ANZEIGE

Die 0:3-Pleite des FC Bayern und Franz Beckenbauers anschließenden Brandrede sind unvergessen - neun Jahre später will Olympique Lyon gegen den Favoriten im Halbfinale der Champions League erneut einen Coup landen.

"Bordeaux hat Bayern zweimal geschlagen, und wir haben Bordeaux ausgeschaltet. Ich denke, dass wir eine gute Chance auf das Finale haben", sagte Lyons Mittelfeldspieler Jeremy Toulalan nach dem 0:1 bei Girondins Bordeaux.

"Das war heute eine Blamage"

Durch das 3:1 im Viertelfinal-Hinspiel zog Olympique dennoch als erste französische Mannschaft seit dem AS Monaco 2004 in die Runde der letzten Vier der Königsklasse ein. Dreimal scheiterte Lyon von 2004 bis 2006 im Viertlfinale, nun ist der Bann durchbrochen, und gegen Bayern will sich das Team in den Spielen am 21. und 27. April auf die Finalbühne nach Madrid schießen.

Denkt man in Lyon an die Besuche des deutschen Rekordmeisters, denkt man vor allem an den 6. März 2001. Mit 3:0 wurden Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Co. gedemütigt, dem damaligen Präsidenten Beckenbauer platzte auf dem Bankett nach dem Spiel der Kragen. "Die Frage ist immer nur, wie man ein Spiel verliert. Das war heute eine Blamage. Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball."

Nur Govou noch im Lyon-Kader von 2001

78 Tage später gewann Bayern die Champions League, doch Lyon blieb in den Köpfen. Sidney Govou traf damals zweimal und steht als einziger Spieler heute noch im Aufgebot des siebenmaligen französischen Meisters. Der Kapitän saß gegen Bordeaux eine Gelb-Sperre ab, wird in München aber wieder zum Team gehören.

Nach dem Spiel in Bordeaux feierten die Fans ihre Helden auf den Straßen Lyons, Trainer Claude Puel ist der Erfolg jedoch beinahe ein Dorn im Auge. "Das Wichtigste für uns ist die Liga, dort müssen wir uns wieder für die Champions League qualifizieren. Europa ist für jeden nur das Dessert", sagte der Coach des derzeitigen Tabellenzweiten.

"Jetzt marschieren wir durch"

Puels Spieler schweben derweil auf Wolke sieben. "Dieses Jahr können wir etwas Spezielles erreichen. Wir haben ein erfahrenes Team, und das Wichtigste ist, dass wir Charakter haben", sagte der ehemalige Leverkusener Bundesliga-Profi Cris. Stürmer Michel Bastos meinte mit einem breiten Grinsen: "Jetzt marschieren wir in der Champions League und der Meisterschaft durch."

Vor der Saison hatten selbst die eigenen Fans an der Mannschaft gezweifelt. Nach den Abgängen der Stars Juninho und Karim Benzema traute man "OL" nicht viel zu. Als das Team am Ende der Hinrunde als Sechster 13 Punkte hinter Tabellenführer Bordeaux lag, schienen sich alle Befürchtungen zu bestätigen.

Die Klubführung hielt jedoch an Trainer Puel fest, und im neuen Jahr wendete sich das Blatt. Von elf Liga-Spielen verlor man nur eins, in der Tabelle liegt Lyon zwei Punkte hinter Marseille. Nach schwachem Start und Trainerdiskussion drehte sich alles zum Guten. Der Zufall will es, dass man sich in München die gleiche Geschichte erzählt.