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Vor dem Spitzenspiel gegen den Rekordmeister Bayern München bekam die Euphorie über den guten Saisonstart in Hoffenheim zuletzt einen Dämpfer. Die Kraichgauer unterlagen mit 0:2 beim 1. FC Köln, blieben aber dennoch mit 12 Punkten aus den ersten sieben Bundesliga-Spielen auf Platz 4. bundesliga.de sprach exklusiv mit dem Hoffenheimer Kapitän Andreas Beck.

bundesliga.de: Andreas Beck, Hoffenheim hat am vergangenen Wochenende 0:2 in Köln verloren. War das nach den zuvor gezeigten guten Leistungen ein herber Rückschlag?

Andreas Beck: Eine Niederlage macht nie Spaß. Wir mussten feststellen, dass wir noch nicht so weit sind, in der Bundesliga eine Serie zu starten und uns oben festzusetzen. Wir haben gegen Köln gespielt, einen Gegner, von dem wir wussten, dass er gut kontern kann. Wir haben uns bei beiden Toren auskontern lassen. Die Kölner haben im Prinzip das umgesetzt, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Wir haben in Köln vieles von dem vermissen lassen, was uns in den vergangenen Wochen stark gemacht hat. Die Bereitschaft hat gefehlt. Die Moral, die in den letzten Wochen hervorragend war. Dementsprechend sind wir in Köln unter die Räder gekommen.

bundesliga.de: Welche Lehren kann man aus einem Spiel wie dem in Köln ziehen?

Beck: Die letzten Wochen liefen sehr gut. Vielleicht dachte der eine oder andere, dass das in Köln so weiterläuft, nachdem wir vorher in Mainz so klar und deutlich gewonnen haben. Aber trotz alledem. Wir sind sensibilisiert aus den letzten Spielzeiten. Wir können das richtig einordnen. Wir haben gegen eine zurzeit gute Kölner Mannschaft verloren. Man sollte das jetzt auch nicht zu hoch bewerten. Trotzdem müssen wir das aufarbeiten und analysieren und schnellstmöglich an der Bereitschaft ansetzen.

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung für dieses auf und ab?

Beck: Wir haben trotz der letzten Niederlage einen ordentlichen Saisonstart hingelegt. In den letzten Wochen sind wir oft in Führung gegangen. Dann konnten wir den Gegner kommen lassen. In Köln sind wir in Rückstand geraten, das war eine andere Situation für uns. Wir mussten aufmachen und auf den Ausgleich drängen. Aber wir waren nicht zwingend genug.

bundesliga.de: Am kommenden Samstag gastiert der FC Bayern in Hoffenheim. Die Münchener gewinnen derzeit jedes Spiel zu null. Da ist es ja schon eine Herausforderung zumindest einmal ein Tor zu erzielen?

Beck: Definitiv ist das eine Herausforderung. Bayern München wird eine sehr harte Nuss. Die Bayern sind zurzeit das absolute Maß aller Dinge. Sie treten sehr dominant auf. Das wird ein ganz anderes Spiel als gegen Köln. Aber es hat auch in dieser und der letzten Saison niemand damit gerechnet, dass wir gegen Borussia Dortmund gewinnen. Wir wissen aber auch, dass wir in den letzten Jahren gegen die Bayern noch nicht einmal gewonnen haben. Daher wird es wie gesagt eine große Herausforderung für uns. Aber dafür spielen wir Fußball. Wir werden uns etwas einfallen lassen und wollen unsere Chance suchen.

bundesliga.de: Vor der Saison wurde viel über einen möglichen Wechsel von Ihnen zu Juventus Turin spekuliert. Der kam nicht zustande. Wären Sie gerne nach Italien gegangen?

Beck: Das ist eine rein hypothetische Frage. Das ist weit weg. Ich freue mich lieber auf die Zeit in Hoffenheim und eine schöne Zukunft.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Perspektive in Hoffenheim? Ist nach zwei elften Plätzen in den letzten beiden Jahren ein einstelliger Tabellenplatz ein realistisches Ziel?

Beck: Ich denke schon. Wir haben eine realistische Chance, wieder einmal einen einstelligen Tabellenplatz in Angriff zu nehmen, vor allem nach dem bisherigen Saisonverlauf. Jede Mannschaft kann jede schlagen.

bundesliga.de: Das Thema der vergangenen Woche war der Rücktritt von Schalke-Trainer Ralf Rangnick. Sie haben lange unter ihm gearbeitet. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Beck: Ich war betroffen und habe mitgefühlt. Es hatte sich für mich nicht angedeutet. Ich kann ihm auf diesem Weg nur gute Besserung wünschen. Wenn man den Menschen Rangnick kennt, weiß man, wovon er lebt. Das ist seine Energie, seine Bereitschaft und sein Ehrgeiz. Ich kann mir vorstellen, dass, wenn ihm das fehlt, es ihm dann ganz, ganz schwer fällt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dann ist es der einzig richtige Schritt. Vor der Entscheidung kann ich nur den Hut ziehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski