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Leverkusen - Alles gegeben und wieder unglücklich im Elfmeterschießen verloren. Bayer 04 Leverkusen ist in dieser Saison wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Nach einem grandiosen Pokalfight gegen den FC Bayern sind die Rheinländer im Elfmeterschießen mit 3:5 ausgeschieden, nach dem es in 120 aufregenden Minuten zuvor torlos geblieben war.

Wie schon vor drei Wochen in der Champions Leage gegen Atletico Madrid verabschiedete sich die Werkself erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb. Bayer-Keeper Bernd Leno spricht im Interview über das bittere Aus, nennt aber auch das große Ziel im Bundesliga-Endspurt.

Frage: Bernd Leno, Bayer Leverkusen hat den Bayern ein tolles Spiel geliefert und unglücklich im Elfmeterschießen verloren. Wie bitter ist das Aus?

Leno: Ein bittereres Ende gibt es kaum, weil wir uns nicht belohnt haben. Wir haben 120 Minuten auf Augenhöhe mit den Bayern gespielt, hatten mehr vom Spiel und hätten den Sieg auch verdient gehabt. Jeder im Stadion hat gesehen, dass wir die Bayern am Rand der Niederlage hatten. Zum Ende der regulären Spielzeit und auch zum Ende der Verlängerung hatten wir die Chancen, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Es hat auch ein bisschen an Kraft und Konzentration gemangelt. Und ein Elfmeterschießen ist dann immer eine Lotterie.

Frage: Sie sind bekannt als "Elfmetertöter". Warum hat es diesmal nicht geklappt?

Leno: Zum Elfmeterschießen gehört immer ein bisschen Glück. Bei den Schüssen von Thomas Müller und Mario Götze war ich dran. Die haben mich ein bisschen schnuppern lassen. Manuel Neuer hat einen Ball gehalten, das hat dann leider gereicht.

"Ein Elfmeterschießen ist Glückssache"

Frage: Sie haben jetzt binnen kurzer Zeit das zweite Elfmeterschießen verloren. Macht das die Sache besonders bitter?

Leno: Es ist genauso bitter wie gegen Atletico Madrid. Die Mannschaft muss aus diesen Erlebnissen lernen und als Mannschaft zusammenrücken. Das haben wir beim letzten Mal mit dem Sieg auf Schalke gemacht. Genau die Antwort muss jetzt auch kommen. Ein Elfmeterschießen ist Glückssache. Hinzu kommt, dass die Bayern mehr Erfahrung haben. Das hat dann den Ausschlag gegeben.

Frage: Sie sagen, dass Bayer 04 auf Augenhöhe gewesen sei. Warum hat es trotzdem nicht ganz gereicht?

Leno: Chancen waren ja genug da. Wir hatten Riesenchancen. Der Ball wollte wie gesagt einfach nicht ins Tor. Wir hätten das Spiel vorher entscheiden müssen. Aber auch die Bayern hatten ihre Gelegenheiten. Das lässt sich gegen sie auch nie vermeiden.

Frage: In der ersten Halbzeit hat es Bayer 04 richtig gut gemacht, Sie hatten viel weniger zu tun als in so manchem Bundesliga-Spiel. Wurde es Ihnen dann langweilig?

Leno: Nein, es wird einem nie langweilig. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde es ja auch noch richtig gefährlich. Als Torwart muss man immer hellwach sein, weil die Bayern so gefährliche Leute haben, dass immer etwas passieren kann. Wir haben aber toll dagegen gehalten und sind über 120 Minuten ohne Gegentor geblieben. Vor allem die Art und Weise unseres Spiels war richtig gut. Darauf können wir stolz sein und aufbauen.

"Wir wollen unbedingt in die Champions League"

Frage: Gibt es dann in ein paar Wochen in der Bundesliga die Revanche gegen die Bayern?

Leno: In der Liga haben wir noch einmal die Chance, die Punkte zu holen. Wir wollen unbedingt in die Champions League, am besten direkt über Platz 3. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

Frage: Was nehmen Sie mit aus diesem Pokalfight für das Bundesliga-Spiel in Mainz am Samstag?

Leno: Wir haben eine Topleistung gegen eine der besten Mannschaften gezeigt. Darauf können wir aufbauen. Wir müssen in Mainz genau die Antwort geben, die wir nach dem Madrid-Spiel auf Schalke gegeben haben. Dann bin ich zuversichtlich, dass die Saison erfolgreich zu Ende geht.

Frage: Wie geht die Mannschaft jetzt mit der Niederlage um?

Leno: Einfach ist es nicht, diese Niederlage zu verarbeiten. Wir fahren jetzt nicht nach Hause und haken das schnell ab. Bayern hatte das Glück. Aber wir brauchen uns keine Vorwürfe zu machen. Wir gewinnen und verlieren zusammen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski