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Nürnberg - Ein kurzes Kopfnicken, ein knappes "Servus", dann nahm er Platz. Michael Wiesinger stellte sich am Donnerstag im völlig überfüllten Presseraum am Valznerweiher als neuer Cheftrainer des 1. FC Nürnberg vor. Zusammen mit seinem gleichberechtigten Partner Armin Reutershahn tritt Wiesinger die Nachfolge des nach Wolfsburg abgewanderten Dieter Hecking an. Zunächst hat Wiesinger einen Vertrag bis Juni erhalten, der bisherige Hecking-Assistent Reutershahn ist bis 2014 an den "Club" gebunden.

Das Erbe von Hecking, dessen drei Jahre als Chefcoach des Altmeisters in der Bundesliga nur Heinz Höher übertrifft, ist schwer. Das weiß der 40 Jahre alte Wiesinger, der mit dem Rückrundenstart am 20. Januar gegen den Hamburger SV erstmals im Oberhaus arbeiten wird. Deshalb war er bei seiner Vorstellung am Donnerstag bemüht, sich von Hecking abzugrenzen. Das neue Trainer-Duo werde auf Augenhöhe arbeiten, betonte Bader vor rund 50 Journalisten und neun Kamerateams, Wiesinger aber "die finale Ansprache" halten und die Öffentlichkeitsarbeit leisten.

Wiesinger zieht es auf den Trainingsplatz



"Ich bin der Michael Wiesinger, das sehen Sie ja, ich schaue anders aus, bin einen Tick jünger." Sicher habe er als U-23-Trainer in Nürnberg aus den vielen Gesprächen mit dem Chef "viel herausgenommen. Abschauen ist aber vielleicht ein falscher Begriff. Ich bin eine eigene Persönlichkeit, habe eigene Ideen und Vorstellungen." Wiesinger, der von 1993 bis 1999 selbst das "Club"-Trikot getragen hat, wirkte konzentriert, vielleicht ein bisschen steif, wenngleich meist ein mildes Lächeln seine Lippen umspielte.

Nach einer Viertelstunde hatte er genug vom Reden. Er wollte "raus auf den Platz", wie er mehrfach betonte. Da hielten er und Reutershahn nach einer kurzen Ansprache am Nachmittag ihr erstes Training in neuer Funktion ab. Als Ziel für die Rückrunde gab Wiesinger die Marke von 20 Punkten aus, die der Tabellenvierzehnte auch in der Hinserie unter Hecking geholt hatte. Sein Vorgänger habe ihm eine Mannschaft mit einer "guten Hierarchie und Führungsspielern hinterlassen, die den Laden im Griff haben". Er wolle deshalb nur "neue Nuancen hineinbringen".

Schäfer lobt den Ex-Profi



Die Mannschaft, die unverändert in die Rückserie gehen soll, bedauerte Heckings Abschied. Wiesinger habe "hochklassig gekickt und unter anderem bei Ottmar Hitzfeld gelernt", lobte Kapitän Raphael Schäfer jedoch den Neuen. Zudem sei es "nicht selbstverständlich", wie Wiesinger mit dem FC Ingolstadt in die 2. Liga aufzusteigen. Das ist bis heute Wiesingers größter Erfolg. Nach nur elf Spielen in der 2. Bundesliga erfolgte 2010 die Trennung.

Als Spieler habe er beim "Club" seine beste Zeit gehabt, hatte Wiesinger zuvor betont - dabei stürzte er mit dem neunmaligen Meister von der Bundesliga bis in die Regionalliga ab. Nach dem erneuten Abstieg aus der Bundesliga 1999 verabschiedete er sich zu den Bayern, wo er in zwei Jahren sechs Titel holte, darunter die Champions League 2001 - allerdings als Ergänzungsspieler.

"Muss nicht wie Rumpelstilzchen rumhüpfen"



Als Coach arbeitet der 1,68 Meter große Wiesinger seit dem Ende seiner Profikarriere 2008. Im Sommer 2011 heuerte der Familienvater (zwei Kinder), der seit sechs Jahren in Nürnberg lebt, beim "Club" an. Manche im Umfeld sprechen dem meist ruhigen Wiesinger die notwendige Autorität ab. "Er muss nicht wie Rumpelstilzchen rumhüpfen, braucht keine Effekte", sagte Bader jedoch der "Nürnberger Zeitung".

Am Samstag bricht Wiesinger mit dem 1. FCN ins Trainingslager nach Spanien auf, wo am kommenden Mittwoch gegen den FC Brügge das erste Vorbereitungsspiel auf die Rückserie ansteht. Ab 20. Januar soll Wiesinger aus Heckings Schatten treten.