ANZEIGE

Leverkusen - Die Leistung war stark, das Ergebnis enttäuschend. Nach der unglücklichen 1:2-Heimniederlage im Topspiel gegen den FC Schalke 04 läuft Bayer 04 Leverkusen Gefahr, seine glänzende Ausgangsposition in der Bundesliga zu verspielen. Der einstmals komfortable Vorsprung auf die Verfolger ist deutlich zusammengeschmolzen. Nun steht das schwere Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris SG in der Champions League auf dem Programm.

Fast alle statistischen Werte sprachen dabei für die Werkself. Mehr Torschüsse (13:11), mehr Ballbesitz (59 Prozent) mehr Ecken (11:2), mehr Flanken (20:11), eine höhere Passgenauigkeit (82:81 Prozent). Die Elf von Sami Hyypiä hatte vieles an diesem Samstagabend richtig gemacht und die nach Meinung von Simon Rolfes "mit Abstand beste Leistung in der Rückrunde" abgeliefert. Doch am Ende zählen die Tore. Und in der Kategorie hatten die Gäste aus Gelsenkirchen eben eins mehr geschossen.

Fünf Pleiten aus sieben Spielen

Nach der Pokalpleite gegen den Zweitligisten Kaiserslautern hatte Bayer 04 eine Reaktion gezeigt, Schalke über weite Strecken des Spiels beherrscht und sich ein deutliches Plus an hochkarätigen Torchancen erarbeitet. Doch die Rheinländer belohnten sich nicht für den Aufwand und standen am Ende mit leeren Händen da. Wieder einmal. Denn von den letzten sieben Pflichtspielen hat Leverkusen nun fünf verloren.

Seit dem 15. Spieltag büßte Leverkusen fünf Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund und sogar zehn auf Schalke 04 ein. Die direkte Qualifikation zur Champions League gerät damit bei nur noch drei Zählern Polster auf die Knappen in Gefahr. "Wir haben zwar Punkte eingebüßt, aber wenn die Mannschaft so auftritt wie heute, dann ist mir nicht bange, dass sie bald wieder punktet", gab sich Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nach der Niederlage kämpferisch.

Völler lobt die Moral

"Die Moral war absolut top, auch wenn wir verloren haben. Darauf müssen wir aufbauen", hob Völler das Positive hervor und betonte: "Denn eins ist klar. Wir sind immer noch Zweiter. Das ist kein Zufall. Das haben wir uns schon in der Vorrunde und teilweise in der Rückrunde redlich verdient. Daran müssen wir glauben, auch weil wir es können."

Auch Rolfes war über die gute Vorstellung erleichtert. "Das Entscheidende ist, dass wir diese Leistung nun immer abrufen", meinte der Kapitän. "Dann gibt es mal einen Tag wie heute, an dem man nicht belohnt wird. Aber der ist dann die Ausnahme und ganz selten. Wir müssen uns nun das Glück zurückerkämpfen."

Toprak bereit für Ibrahimovic

Schon am Dienstag bekommt Leverkusen in der Königsklasse dazu die Gelegenheit. Gegen den französischen Meister Paris SG muss die Werkself in der BayArena vorlegen. Wie die Mannschaft gegen das Starensemble von der Seine bestehen kann, weiß Gonzalo Castro: "Paris ist eine sehr gute Mannschaft, die jeder kennt. Wir müssen uns darauf einstellen und genauso auftreten wie gegen Schalke: mit Leidenschaft und dem positiven Willen, immer den Zweikampf zu gewinnen."

Auf eine gute Defensivleistung der ganzen Truppe wird es ankommen. Und darauf, Superstar Zlatan Ibrahimovic irgendwie aus dem Spiel zu nehmen. "So einen Klassemann kannst Du eigentlich nicht 90 Minuten ausschalten", ahnt Innenverteidiger Ömer Toprak, was auf ihn zukommt. "Aber wir werden auf jeden Fall mit elf Mann auf dem Platz defensiv arbeiten. Wir müssen als Mannschaft kompakt stehen. Dann müssen wir es gemeinsam schaffen."

Toprak hält nichts davon, Paris SG nur auf Ibrahimovic zu reduzieren. "Das ist eine Topmannschaft, man muss sich nur den Kader anschauen. Sie stand letztes Jahr im Viertelfinale und ist nur wegen der Auswärtstorregelung gegen den FC Barcelona ausgeschieden", meint Toprak. "Wir wissen, wie stark Paris ist und werden alles geben, um die kleine Chance, die wir haben, zu nutzen." Mit einer Leistung wie gegen Schalke plus einer besseren Chancenverwertung könnte das gelingen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski