ANZEIGE

Wien/Baku - Drei Stunden Zeitunterschied, ungewohnte Anstoßzeit, knapp 3000 Kilometer Flug und erhebliche Personalprobleme: Die Vorzeichen für einen erfolgreichen Saisonabschluss der deutschen Nationalmannschaft stehen nicht gerade gut.

Doch Bundestrainer Joachim Löw lässt auf der Abenteuer-Reise nach Baku keine Ausreden gelten und fordert allen Widrigkeiten zum Trotz auch von seinem allerletzten Aufgebot mit den kurzfristig nachnominierten Lewis Holtby und Sebastian Rudy am Dienstag gegen Aserbaidschan (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) einen Sieg.

"Der Rasen wird holprig sein, wir hatten eine lange Anreise, es gibt einen Zeitunterschied, und es sind mittlerweile acht Spieler ausgefallen. Aber wir müssen noch einmal alles mobilisieren und die Probleme lösen - und wir werden sie lösen", verdeutlichte Löw vor dem vierstündigen Charterflug LH 342 am Montagvormittag von Wien nach Baku. Entscheidend sei "nicht die Frage: Wie stark ist Aserbaidschan, sondern wie stark präsentieren wir uns? Wenn wir alles rausholen, wird uns ein Sieg gelingen", sagte Löw. Und Teammanager Oliver Bierhoff ergänzte: "Unser Ziel sind klar drei Punkte. Trotz der Ausfälle haben wir genügend Qualität und Motivation."

"Wer soll uns noch einholen?"

Bei einem Erfolg gegen das von Ex-Bundestrainer Berti Vogts betreute Aserbaidschan hätte die DFB-Auswahl die Maximalausbeute von 21 Punkten aus sieben Spielen erreicht und die Qualifikation für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine fast sicher. "Dann können wir in den verdienten Urlaub gehen. Wer soll uns dann noch einholen?", meinte Löw angesichts der glänzenden Ausgangsposition seiner Elf.

Dass er der erste Bundestrainer sein könnte, der mit seiner Mannschaft alle Qualifikationsspiele gewinnt, interessiert Löw nach eigener Aussage nicht so sehr. "Daran denke ich nicht. Entscheidend ist, dass wir uns so schnell wie möglich qualifizieren", ließ er lapidar verlauten, fügte dann aber an: "Wenn wir dann alle Spiele gewinnen sollten, wäre das natürlich ganz schön."

Viel wichtiger ist für Löw, "dass wir den Alltag nach der WM imponierend bewältigt haben. Das hat die Mannschaft klasse gelöst. Wenn die Mannschaft dieses Spiel noch gewinnt, dann hat sie Großartiges geleistet." Man könne ohnehin mit der Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren "sehr zufrieden" sein: "Wir hatten bei der WM bereits eine junge Mannschaft, haben aber jetzt weitere junge Spieler herangeführt."

"Kein Spaziergang"

Auch in Aserbaidschan soll zur ungewohnten Anstoßzeit um 22:00 Uhr Ortszeit am späten Dienstagabend die imposante Serie Bestand haben. Deshalb fordert Löw, "dass wir noch einmal alle Kräfte bündeln, die Partie konzentriert angehen und uns keine Nachlässigkeiten erlauben." Der DFB-Coach erwartet jedoch "keinen fußballerischen Leckerbissen. Es wird schwierig sein, spielerische Glanzpunkte zu setzen." Zumal er den Gegner "aufsässig und engagiert" erwartet: "Das wird kein Spaziergang." Zur Bewältigung der Zeitverschiebung erklärte Bierhoff: "Wir bleiben im deutschen Rhythmus."

Nach der Abreise der angeschlagenen Sami Khedira und Simon Rolfes am Sonntag aus Wien verwaltet Löw trotz der Nachnominierung der jungen Holtby (20) und Rudy (21) gerade auf der wichtigen Sechserposition den Notstand. Zuvor hatten bereits Bastian Schweinsteiger, Christian Träsch und Sven Bender passen müssen. Noch-Kapitän Michael Ballack, der dafür auch infrage käme, spielt keine Rolle mehr. Bleibt in Baku eigentlich nur noch Toni Kroos, der auf der "Sechs" zuhause ist.

Doch der Bundestrainer gibt sich gelassen: "Wir werden eine Lösung finden, sodass wir ein gutes Mittelfeld haben." Es ginge in seinen Überlegungen ohnehin weniger um die sogenannte Doppel-Sechs. Wichtig sei, "dass wir drei Mittelfeldspieler haben, die sehr variabel agieren. Die Spanier und der FC Barcelona beherrschen das perfekt."

Hummels rückt nicht ins Mittelfeld

Möglicherweise spielt der Münchner Kroos alleine vor der Abwehr, davor könnte die Besetzung im Mittelfeld Thomas Müller, Mesut Özil, Mario Götze und Lukas Podolski oder Andre Schürrle heißen. Ausgeschlossen hatte Löw bereits, dass der Dortmunder Mats Hummels wie in der Schlussphase beim 2:1 in Österreich etwas weiter nach vorne rückt: "Er hat das gut gemacht. Aber er wird am Dienstag wieder im Abwehrzentrum spielen."

Trotz aller Sorgen trat Löw die Reise nach Baku gelassen an. "Die Situation ist eben so, sie beunruhigt mich nicht. Ich sehe uns in der Lage, dass wir das Spiel auch unter diesen Umständen erfolgreich bestreiten", sagte er.

Auch Hummels wollte nicht groß jammern: "Wir wollen möglichst alle Qualifikationsspiele gewinnen und einen guten Saisonabschluss schaffen, das muss trotz aller Probleme auch möglich sein." Davon ist auch Torwart Manuel Neuer überzeugt: "Wir wollen die Saison erfolgreich beenden. Dem steht nichts im Wege."



Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung: Neuer - Lahm, Friedrich, Hummels, Schmelzer - Kroos - Müller, Götze, Özil, Podolski - Gomez