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Köln - Bastian Schweinsteiger wird den FC Bayern verlassen und zu Manchester United wechseln. Dennoch ist der Kader des FC Bayern München auch diese Saison in der Breite exzellent aufgestellt. Gerade im zentralen defensiven Mittelfeld gibt es ein Überangebot an Spielern. Mit Philipp Lahm, David Alaba, Xabi Alonso, Thiago Alcantara, Javi Martinez, Sebastian Rode, Pierre-Emile Höjbjerg und Joshua Kimmich kämpfen gleich acht Spieler um die - je nach Spielsystem - ein oder zwei Plätze vor der Abwehr. bundesliga.de analysiert die Stärken der jeweiligen Spieler und sagt, wie die Bayern Schweinsteiger ersetzen können.

Leader und Dauerbrenner: Philipp Lahm

Er ist Kapitän und absoluter Leader der Mannschaft. An Philipp Lahm in Bestform führt im defensiven Mittelfeld eigentlich kein Weg vorbei. Gerade als Kopf der Mannschaft und als erster Ansprechpartner von Pep Guardiola ist Lahm auf dem Platz gesetzt, seine Leistungen in den letzten Jahren tun ihr Übriges dazu. Seit Guardiolas Amtsantritt im Sommer 2013 stand der 31-Jährige mit 3744 Minuten mit Abstand die meiste Zeit von allen hier analysierten Spielern auf der Position des defensiven Mittelfeldspielers auf dem Platz. Er spielte außerdem die meisten Pässe (3245), die wenigsten Fehlpässe (9,6 %) und legte mit fast 11,3 Kilometern durchschnittlicher Laufstrecke nach Bastian Schweinsteiger die größte Distanz pro 90 Minuten zurück.

Dynamischer Allrounder: David Alaba

Nachdem der Österreicher in Guardiolas erster Saison vorwiegend auf der linken defensiven Außenbahn zum Einsatz kam, schlüpfte er vergangenes Jahr auch immer wieder in die zentrale Rolle vor der Abwehr, lief aber auch als Innenverteidiger auf. Alaba ist einer der flexibelsten Spieler der Bundesliga, dessen Dynamik und Physis, aber auch Spielübersicht gerade im defensiven Mittelfeld von Bedeutung ist. Aufgrund seiner Flexibilität und der großen Konkurrenz dürfte Guardiola ihm diese Rolle aber nur von Zeit zu Zeit anvertrauen. In anderen Mannschaftsteilen wird der 23-Jährige noch mehr gebraucht.

Routinier und Taktgeber: Xabi Alonso

Der Spanier ist eine der absoluten Vertrauenspersonen von Pep Guardiola und der Taktgeber im Mittelfeld. Durchschnittlich ist er in der vergangenen Spielzeit pro 90 Minuten 138,5 Mal am Ball gewesen - ein Wert der seinesgleichen sucht. Er verteilt die Bälle immer wieder klug, spielte in 26 Spielen sage und schreibe 2596 Pässe. Auch in Sachen Standards ist er top: 210 Standardsituationen führte er vergangene Saison aus. 26 davon führten zu Torschüssen, vier zu Toren. Einziges Manko des 33-Jährigen: Seine Sprintfähigkeiten sind mittlerweile eingeschränkt. Gerade mal 8,9 Sprints zog er bislang pro Spiel an. Im Vergleich: Schweinsteiger (15,7), Lahm (15) oder auch Martinez (18,5) weisen hier deutlich bessere Werte auf.

Kreativer Dribbler: Thiago Alcantara

Spielt Thiago, ist er die kreative Schaltzentrale. Der Spanier mit brasilianischen Wurzeln sprüht vor Spielwitz und Kreativität, fummelt seine Gegner schwindelig und beweist auch immer wieder Zug zum Tor. In gerade mal 23 Spielen in den letzten zwei Jahren führte er 144 Dribblingzweikämpfe, von denen er 93 gewann. Zum Vergleich: Einzig Bastian Schweinsteiger durchbricht in dieser Kategorie die Marke von 100 Dribblings (insgesamt 114), allerdings benötigte der Deutsche dafür ganze 20 Spiele mehr (43) als der Spanier. Thiago ist deutlich offensiver eingestellt als seine Konkurrenten, besitzt das Auge für den tödlichen Pass und ist durch seine feine Technik dazu in der Lage, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden. Alcantaras Achillesferse: Er ist extrem verletzungsanfällig.

