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Hannover - Zehntausend Dortmunder tanzten auf den Rängen der AWD-Arena und feierten den sechsten Sieg im sechsten Auswärtsspiel der Saison. Unten ließ sich die Mannschaft feiern. Zur Melodie von "Pippi Langstrumpf" tanzte sie auf dem Rasen und ließ in diesem kurzen Moment ihren Emotionen freien Lauf.

Nach 19 Spielen, nach 1.740 Spielminuten in dieser Saison, freute sie sich über Platz 1, doch nach dem Duschen war die Euphorie dem Realismus schon wieder gewichen.

'"Wir träumen nicht"

"Wir träumen nicht, sondern gehen unseren Weg knochentrocken weiter", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Wir sind bodenständige Westfalen." Verteidiger Mats Hummels schlug in die gleiche Kerbe: "Unsere Fans dürfen träumen, aber ich glaube, dass auch sie realistisch sind." Also kein berauschter Blick auf die Tabelle, die nach genau einem Drittel der Saison auch noch keinen Anlass zur Euphorie geben sollte.

"Wir haben auf die anderen Ergebnisse nicht geachtet. Wir wollen unser Ding durchziehen", verriet Kevin Großkreutz. Nur Toni da Silva ließ durchblicken: "Wir wussten, dass wir die Verfolger etwas hinter uns lassen konnten. Deshalb sind wir voll auf Sieg gegangen."

Die Fakten sind bekannt. 28 Punkte, Platz 1, bester Start aller Zeiten. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hatte keine Mannschaft zum gleichen Zeitpunkt der Saison mehr Punkte als der BVB. In den Meisterjahren 1995 (26), 1996 (24) und 2002 (22) waren es zwei, vier und sogar sechs weniger.

Fans und Mannschaft harmonieren

Die Borussen-Führung hat die Stellschrauben genau in die richtige Richtung gestellt, der Trainer eine perfekte Taktik geschneidert, und die Mannschaft läuft nicht nur wie die berühmten "Duracell-Hasen", sie funktioniert als Team, als Kollektiv. "Jeder kämpft für den anderen", bestätigt Großkreutz: "Und wenn du nach draußen guckst, siehst du: Wir hatten wieder mal ein Heimspiel."

Dieses Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft funktioniert perfekt. Unterm Strich stehen die meisten Tore in der Liga (27), die meisten Torschüsse (190), die meisten Großchancen (30), das beste Mittelfeld der Liga (17 Tore und 20 Vorlagen), die meisten Tore (sechs) und Torschüsse (29) nach Konterangriffen, die wenigsten Gegentreffer (sieben), die meisten geführten Zweikämpfe (2.644) und, und, und…

Die Kraft geht nicht aus

Doch am wichtigsten sind in den Tagen der "englischen Wochen" und der allgegenwärtigen Fragen "Wie lange hält die Mannschaft das durch?" diese Zahlen: 18 Tore in Halbzeit zwei sind ebenso absolute Ligaspitze wie nur drei Gegentreffer in der letzten halben Stunde. In allen Spielen konnte der BVB in der Schlussphase zusetzen, zuletzt in Hannover auch dank der intelligenten Wechsel: Alle drei Einwechselspieler waren an Toren beteiligt. "Sie schießen die entscheidenden Tore", lobte Roman Weidenfeller die Kollegen Lewandowski und Co.

"Anfang der zweiten Hälfte war es etwas schwerer für uns", sagte Lukasz Pisczek, der Treffer eins und zwei eingeleitet hatte, nach dem 4:0 in Hannover. "Wir haben es clever runter gespielt. Nach dem 2:0 lief es wie von allein", Kevin Großkreutz.