 18 Clubs. "Wir spielen bislang eine gute Saison, mehr nicht", antwortete Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf die Frage nach Titelansprüchen: "Und gegen den HSV, das wird ein ganz schweres Spiel. Die Chancen sehe ich bei 50:50. Wir haben großen Respekt."

HSV personell weiter arg gebeutelt

Den zeigen auch die Hanseaten. "Der BVB ist physisch zurzeit gut drauf und strotzt vor Selbstvertrauen. Wir wollen unser gewonnenes Selbstbewusstsein nach dem 2:1 gegen Hoffenheim mitnehmen und auch beim BVB etwas holen. Wenn wir in dieser Saison etwas erreichen wollen, müssen wir in Dortmund eigentlich gewinnen", sagte HSV-Coach Veh.

Es mangele seiner Mannschaft aufgrund der vielen Verletzungen und damit personellen Umstellungen an Konstanz im Spiel. Immerhin fehlen dem Tabellensiebten, der nur eines der letzten fünf Pflichtspiele gewinnen konnte, ein halbes Dutzend Dauerverletzte - unter anderem Torhüter Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, Marcell Jansen und Eljero Elia. Jonathan Pitroipa hat hingegen seine Adduktoren-Verletzung überwunden und ist beim BVB mit dabei.