Konsequenter Abräumer: Javi Martinez

Er war vor Guardiola, Alonso und Thiago der erste Spanier, den der FC Bayern an die Säbener Straße lockte, bestritt seit Amtsantritt seines Landsmanns als Trainer aber lediglich 19 Spiele im defensiven Mittelfeld. Ein Grund: Auch Martinez wurde in den vergangenen zwei Jahren von gleich mehreren schweren Verletzungen heimgesucht. Ein anderer Grund: Spielte Martinez unter Jupp Heynckes in erster Linie im defensiven Mittelfeld, sieht Guardiola ihn eher als Innenverteidiger. Im defensiven Mittelfeld fällt ihm daher wohl eher die Rolle des Backups zu. Guardiolas Einstellung wird dabei von den Statistiken untermauert. Javi Martinez ist ein Abräumer aller erster Güte. Von im Durchschnitt 20,5 Zweikämpfen in 90 Minuten gewinnt er 65,7 Prozent. Noch besser seine Quote in der Luft. Der 1,90 Meter große Hühne gewinnt 76,3 Prozent seiner Kopfballduelle.

Danish Dynamite: Pierre-Emile Höjbjerg

Der Däne ist ein Ausnahmetalent, verfügt trotz seiner erst 19 Jahre über eine herausragende Physis, besitzt aber ebenso viel Gefühl im Fuß. Höjbjerg ist ein fast kompletter Spieler, ein sogenannter Box-to-Box-Player, der sowohl im defensiven als auch im offensiven Bereich seine Stärken besitzt. Selbst auf den Flügeln oder auf der Zehner-Position kann Höjbjerg problemlos auflaufen. In jungen Jahren spielte er sogar im Sturm. Beim FC Augsburg, an den ihn der FC Bayern in der vergangenen Rückrunde ausgeliehen hatte, avancierte er auf Anhieb zum Stammspieler, war einer der entscheidenden Faktoren für die Europa-League-Qualifikation des FCA. Gegen die (bis auf Joshua Kimmich) weitaus erfahrenen Konkurrenten im defensiven Mittelfeld wird es der Däne aber nicht leicht haben. Schon letzte Saison gelang es ihm nicht, sich durchzusetzen - deshalb das Leihgeschäft mit Augsburg. Wie sehr diese Leihe Höjbjerg nach vorne gebracht hat, wird sich in der kommenden Saison zeigen.

Omnipräsenter Antreiber: Sebastian Rode

Ähnlich wie David Alaba ist Sebastian Rode ein sehr dynamischer und vor allem läuferisch bärenstarker Spieler, der es vor allem versteht, seine Mittspieler durch kluge Pässe in Szene zu setzen. Er treibt seine Mittspieler immer wieder an, ist der Motor, der von hinten heraus den Takt vorgibt und über einen unbändigen Siegeswillen verfügt. Rode gibt immer Vollgas, ist vor allem wenn es um offensives Gegenpressing geht der Mann, an dem eigentlich kein Weg vorbeiführt. Wie für Höjbjerg und auch Kimmich wird er es aber auch weiterhin schwer haben, sich gegen die hochkarätige Konkurrenz durchzusetzen. Dennoch: Auch in der vergangenen Saison trauten nur die Wenigsten Rode zu, sich beim FCB durchzusetzen. Am Ende machte er 23 Bundesliga- und sieben Champions-League-Spiele. Beweis genug, dass Rode bei Guardiola ein durchaus hohes Standig besitzt.

Wilder Youngster: Joshua Kimmich

In der Bundesliga ist der 20-Jährige Neuzugang des FC Bayern noch ein unbeschriebenes Blatt, dass er über enormes Potenzial verfügt, stellte er aber schon vergangene Saison in der 2. bundesliga unter Beweis. Bei RB Leipzig war er im Mittelfeld eine tragende Säule, auch bei der U21-EM vor wenigen Wochen war Kimmich einer der absoluten Leistungsträger. Letztes Jahr holte er zudem mit der DFB-U19 die Europameisterschaft. Kimmich verfügt über eine hohe Spielintelligenz und Übersicht, überzeugt trotz seiner "nur" 1,76 Meter Körpergröße aber dennoch über eine große Dynamik und Zweikampfstärke. Im Starensemble des FC Bayern muss sich Kimmich aber erst noch beweisen.

Dennis-Julian Gottschlich