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Köln - Die guten Leistungen von Bayer 04 Leverkusen in den letzten Wochen zahlen sich aus. Nach dem ungefährdeten überholten die Rheinländer Werder Bremen. Damit steht die Elf von Robin Dutt erstmals in der Rückrunde auf Position 5. Selbst der 7-Punkte-Rückstand auf die Champions-League-Plätze scheint gegenwärtig nicht mehr unaufholbar zu sein.

Die Revanche ist geglückt. Gegen das letzte Aufgebot des 1. FC Köln gelang Leverkusen ein verdienter Auswärtssieg, den Lars Bender mit dem ersten Doppelpack seiner Bundesliga-Karriere perfekt machte. Vergessen sind damit die deprimierende 1:4-Pleite aus dem Hinspiel und der zuletzt köchelnde Disput mit den eigenen Fans, die noch gegen Augsburg ihrem zwischenzeitlichen Unmut lautstark Luft gemacht hatten.

Die "Werkself" scheint in den letzten Wochen ihren Rhythmus und auch die verschüttet gegangene spielerische Leichtigkeit wiedergefunden zu haben. Als drittbeste Rückrundenmannschaft startet der Vizemeister das Unternehmen "Sicherung des Europa-League-Platzes" und hält sich auch die Option für höhere Ziele offen. Der Blick geht nach oben.

Dutt zufrieden

Dementsprechend zufrieden gab sich auch der Trainer. "Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung", sagte Robin Dutt, der seine taktischen Umstellungen im Team bestätigt sieht. "Es hat sich gezeigt, dass wir Gonzalo Castro nicht mehr hinten rechts einsetzen müssen seit wir den Vedran Corluca haben."

Die Folge: Zusammen mit Renato Augusto ist der neue Mannschaftskapitän zuständig für die offensiven Impulse der Mannschaft. "Von ihrer Qualität profitiert jeder", findet Robin Dutt. "Dann spielt die ganze Mannschaft besser. Lars Bender profitiert davon, Stefan Kießling, Andre Schürrle. Das hat uns monatelang gefehlt. Jetzt sieht es nach richtig gutem Fußball aus."

Das überschwengliche Lob für Castro hat indes auch einen Nebeneffekt. Wo Gewinner sind, da finden sich auch Verlierer der neuen taktischen Ausrichtung. Der früher unantastbare Mannschaftskapitän Simon Rolfes fand sich zuletzt zwei Mal nur auf der Ersatzbank wieder.

Bayern vor der Brust

Damit ist er nach Michael Ballack bereits das zweite hochprominente "Opfer" des Trainers, dessen neue Marschroute am kommenden Samstag ihren härtesten Tauglichkeitstest bestehen muss. Dann gastiert der FC Bayern in der BayArena, der durch seinen souveränen 2:0-Erfolg gegen Schalke 04 selbst wieder Selbstvertrauen getankt hat.

"Spiele gegen die Bayern sind immer besondere Spiele", freut sich Lars Bender auf das Kräftemessen mit dem Herbstmeister. "Jeder will den Bayern ein Bein stellen. Mit zwei Siegen im Rücken können wir da selbstbewusst auftreten. Sollten die Bayern ein paar Prozent nachlassen, dann wollen wir da sein."

Der gebürtige Bayer, der beim Münchener Lokalrivalen 1860 seine Profikarriere begann, ist seit Wochen der beste und konstanteste "Werkskicker" und beweist mit inzwischen auch bereits vier Saisontoren erstaunliche Vollstreckerqualitäten. Zur Belohnung steht der 22-Jährige zusammen mit Andre Schürrle und Simon Rolfes auch wieder im Kader der deutschen Nationalmannschaft.

Kießling nimmt Mannschaft in die Pflicht

Gegen die Bayern wird sich zeigen, welche Aussagekraft die beiden Erfolge gegen Augsburg und Köln haben. "Die beiden Siege waren fast ein Muss für den Anspruch von Bayer Leverkusen", weiß Bayer-Stürmer Stefan Kießling. "Jetzt kommen die alles entscheidenden Spiele, in denen wir uns gut aus der Affäre ziehen wollen. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um die kleine Serie fortzusetzen."

Noch vor zwei Wochen blieb Bayer in den Begegnungen gegen Dortmund und Barcelona den Nachweis gehobener Klasse schuldig. Gegen die Münchener und dann im Rückspiel in Spanien winkt nun eine neue Chance. Es wird hochinteressant.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski