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Zagreb - Immer wieder stimmten die Fans im Rückspiel "Ivica Olic"-Rufe an. Der Bayern-Stürmer war der gefeierte Spieler der Kroaten bei den erfolgreichen Qualifikationsspielen zur EM 2012 gegen die Türkei. Im Hinspiel in Istanbul erzielte er beim überraschend hohen 3:0 den wichtigen Führungstreffer schon in der zweiten Minute.

Als der Angreifer im Rückspiel in Zagreb (0:0) nach 62 Minuten für Ivan Perisic von Borussia Dortmund den Platz verließ, skandierten die knapp 30.000 Zuschauer im Maksimir Stadion ehrfurchtsvoll seinen Namen.

"Höhepunkt meiner Karriere"

"Das wird noch einmal ein Höhepunkt meiner Karriere", freute sich der 32-jährige Olic nach dem Spiel. Das Weiterkommen gegen die Türken krönte das Comeback des nach einer langwierigen Knieverletzung lange pausierenden Olic. In Istanbul stand er nach fast einem Jahr wieder einmal in einer Startelf.

"Ich habe gesehen, wie schön es ist, von Anfang an zu spielen", freute sich Olic, der sich hervorragend mit seinem Sturmpartner Mario Mandzukic vom VfL Wolfsburg verstand. Mandzukic traf im Hinspiel zum 2:0 und war voll des Lobes über Olic. "Ich freue mich sehr für Ivica, er ist ein großer Spieler und hat gezeigt, was er drauf hat."

Die beiden Angreifer harmonieren sehr gut, "wir laufen beide sehr viel", sagte Mandzukic. Beim FC Bayern bevorzugt Trainer Jupp Heynckes ein System mit nur einem Angreifer in der Sturmmitte, dort zeigt Mario Gomez eine starke Form, weswegen für Olic derzeit nur ein Platz auf der Reservebank bleibt.

Nur eine Chance für die Türken

In Istanbul bedankte sich Olic für das "Vertrauen von Trainer Slaven Bilic", der einst auch als Spieler von 1993 bis 1996 beim Karlsruher SC in der Bundesliga aktiv war.

Ein Pfostenschuss des türkischen Mittelfeldspielers Selcuk Inan in der fünften Minute blieb die einzige Chance der Türken, bei denen Hamit Altintop, Olics alter Kumpel beim FC Bayern die Kapitänsbinde trug. "Ich hatte keine Angst, dass wir nicht weiterkommen", erzählte Olic glücklich nach dem Spiel: "Auch wenn wir in Rückstand geraten wären in der fünften Minute, hätten wir noch zwei Tore Vorsprung gehabt."

Die Türken hatten zwar mehr Ballbesitz, aber die Kroaten hatten zahlreiche Torchancen, unter anderem durch den ehemaligen Schalker Ivan Rakitic, jetzt beim FC Sevilla mit Piotr Trochowski aktiv, der vor dieser Saison vom Hamburger SV nach Spanien wechselte. Auf Seiten der Türken feierte Leverkusens Ömer Toprak ein gutes Startelfdebüt.

Vorfreude auf die EM - und Deutschland?

"Wir hatten fünf oder sechs Chancen, in Führung zu gehen", staunte Olic, der diesmal leer ausging, darüber aber nicht traurig war. Mit seinem Mitspielern, den Trainern und dem Betreuerstab lief er eine Ehrenrunde, während die Fans ihre Helden feierten.

Lange nach dem Abpfiff verließ der Mannschaftsbus das Stadion in Richtung Innenstadt, wo in einem Zagreber Luxushotel die Feierlichkeiten weiter gingen. Reporter fragten Olic, ob er sich freue auf ein Aufeinandertreffen gegen Deutschland bei der EM - und der bejahte.

"Warum nicht? Wird wieder ein schönes Spiel", sagte Olic. Bei der letzten EM gewannen die Kroaten das Gruppenspiel gegen Deutschland, schieden aber im Viertelfinale nach dramatischem Spiel und Elfmeterschießen gegen die Türken aus. Nun nehmen die Kroaten und Ivica Olic einen neuen Anlauf in Polen und der Ukraine.

Aus Zagreb berichtet Tobias Schächter