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Nach der 0:2-Heimniederlage gegen Bayern München hat sich Bayer Leverkusen aus dem Kampf um die Herbstmeisterschaft verabschiedet.

Innerhalb von einer Woche verspielten die Werkskicker durch zwei Pleiten in Folge die Tabellenführung und rutschten auf Platz 4 ab. Der Rückstand auf Spitzenreiter Hoffenheim beträgt bereits sechs Punkte.

"Leverkusen hat den Makel, dass sie immer so lange gut spielen, bis es ernst wird. Und dann fehlt was", hatte bereits Bayern-Manager Uli Hoeneß süffisant nach dem Sieg des Rekordmeisters bemerkt.

Kein Vergleich mit vergangener Saison

Schon geht rund um die BayArena die Angst um, dass sich der Absturz der Vorsaison wiederholen könnte. Damals verlor Bayer sieben der letzten zehn Saisonspiele und verpasste das internationale Geschäft.

Den Schuh wollen sich die Bayer-Kicker nicht anziehen. "Letzte Saison hatten wir eine ganz andere Situation", meint Bayer-Kapitän Simon Rolfes. "Da kam noch St. Petersburg im UEFA-Pokal dazwischen, und es passierte am Ende der Saison, als viele Spieler auf dem Zahnfleisch gegangen sind."

"Ein leichtes sportliches Tief"

Doch nach den beiden eher enttäuschenden Vorstellungen in Bielefeld und gegen die Bayern verschließen sie in Leverkusen nicht den Blick vor der Realität.

"Wir haben ein leichtes sportliches Tief", gesteht Bayers Sportdirektor Rudi Völler. "Wir haben jetzt die Möglichkeit, in Mönchengladbach und gegen Cottbus wieder Boden gut zu machen. Das müssen wir auch, weil wir vernünftig überwintern wollen. Wir haben in den ersten Spielen zu viele Dinge zu gut gemacht. Da wollen wir wieder hin."

"Wollen uns etablieren"

Der internationale Wettbewerb ist Pflicht für die ambitionierte Werkself. Deshalb fordert die sportliche Leitung aus den beiden letzten Hinrundenspielen zwei Siege, zumal in der Rückrunde mit dem Umzug nach Düsseldorf zusätzlich erschwerte Rahmenbedingungen herrschen.

"Wir wollen uns unter den ersten vier Mannschaften etablieren", fordert Rudi Völler. "Dafür müssen wir aber auch mehr Leidenschaft an den Tag legen und ein bisschen giftiger werden."

Siegermentalität fehlt

Warum die Mannschaft gegen Bayern München in der zweiten Hälfte fast widerstandslos eingebrochen ist, bleibt ein Rätsel. Die Leverkusener lassen die Sieger-Mentalität vermissen. Die Statistik belegt das. Gegen vier der fünf Topkonkurrenten (Bayern, Hertha, Hamburg und Dortmund) verlor Bayer 04, "lediglich" Spitzenreiter Hoffenheim wurde geschlagen.

"Uns hat der Mut verlassen", bestätigt Bayer-Trainer Bruno Labbadia nach der fünften Saisonniederlage indirekt die Vorwürfe. "Ein Spitzenspiel ist ein Abnutzungskampf. Wir sind Stück um Stück zurückgewichen und haben deshalb verdient verloren."

Mangelnde Erfahrung?

Mangelnde Erfahrung führte dagegen Bayers Nationalstürmer Patrick Helmes an. "Bayern München spielt jedes Jahr oben mit, die sind das gewöhnt. Wir sind eine junge Truppe, wir lernen aus den Fehlern. In Zukunft passiert uns das nicht mehr." Außerdem habe "der FC Bayern bis zum 1:0 auch nur Mist zusammengespielt", wie Helmes trotzig hinzufügte.

Jetzt will Bayer Leverkusen in Mönchengladbach den Abwärtstrend stoppen. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. Denn in Auswärtsspielen gegen die Borussia ist der Werksclub seit sage und schreibe fast 20 Jahren in 16 Spielen (bei 3 Siegen und 13 Unentschieden) ungeschlagen. Am 25. Februar 1989 gab es bei einem 0:2 die letzte Niederlage.

Tobias Gonscherowski