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München - Mit der Verpflichtung von Corentin Tolisso setzt der FC Bayern München eine bewährte Tradition fort: Wieder einmal wechselt ein Franzose an die Säbener Straße. Der Nationalspieler wird als siebter Akteur aus der République francaise für den Rekordmeister zum Einsatz kommen - seine Landsmänner im FCB-Trikot sind in insgesamt 1049 Partien vorangegangen, mehr Duelle haben nur die bayrischen Brasilianer um Giovane Elber bestritten. München und Frankreich bedeuten retrospektiv überwiegend eins: Erfolg.

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Wir schreiben den 30. August 1995: Auf der rechten Seite spielt Markus Babbel im Bundesliga-Spiel der Bayern im Olympiastadion gegen den KFC Uerdingen 05 einen Doppelpass, flankt dann Richtung Elfmeterpunkt. Halblinks kommt Jean-Pierre Papin, der erste Franzose in Diensten der Münchner, zum Abschluss - mit dem rechten Fuß, per Seitfallzieher. Das Rund kracht, mit etwas Effet, zentral oben ins Netz; Bernd Dreher im Kasten der Uerdinger ist chancenlos. Zugegeben, Papin und der FCB haben sich zwischen 1994 und 1996 beide mehr von dem Transfer erhofft als am Ende heraussprang. Immerhin aber schoss der Stürmer am 3. Spieltag der Saison 1995/96 das Tor des Jahres. Der Begriff "Papinade" bezeichnet im Französischen auch heute noch einen Seitfallzieher wie diesen - einen spektakulären Abschluss im Stile Jean-Pierre Papins.

Video: "Liza" und Elber blicken auf 2016/17

Lizarazu und Sagnol prägen eine Ära

Ein Jahr nach Papins Abgang schloss sich Bixente Lizarazu den Süddeutschen an. Mit 27 Jahren, schon einigen Einsätzen für die Équipe Tricolore und den Stationen Girondins Bordeaux, wo er unter anderem mit Zinédine Zidane spielte, sowie Athletic Bilbao wies der Linksverteidiger bereits einige Erfahrung auf. Damals war kaum absehbar, welche weitere in Rot und Weiß dazukommen sollten. Im Finale des UEFA-Pokals 1996 zog Lizarazu mit Girondins gegen den FC Bayern und Papin noch den Kürzeren. Wichtige Titel jedoch sollte der kämpferische Defensivmann im Dress der Münchner sammeln: Zwischen 1997 und 2006 gewann Lizarazu sechsmal den Bundesliga-Titel, einmal die Champions League, fünfmal den DFB-Pokal, zweimal den Weltpokal und viermal den Ligapokal. Mit Frankreich holte "Liza" auch noch den Sieg bei der Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land und zwei Jahre später bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden. Chapeau.

2000 ergänzte Willy Sagnol die Münchner Flügelzange in der Defensive auf der rechten Seite. Und er sollte sich wie auch Lizarazu als Glücksgriff erweisen: Sagnol blieb bis zu seinem Karriereende 2009 beim FCB, feierte fünf Deutsche Meisterschaften, einen Triumph in der Champions League, vier im DFB-Pokal, einen im Weltpokal und einen im Ligapokal. 277 Partien absolvierte der zeitweise Kapitän für Bayern insgesamt und damit sogar vier mehr als sein Landsmann auf dem linken Abwehrflügel. Ab 1. Juli dieses Jahres wird Sagnol neuer Co-Trainer des Rekordmeisters und an der Seite von Carlo Ancelotti daran arbeiten, ähnliche Erfolge wie in seiner aktiven Karriere als Profi auch in seiner aktiven Karriere als Fußballlehrer zelebrieren zu dürfen. "Ich bin froh, dass ich mit meiner Familie nach München zurückkehren kann", sagte er, der als Chefcoach bereits die französische U20 und U21 sowie Renommierclub Bordeaux betreute. "Dass Carlo Ancelotti, einer der besten und erfahrensten Trainer des Weltfußballs, sich für mich entschieden hat, ist eine große Ehre für mich."

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Zur Saison 2005/06 kam in Valérien Ismael ein weiterer Franzose in den Süden der Republik. Mit Lizarazu, Sagnol und dem Neuzugang, der mit dem SV Werder Bremen zwei Spielzeiten zuvor Bundesliga und DFB-Pokal gewann, standen zeitgleich drei Landsmänner auf dem Platz. Und das funktionierte bestens: Am Ende sprang für Ismael erneut das Double heraus. Bis Januar 2008 blieb der Straßburger schließlich bei den Bayern, absolvierte alles in allem wegen viel Verletzungspech aber nur 46 Pflichtspiele.

König Franck

Zehn Jahre ist es nun her, dass Franck Ribéry sein Arbeitspapier in München unterschrieb. Heute belegt er wettbewerbsübergreifend in der Liste der Rekordspieler Platz 18, vor Paul Breitner, Claudio Pizarro und Uli Hoeneß. Sprechen wir über Tore ist er gar Elfter, vor Lewandowski, Hoeneß, Breitner, Makaay und Matthäus. Heute, das bedeutet Erfolge in sieben Deutschen Meisterschaften, einer Champions League, fünf DFB-Pokalen, einer Club-Weltmeisterschaft, einem UEFA Supercup, zwei Ligapokalen und zwei DFL-Supercups später. Ribéry kam hungrig an die Säbener.

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Und er ist es immer noch. Im April 34 geworden, erzielte der Rechtsfuß auf der linken Außenbahn in der letzten Bundesliga-Saison in 22 Vergleichen fünf Tore, bereitete elf Treffer vor; sieben weitere Assists kommen in neun Spielen in Champions League und DFB-Pokal dazu. Ribéry gehört zu den herausstechenden Akteuren einer höchst erfolgreichen Münchner Generation - wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Arjen Robben.

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Kingsley Coman wechselte vor zwei Jahren im Alter von 19 zum FCB, der jüngste Neuzugang Tolisso tut es ihm nun mit 22 gleich. Die beiden sind nach Papin, Lizarazu, Sagnol, Ismael und Ribéry die bayrischen Franzosen Nummer sechs und sieben. Ihre Landsmänner haben mehr als ordentlich vorgelegt. Coman und Tolisso, zwei Hochbegabte auf ihren Positionen, bringen viel mit, um in kurz-, mittel- und langfristiger Zukunft gleichzuziehen.

Für Coman könnte die kommende Saison eine entscheidende werden. Gelingt der Durchbruch? In seiner Premierenspielzeit machte der flinke Rechtsaußen mit 18 Scorerpunkten in allen Wettbewerben schnell auf sich aufmerksam, in der nun abgelaufenen waren es lediglich drei. In den letzten beiden Jahren lief er als Leihgabe von Juventus Turin für die Münchner auf, das große Vertrauen in das Spitzentalent hat der Deutsche Meister mit der festen Verpflichtung nun unterstrichen.

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Tolisso, intelligenter Mittelfeldmann mit Auge für Raum und Nebenmann, soll die nächste Erfolgsgeschichte in Koproduktion aus Frankreich und Süddeutschland werden. Die zentrale Position kann er defensiv und offensiv interpretieren wie kaum ein Zweiter, verkörpert mit seiner Flexibilität in nur scheinbar ähnlichen Aufgaben eine rare Mischung. Tolisso könnte sich als genau die Verstärkung entpuppen, die der FCB nach dem Karriereende von Strippenzieher Xabi Alonso benötigt - dabei aber eine vorher in der Form nicht vorhandene Portion Unberechenbares mitbringen.

Felix Tschon