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München - Rundum glücklich wirkte Mario Gomez nicht, als er nach dem Derby gegen den 1. FC Nürnberg vor die Journalisten trat. Dabei hatte er seinen FC Bayern gerade mit zwei Toren zum Heimsieg geschossen. Hier ein Zupfer am Ohrläppchen, da eine entschuldigende Geste und immer wieder die Beteuerung, dass er sich doch so sicher gefühlt habe.

Es war die 87. Minute, die den Starstürmer wurmte: Beim Stand von 3:0 war der 25-Jährige zum Elfmeter angetreten und hatte den Ball in den Münchner Nachthimmel gejagt. "Wenn noch der Elfmeter reingegangen wäre, dann wäre es ein perfekter Tag gewesen", haderte der Nationalspieler, "vielleicht war ich mir zu sicher."

Bayern in Schlagdistanz

Es zeugt vom Wandel des Angreifers Gomez in den vergangenen Wochen, dass er sich nach einem souveränen Erfolg mit einem Schönheitsfehler beschäftigte. Und zugleich spiegelt die Episode schön wider, wie sich die Selbstwahrnehmung des FC Bayern verändert hat im Vergleich zur holprigen Anfangsphase: Man beschäftigt sich wieder mit sich selbst beim Rekordmeister und nicht mehr mit der Konkurrenz.

Inzwischen lassen das die Ergebnisse auch wieder zu. Seit fünf Spielen sind die Münchner ungeschlagen in der Liga. Durch den Sieg schoben sich die Bayern auf den 6. Platz und damit bereits in Schlagdistanz zu den Europapokalrängen.

Der Bayern-Express kommt ins Rollen - langsam zwar, aber sicher. Von der ersten Minute an bekamen das Nürnbergs Ilkay Gündogan und seine Nebenleute am Sonntagabend zu spüren. Gäste-Keeper Raphael Schäfer musste anschließend anerkennen: "In den Zweikämpfen haben sie uns gezeigt, warum sie der FC Bayern sind."

Zweite Garde überzeugt

Mit bangem Blick dürften die Gäste auch auf die Bayern-Bank geblickt haben, wo sich neben den Jungstars Alaba, Contento und Breno mit Franck Ribery, Mark van Bommel und Thomas Müller etatmäßiges Stammpersonal tummelte.

Die Stars auf dem Bänkchen durften wiederum verfolgen, wie ihre Vertreter eine starke Vorstellung ablieferten. Anatoliy Tymoshchuk im defensiven Mittelfeld ordnete mit Übersicht das Spiel, Nebenmann Andreas Ottl spielte seinen Part unspektakulär, aber effektiv.

Und auf der linken Defensivseite sorgte der agile Danijel Pranjic erneut für viel Betrieb in der Vorwärtsbewegung. Aus einer Kombination zwischen Pranjic und Toni Kroos resultierte schließlich auch die frühe Führung der Bayern durch Gomez (10.).

"Der kam perfekt auf meine Birne"

Weil Philipp Lahm in der einzigen Druckphase der Gäste nach der Pause vom Elfmeterpunkt die Nerven behielt (57.) und Nürnberg danach wenig Gefahr ausstrahlte, setzte Trainer Louis van Gaal in der Schlussphase den nächsten Glanzpunkt - durch eine Einwechslung.

In der 70. Minute brandete in der Südkurve der Allianz Arena Jubel auf. Franck Ribery streifte das Aufwärm-Leibchen ab, der Franzose feierte sein Comeback nach achtwöchiger Verletzungspause. Bei zwei, drei Antritten auf der linken Seite ließ der Dribbel-Filou sofort seine Klasse aufblitzen und in der 75. Minute trat er eine Ecke, die exakt auf dem Kopf von Gomez landete - das 3:0. "Der kam perfekt auf meine Birne", freute sich Gomez.

Van Bommel eine Halbzeit für die Niederlande

Der Franzose hatte also noch einige Minuten Einsatzzeit bekommen, doch was war mit dem Kapitän? Mark van Bommel werde am Mittwoch eine Halbzeit für die Niederlande spielen, um Spielpraxis zu sammeln, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Das sei so abgesprochen.

Van Gaal hat von einem Einsatz seines "aggressive leader" wohl auch deshalb abgesehen, weil seine Vertreter gute Arbeit leisteten. 57 Prozent Ballbesitz zeugen von einer dominant geführten Partie. "Wir haben heute souverän gespielt", so die Einschätzung des niederländischen Übungsleiters, "die Mannschaft bekommt ein Extra-Lob."

Rummenigge war es, der am Ende sogar noch die Brücke zu einem anderen sportlichen Höhepunkt an diesem Tag schlug. Der frisch gebackene Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel habe ja quasi an seinem letzten Spieltag die Tabellenführung erobert, erklärte Rummenigge augenzwinkernd: "Der hat es gemacht wie der FC Bayern München in diesem Jahr."

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer