Zusammenfassung

  • Bartosz Kapustka kommt auf Leihbasis zum SC Freiburg.

  • Der Offensiv-Allrounder spielte zuletzt für Leicester City.

  • Kapustka gilt als eines der größten europäischen Talente.

Köln - Ein Schritt zurück als Schritt nach vorn: Für Bartosz Kapustka ist die Leihe zum SC Freiburg ein kleiner Neuanfang. Nach der Europameisterschaft 2016, als sich der junge Pole ins Rampenlicht spielte, wechselte er zum englischen Meister Leicester City. Doch der Traum von der Champions League entpuppte sich für den Offensiv-Allrounder als Albtraum: In einer verkorksten Saison, geprägt durch sportliche Rückschläge, kam Kapustka kaum zum Einsatz. Nun drückt der 20-Jährige den Reset-Knopf und will im Breisgau beweisen, weshalb er zu den begehrtesten Talenten Europas zählt.

"Die Bundesliga ist eine große Herausforderung und der SC Freiburg genießt einen hervorragenden Ruf. Ich hatte mit den Verantwortlichen hier sehr gute Gespräche und bin überzeugt, dass Freiburg für meine weitere Entwicklung der richtige Ort ist", sagt Kapustka zu seinem Leih-Engagement beim Europa-League-Qualifikanten. Der Sport-Club konnte sich sogar eine Kaufoption auf "Bartek", wie der polnische Youngster liebevoll genannt wird, sichern.

"Bartosz ist technisch sehr versiert und hat ein für sein Alter sehr ausgeprägtes Gefühl für das Spiel", sagt Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier. "Jetzt geht es für ihn vor allem darum, diese Talente wieder auf den Platz zu bekommen, daran wollen wir gemeinsam arbeiten. Auch bei diesem Transfer war es uns wichtig, nach Ablauf der Leihe die Option auf eine längerfristige Zusammenarbeit zu haben."

Kapustka "hat alles, was es braucht"

Kapustka, in der Jugend von Tarnovia Tarnow groß geworden, ist ein echter Frühstarter: Mit 16 Jahren wagt er den Sprung zu KS Cracovia nach Krakau, wo sein Stern schnell aufgeht. "Ich habe direkt erkannt, dass er ein außergewöhnliches Talent besitzt", schildert Jacek Zielinski, sein erster Profitrainer, später: "Er ragte im Training heraus. Er hat einfach alles, was es braucht: Technik, Tempo, Ausdauer und das nötige Spielverständnis", lobte der ehemalige polnische Nationalspieler.

Video: Köln, Freiburg und Berlin fahren nach Europa

Talent, das nicht nur bei Cracovia für Lobeshymnen sorgt: In der Qualifikation für die EM 2016 debütiert Kapustka im Alter von nur 18 Jahren in der polnischen A-Nationalmannschaft und schafft den Sprung in den Kader für die Endrunde. Dort sorgt er gleich im ersten Gruppenspiel für Aufsehen: Gegen Nordirland steht der dribbel- und spielstarke Offensivmann in der Startelf und beeindruckt auf ganzer Linie. "Von ihm werden wir noch mehr sehen. Ein vorzügliches Talent", twittert beispielsweise Englands Fußball-Legende Gary Lineker.

Lobeshymnen von Lewandowski & Co.

"Ich liebe es, solche Partien vor einer solchen Kulisse zu bestreiten. Das ist es, wofür ich als Kind auf der Straße gespielt habe. Das ist es, wofür ich lebe", gab sich Kapustka nach seiner Gala-Vorstellung selbstbewusst. Auch seine prominenten Mannschaftskollegen zeigten sich beeindruckt vom rotzfrechen Auftreten des Youngsters: "Er hat mich nicht überrascht. Wir wissen alles, was Bartosz kann", sagte Robert Lewandowski. Torhüter Wojciech Szczesny scherzte dagegen: "Das ist doch lächerlich. Es sollte verboten sein, in diesem Alter schon auf diesem Niveau zu spielen."

Dem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg eines der größten europäischen Talente folgt nach der EM allerdings der Karriereknick: In Leicester wird Kapustka nicht glücklich, die Einsätze sind spärlich. In Freiburg soll seine Laufbahn wieder in Schwung kommen. Schon sein Entdecker Zielinski hatte nach dem kometenhaften Erfolg gewarnt: "Eine Fußballer-Karriere ist immer schwer vorherzusagen", sagte Kapustkas erster Profitrainer, nicht ohne allerdings hinterherzuschieben: "Entwickelt er sich entsprechend weiter und verletzt sich nicht, kann er so weit kommen wie Lewandowski. Er ist auf jeden Fall fähig, in dessen Fußstapfen zu treten."

Thomas Reinscheid

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