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Gelsenkirchen - Der Test gegen den AC Milan hat für Schalke 04 vor allem eines gezeigt: Dass der Kader der "Königsblauen" und damit die Konkurrenz mehr als groß ist.

Stolze 22 Spieler hat Huub Stevens in den 90 Minuten gegen den mehrfachen italienischen Meister auf den Platz geschickt, vier weiteren Profis blieb nur das Warmlaufen an der Außenlinie. Und das waren noch nicht einmal alle Schalker Spieler, die zurzeit den großen, blau-weißen Kader bilden. Jermaine Jones etwa saß mit einer Schleimbeutelentzündung im Knie angeschlagen nur in Zivilkleidung auf der Tribüne.

Und doch hat Jones einigen anderen, die bei der 0:1-Niederlage gegen Mailand zum Einsatz kamen, etwas voraus: Seine Rolle in der Mannschaft und seine Position in der Startelf ist relativ unumstritten. Als "Aggressive Leader" gilt er bei Stevens im defensiven Mittelfeld als gesetzt.

Besetzung der Offensivreihe gesucht



Daneben aber, das hat auch der erste ernsthafte Härtetest gegen die Italiener gezeigt, scheinen bei den Schalkern zurzeit bei weitem noch nicht alle Planstellen fest vergeben. Umso größer tobt der Konkurrenzkampf auf den übrigen Positionen. Stevens hat viele Möglichkeiten - und er nutzte auch den Vergleich gegen Mailand, einige davon auszuprobieren.

Spannend dürfte im geplanten 4-2-3-1-System vor allem die Besetzung der Offensivreihe sein, die hinter Klaas-Jan Huntelaar agiert. 45 Minuten lang testete der Coach auf der Spielmacher-Position den jungen Julian Draxler, der diese Rolle schon in der Schalker A-Jugend zumeist gespielt hat. Ambitionen hat hier aber auch Lewis Holtby angemeldet, der zu Beginn der zweiten Spielhälfte von der Doppelsechs auf die 10er-Position rückte und sich danach ganz locker gab: "Mir ist es wurscht, wo ich spiele. Ich habe einfach Spaß am Fußball."

Jose Jurado hingegen durfte sich dieses Mal offensiv auf der linken Seite versuchen - mit sehr überschaubarem Erfolg. Auch hier wäre Draxler - wie mehrfach in der vergangenen Saison - eine Option. Wahrscheinlicher scheint aber eine Entscheidung zugunsten von Tranquillo Barnetta, auch wenn der Neuzugang aus Leverkusen dieses Mal für seinen Einsatz kein Sonderlob seines Trainers kassierte. "Für ihn war es aber auch schwierig, weil die ganze Mannschaft in der zweiten Halbzeit gegen Milan nicht mehr das gezeigt hat, was ich mir vorstelle", so der Niederländer.

Hildebrand sammelt Pluspunkte



Mit der zweiten prominenten Neuverpflichtung Roman Neustädter hingegen, der auf der Doppelsechs neben Holtby spielte, war Stevens "sehr zufrieden". Was auch generell für die erste Halbzeit gegen den prominenten Gast aus Italien galt: "Da haben wir wieder einige Schritte in unsere Entwicklung gemacht und uns viele Chancen herausgespielt. Das hat mir schon sehr gut gefallen."

Die einzige Möglichkeit der Mailänder im ersten Durchgang durch Stephan El Shaarawy vereitelte zudem Timo Hildebrand mit einer Glanztat, was dem Routinier im Dreikampf um das Schalker Tor (Situationsbericht) weitere Pluspunkte beschert haben dürfte. Ansprüche wollte Hildebrand aber auch nach seinem guten Auftritt nicht formulieren. "Ich will einfach der Mannschaft helfen. Und ich hoffe, ich kann ihr helfen - wenn ich auf dem Platz stehe", gab er sich im Interview mit bundesliga.de eher zurückhaltend.

Schon am Freitag können die Schalker Spieler weitere Pluspunkte bei ihrem Trainer sammeln, wenn der Club zum Test in Magdeburg antritt. Huub Stevens will dann auch die nächste Phase der Vorbereitung einläuten und "mehrere Spieler über 90 Minuten testen". Mehrere andere Akteure aus dem blau-weißen XXL-Kader wissen damit schon jetzt, dass es für sich in Magdeburg wohl nur beim Warmlaufen bleibt.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte