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Köln - Mit Joshua Kimmich hat sich der FC Bayern München eins begehrtesten Talente Deutschlands gesichert. Der 20-Jährige ist für Coach Pep Guardiola nicht weniger als ein Versprechen für die Zukunft. Die Vorzeichen könnten kaum besser sein.

Das Jahr 2015 startete für Kimmich mit der bis dahin wohl schönsten Nachricht seines noch jungen Lebens. “FC Bayern verpflichtet Kimmich“, strahlte es am 2. Januar von den Titelblättern und Webseiten. Den ultimativen Ritterschlag bekam er aber von seinem neuen Arbeitgeber höchstpersönlich. "Kimmich ist ein Wunschspieler von Matthias Sammer und Pep Guardiola", ließ der Rekordmeister via Pressemitteilung wissen. Eine absolute Ehre! Denn das Prädikat Wunschspieler wurde an der Säbener Straße von Guardiola erst einmal vergeben. Und zwar an einen gewissen Thiago Alcantara. “Thiago oder nix“, stellte der Spanier damals klar.

Dem Ideal Guardiolas sehr nah

Nun also Kimmich – und das macht durchaus Sinn. Der gebürtige Rottweiler kommt dem Ideal eines Mittelfeldspielers von Guardiola schon jetzt sehr nahe. Gutes Stellungsspiel, großes Laufpensum, bissiges Zweikampfverhalten, gutes Auge für die Nebenleute und ein guter öffnender Pass. Er füllt die Rolle eines modernen Sechsers perfekt aus und ist prädestiniert für das ballbesitzorientierte Spiel der Münchner.

Ein weiteres Attribut, das Kimmich auszeichnet, ist Perfektion. Ein Charakterzug, den vor allem sein neuer Coach wie kein Zweiter zu schätzen weiß. "Er versucht nicht nur, immer zu erfüllen, was ein Trainer von ihm verlangt. Er macht stets mehr, als von ihm erwartet wird“, schwärmt auch der ehemalige U19-Coach des VfB Stuttgart Ilja Aracic im Gespräch mit spox.com.

Täglich 220 Kilometer zum Training

Schon früh war seine Karriere geprägt von dem unbedingten Willen, Profi zu werden. Seinen Weg ging er ganz bewusst - trotz aller Unbequemlichkeiten. Vater Berthold fuhr ihn täglich vom heimischen Bösingen zum Training beim VfB Stuttgart – satte 220 Kilometer. 2013 folgte dann der Wechsel zu RB Leipzig, nur ein Jahr später der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Im August 2014 der erste Titel. Mit der deutschen U19-Nationalmannschaft sicherte er sich durch einen 1:0-Erfolg im Finale den Europameistertitel in Ungarn.

Auch in der abgelaufenen Zweitliga-Saison zeigte Kimmich, was ihn ihm steckt. Er stand in 23 seiner insgesamt 27 Spiele in der Startelf, spulte dabei 12,5 Kilometer im Schnitt ab und wurde von allen RB-Profis am häufigsten gefoult (92 Mal). Starke und durchaus beeindruckende Zahlen. Ein Wert, der seinen neuen Trainer jedoch am meisten überzeugt haben dürfte, sind die 136 (!) abgegebenen Dribblings. Bei Leipzig versuchte es einzig Stürmer Yussuf Poulsen öfter. Dass Kimmich von diesen Dribblings auch noch gute 61 Prozent für sich entscheiden konnte, zeigt, wie er die Position des defensiven Mittelfeldspielers interpretiert. Auch im Spiel des Rekordmeisters müssen die zentralen Spieler oft in Eins-gegen-Eins-Situationen gehen, um Räume zu schaffen und Linien zu überqueren.

Das Rüstzeug zum Musterschüler

Kimmich hat das absolute Rüstzeug zum Musterschüler. Davon sind sie in München überzeugt, wie Leipzigs ehemaliger Sportdirektor und heutiger Coach Ralf Rangnick schon kurz nach dem Transfer verriet. "Pep Guardiola sieht bei Joshua absolut die Perspektive, schon im nächsten Jahr eine Rolle zu spielen." Eine durchaus mutige Voraussage bei der Konkurrenz im Münchner Mittelfeld.

Aber eben diesen Konkurrenzkampf will er auch annehmen. "Ich habe den Vertrag nicht unterschrieben, um fünf Jahre nur Trainingsgast zu sein. Auf langfristige Sicht will ich mich durchsetzen", sagte er der ’Sport Bild’ und schreckt auch vor großen Namen nicht zurück: "Klar ist Schweinsteiger für mich ein Vorbild. Aber nun auch Mitspieler und damit Konkurrent. Die Bayern können jeden Sechser der Welt kaufen. Wenn sie mich haben wollen, dann werden sie sich schon etwas dabei gedacht haben." Rumms!

Worte, die zeigen, wie selbstbewusst Joshua Kimmich seine neue Herausforderung angeht. Worte, die aber auch zeigen, warum Coach Pep Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer alles unternommen haben, um ihn in die bayrische Landeshauptstadt zu lotsen. Und wer weiß, vielleicht fielen ja auch irgendwo an der Säbener Straße die Worte: “Kimmich oder nix!“

Von Thomas Ziemann