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München - Wenn den Verantwortlichen des SC Freiburg vor dieser Saison jemand das Angebot "Platz 8 nach dem 11. Spieltag" gemacht hätte, die Breisgauer hätten ziemlich sicher blind eingeschlagen. Offiziell heißt das Saisonziel im Südwesten der Republik natürlich weiterhin schlicht und einfach Klassenerhalt - aber ist vielleicht sogar mehr drin? Ein Platz im internationalen Geschäft?

"Es wird entscheidend sein, wie diese Teams in die Winterpause kommen. Für eine der 'kleinen' Mannschaften kann es am Ende reichen, wenn die 'Großen' weiterhin schwächeln", bewertet Bruno Labbadia im bundesliga.de-Interview die Chancen von Freiburg, Nürnberg oder Frankfurt.

Der Höhenflug des SC kommt aber keineswegs von ungefähr - bundesliga.de hat sich auf Spurensuche begeben und präsentiert Gründe für den erfolgreichen Lauf.

"Top-Comebacker"

"Was bei diesen Mannschaften ins Auge sticht, ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Die vermeintliche Überlegenheit, die andere Teams durch bessere Einzelspieler hätten, machen sie dadurch wett", analysiert Labbadia.

Die hohe Laufbereitschaft und tolle Moral zeigt sich darin, dass die Mannschaft von Robin Dutt schon drei Mal in dieser Spielzeit einen Rückstand noch in einen Sieg drehen konnte - das schaffte sonst nur der Hamburger SV. Außerdem fuhr der Sportclub alle seine sechs Bundesliga-Siege mit einem Tor Differenz ein.

Cisse sticht hervor

"Momentan stehen wir gut da, aber es ist alles brutal eng in der Liga. Von daher sollten wir jede Woche mitnehmen, was geht. Sammeln, sammeln, sammeln - bis wir eben letztendlich gesichert sind", gibt sich Torhüter Oliver Baumann unaufgeregt und bescheiden.

Auch sein Chef pflichtet ihm in diesem Punkt bei. "Wir sind schon so weit Realisten, dass wir auch in solchen Situationen auf die Punktedifferenz zu unseren tatsächlichen Konkurrenten schauen", sagt Dutt im Interview mit dem Bundesliga-Magazin.

In der Offensive läuft es vor allem dank Papiss Demba Cisse hervorragend. Der Senegalese ist mit aktuell neun Treffern der zweitbeste und erzielte elf der 19 Pflichtspieltreffer seines Teams. Cisse und Kollegen jubeln in beeindruckender Regelmäßigkeit: In den vergangenen 15 Bundesliga-Partien traf Freiburg immer ins gegnerische Tor - das ist aktuell die längste Serie im "Oberhaus" (zusammen mit 1899 Hoffenheim).

Selbstbewusst nach Hoffenheim

Gerade im heimischen badenova-Stadion spielt der SC erfolgreich auf: Zwölf ihrer 17 Saisontore erzielten die Breisgauer zuhause, damit holten sie zwölf Zähler - ligaweiter Topwert (gemeinsam mit Hoffenheim, Mainz und Nürnberg).

Am kommenden Sonntag müssen die selbstbewussten Freiburger zwar wieder auswärts antreten, aber sie rechnen sich bei den punktgleichen Hoffenheimern (So., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) durchaus etwas aus. "Wenn jeder 100 Prozent gibt, sehe ich für uns Chancen, denn auch wir sind sicher keine schlechte Mannschaft", formuliert der 20-jährige Baumann die Ansprüche.

Nach dem Klassenerhalt auf den letzten Drücker im Vorjahr hält sich der SC bislang dem Tabellenkeller erfreulich weit fern. "Die Mannschaft ist gereifter und gefestigter. Sie glaubt mehr an ihre Stärken und lässt sich nicht ganz so schnell durcheinander bringen", formuliert es Dutt, der mit kleinen Mitteln eine gute Mischung aus spielerisch Begabten und einsatzfreudigen Kämpfern gefunden hat. Das nötigt auch Labbadia Respekt ab: "Vereine wie Frankfurt und Freiburg wirtschaften nicht über ihre Verhältnisse. Sie gehen zwar kleinere Schritte und brauchen deshalb ein Stück länger, aber gleichzeitig sind sie gesund." Fußball-Deutschland ist in jedem Fall gespannt, wie weit der SC Freiburg seinen Erfolgsweg noch weitergeht...

Tim Tonner