Köln – Der FC Bayern München hat nach Serge Gnabry, Sebastian Rudy und Niklas Süle mit Corentin Tolisso den vierten Neuzugang für die Saison 2017/18. Der Franzose mit togolesischen Wurzeln wechselt von Olympique Lyon zum Rekordmeister und könnte dort die Nachfolge von Xabi Alonso antreten. Wahrlich keine kleinen Fußstapfen für einen Spieler, der im August erst 23 Jahre alt wird. Ist er dieser Aufgabe bereits gewachsen? bundesliga.de hat den Mittelfeldallrounder genau unter die Lupe genommen.

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Auch, wenn Corentin Tolisso ein ganz anderer Spielertyp als Xabi Alonso ist, gibt es eine Fähigkeit, die beide verbindet: Genau wie der große Spanier verfügt auch Corentin über ein ausgezeichnetes Gefühl für den Raum. Im Spiel gegen den Ball verschiebt er trotz seiner Jugend schon äußerst klug und fängt so reihenweise Pässe ab. Wenn möglich schaltet er danach blitzschnell auf Offensive um.

Starkes Stellungsspiel, bissige Zweikampfführung

Das ausgezeichnete Stellungsspiel ist eine der wenigen direkten Parallelen zwischen Alonso und seinem Nachfolger. Corentin Tolisso lebt - im Gegensatz zum spanischen Titelsammler - von seiner überragenden Physis. Im Duell Mann gegen Mann prallen Gegenspieler da schon mal ab wie an einer Betonwand. Darüber hinaus grätscht er im Zweikampf auch gerne zum Ball. In punkto Bissigkeit steht er "Krieger" Arturo Vidal in nichts nach.

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Zudem ist Tolisso enorm vielseitig. Rechter Verteidiger, Linker Verteidiger, Sechser, Achter, Zehner oder sogar hängende Spitze – es gibt kaum eine Position, die er in seinen vier Jahren bei Olympique nicht bekleidet hätte. In der letzten Saison kam er vorwiegend auf der Acht zum Einsatz, erzielte wettbewerbsübergreifend 14 Tore und bereitete sieben weitere vor. Eine bärenstarke Bilanz.

Besonders ins Auge fällt dabei sein starker rechter Fuß, mit dem er aus der Distanz immer wieder für Torgefahr sorgt. Aber auch nach Standardsituationen ist er äußerst gefährlich, denn den "nur" 1,81 Meter groß gewachsene Tolisso zeichnet ein exzellentes Kopfballspiel aus.

Mehr Torgefahr nach Standards?

Eine Qualität, die die Bayern durchaus gebrauchen können: In der vergangenen Saison waren die Münchner besonders nach Eckbällen sehr selten gefährlich. Nur jede 81. Bayern-Ecke führte zu einem Treffer. Das war der schlechteste Wert der Bundesliga-Saison 2016/17. Zum Vergleich: Hoffenheim benötigte im Schnitt nur 18 Anläufe, bis der Ball im Netz zappelte.

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Besonders wertvoll könnte den Transfer aber das Entwicklungspotenzial machen, das Tolisso noch besitzt. "Egal, wo er spielt, er macht seine Sache gut. Er hat Qualitäten, die deutlich über dem Durchschnitt liegen und er wird immer besser", sagt beispielsweise Olympique-Coach Bruno Genesio über ihn. Und der Mittelfeldallrounder stellt an sich sehr hohe Ansprüche: "Im zentralen Mittelfeld muss man heutzutage ein kompletter Spieler sein."

Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung sind seine langen Diagonalbälle, denen ab und an ein wenig die Präzision fehlt. Auch das Passspiel mit seinem schwächeren linken Fuß ist mit Sicherheit noch ausbaufähig. Aber Tolisso hat sich in seinen vier Jahren in der Profimannschaft von Lyon kontinuierlich gesteigert und ist jetzt bereit für die Bundesliga. Mit seiner Vielseitigkeit könnte er ein wichtiger Baustein bei den neuen Bayern sein. Ob ihm allerdings die Schuhe von Alonso auf Anhieb passen, wird erst die kommende Saison zeigen.

Florian Reinecke

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