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München - Als Nationaltrainer Aserbaidschans ist Berti Vogts in der Fußball-Welt ideal vernetzt. Im Hinblick auf die WM in Brasilien fungiert der 67-Jährige darum seit Kurzem auch als externer Berater von US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann. Die Bundesliga aber hat der ehemalige Bundestrainer nie aus dem Blick verloren. Der einstige "Abwehrterrier" gehört zu den Initiatoren des Ausbildungskonzepts in Deutschland. 

Im Interview mit bundesliga.de spricht Vogts über den internationalen Stellenwert der Bundesliga, die Dominanz des FC Bayern München und seine Rolle während der WM.

bundesliga.de: Herr Vogts, Sie sind als Nationaltrainer Aserbaidschans rund um den Erdball unterwegs. Wie wird die Bundesliga weltweit gesehen?

Berti Vogts: Die Bundesliga und der deutsche Fußball haben einen guten Ruf, einen sehr guten.

bundesliga.de: Worauf gründet sich der gute Ruf?

Vogts: Man sieht, was von der Liga und von den Vereinen geleistet wird, was sich auch auf die Nationalelf auswirkt. Was in Deutschland in Sachen Ausbildungskonzept geleistet wird, ist nicht nur in Europa einzigartig. Da muss man den Vereinen und der Liga ein großes Dankeschön aussprechen.

bundesliga.de: Das heißt, das Ausbildungskonzept von Liga und Vereinen hat Vorbildfunktion?

Vogts: Das sehe ich so und ich finde meine Meinung bestätigt, wenn ich andere Länder sehe und deren Meinung höre. Vor allem Bayern München und Borussia Dortmund sind die Zugpferde des deutschen Fußballs. Vor allem Sie werden in anderen Ländern im Fernsehen gezeigt, was natürlich auch an deren Präsenz in der Champions League liegt. Nur in einem Punkt wünschte ich mir weitere Verbesserungen.

bundesliga.de: Und wo?

Vogts: Ich wünsche mir Bundesliga-Spiele im Fernsehen rund um die Welt. Vielleicht liegt es noch an langfristigen Verträgen von Ligen wie der englischen oder spanischen. Wenn ich im Hotel irgendwo auf der Welt den Fernseher anmache, wünsche ich mir noch mehr Bundesliga-Spiele, die das hohe Niveau des deutschen Fußballs transportieren.

bundesliga.de: In Deutschland gab es eine lebhafte Diskussion angesichts der Dominanz des FC Bayern München ...

Vogts: Ich habe zuletzt vor allem die Diskussion mitbekommen, die aufkam, als die Bayern etwas nachgelassen haben. Das kann ich nicht nachvollziehen und halte die Vorwürfe für leicht überzogen. Die Bayern haben viele Monate unglaublich Gas gegeben, sie haben fast überpowert. Da ist es doch normal, dass man manches etwas weniger konzentriert angeht.

bundesliga.de: Seit Kurzem sind Sie auch als externer Berater an der Seite von US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann aktiv. Was steckt dahinter?

Vogts: (lacht) Viel weniger als mancher offenbar vermutet.

bundesliga.de: Und das wäre?

Vogts: Eines vorweg: Jürgen Klinsmann braucht mich nicht, um die deutsche Mannschaft kennen zu lernen. Er kennt die aktuellen deutschen Spieler sicher besser als ich. Und ich sage Ihnen noch etwas: Ich hoffe, Deutschland wird Weltmeister. Die aktuelle Spielergeneration hat das verdient. Und noch etwas: Das Spiel Deutschland gegen USA wird ein Treffen unter Freunden. Dass die USA auch dieses Spiel gewinnen wollen, ist doch auch klar. Wenn das Spiel stattfindet, wird Deutschland schon sechs Punkte haben.

bundesliga.de: Mit Ihrer Hilfe?

Vogts: Dazu nur eines: Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben mich angerufen und waren da ganz anderer Meinung. Von manchem wird mein Engagement leider überzogen dargestellt.

bundesliga.de: Was steckt also dahinter?

Vogts: Jürgen Klinsmann und ich haben seit vielen vielen Jahren einen intensiven Kontakt. Ich habe ihn damals auch dem DFB als Nationalcoach empfohlen. Was er an Positivem begonnen hat, haben die Liga, Löw und Bierhoff weiter forciert. Seitdem wird der deutsche Fußball mit ganz anderen Augen gesehen. Was den aktuellen Kontakt zum US-Team angeht, hat er gefragt, ob ich helfen kann.“

bundesliga.de: Wobei genau?

Vogts: Ich werde Ghana, Portugal und einige Spiele beobachten. Zudem steckt hinter der Vereinbarung eine enge Kooperation zwischen den Verbänden USA und Aserbaidschan. Wir werden ein Länderspiel gegen die USA machen, das ist absolut positiv für Aserbaidschan. Wir schicken eine U-19-Mädchenmannschaft in die USA. Weitere Junioren-Teams werden Trainingslager in den USA haben. Vor allem im Ausbildungsbereich wird da zwischen Aserbaidschan und den USA gearbeitet.

bundesliga.de: Zurück zur WM in Brasilien. Viele befürchten, dass es für europäische Mannschaften wegen der klimatischen Umstände ein besonders schwieriges Turnier wird. Sie auch?

Vogts: Wenn ich recht informiert bin, wird es in Rio de Janeiro und Sao Paulo zu den WM-Halbfinals relativ kühl sein. Außerdem sehe ich, wie viele Südamerikaner in Europa spielen, also quasi europäische Fußballer sind. Sie haben also das gleiche "Problem". Früher mag das anders gewesen sein, aber heute hat sich der Fußball in dem Punkt doch stark verändert.

Das Gespräch führte Oliver Trust