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Bastian Schweinsteiger war am Samstagnachmittag der erste, der sich in Aufklärungsarbeit versuchen durfte. Er trat durch die Schwingtür vor die wartenden Journalisten und versuchte zu erklären, was doch so schwer zu erklären ist: Warum der FC Bayern seit drei Spielen kein Tor mehr geschossen hat.

Der Rekordmeister steht plötzlich vor einem Problem, mit dem niemand rechnen konnte. Trotz einer herausragend besetzten Offensivabteilung gelingt das Ziel des Spiels nicht mehr: das Toreschießen.

"Es ist wie verhext"

Chancen dazu gab es in der vergangenen Woche genügend, in Hamburg, gegen Turin sowieso und auch am Samstag gegen Köln. Aber: Kein Ball im Netz. "Es ist wie verhext. Es ist einfach zum verrückt werden", haderte Schweinsteiger, der aber nicht nur fehlendes Glück als Ursache bemühte.

"Wir müssen wieder abgezockter vor dem Tor sein", forderte er. Und die Vorlagengeber müssten die gut postierten Spieler im Strafraum künftig eben noch besser einsetzen. Klingt nach: das Glück erzwingen. Und so ähnlich formulierte es auch der glücklose Nationalstürmer Miroslav Klose: "Das hat viel mit Pech zu tun. Aber dagegen muss man ankämpfen."

Kölner Wertarbeit in der Defensive

Zugegeben, die Kölner haben es den Münchnern auch schwer gemacht, Lukas Podolski und Co. igelten sich vor dem eigenen Sechzehner ein und rackerten 90 Minuten lang konsequent gegen Ball und Gegner. Echte Wertarbeit.

"Es ist eben auch sehr schwierig gegen nur verteidigende Kölner zu spielen. Das sind zehn Spieler wie eine Mauer. Da braucht man auch ein bisschen Glück. Das haben wir nicht erzwungen, aber das muss man immer machen", erklärte Bayern-Trainer Louis van Gaal. "Im 16-Meter-Raum haben uns Fitness und Aggressivität gefehlt", monierte der Coach, "wir haben kaum hundertprozentige Chancen kreiert." Der Trainer gestand auch ein, dass er das offensichtliche Problem von der Bank aus nicht lösen konnte.

Riberys Kreativität fehlte nach der Pause

Zunächst wirbelte Franck Ribery ganz ordentlich auf dem linken Flügel, allerdings auch ohne nennenswerten Tordrang. Zur Halbzeit musste er draußen bleiben, mehr Spielzeit ließ die schmerzende Patellasehne nicht zu.

Van Gaal brachte Mario Gomez für den Franzosen und stellte von 4-3-3 auf 4-4-2 um - besser wurde es aber nicht. Die Flanken von Sosa, Pranjic und Müller waren an diesem Nachmittag ungefährlich. Und so fehlte es den Angreifern schlichtweg an verwertbaren Zuspielen, ob am Boden oder in der Luft.

"Ohne Ribery fehlt uns die Kreativität, da können die Stürmer nichts machen", lautete van Gaals Fazit. Auch Gomez klagte über mangelnde Unterstützung: "Wir haben kein Konzept und keinen Plan entwickelt, die Pässe nicht gut gespielt, die Flanken nicht gut gespielt - und wenn doch mal eine ankam, dann war keiner da."

"Sollten nicht mit Zahlenspielen anfangen"

Von Schwarzmalerei sind sie beim FC Bayern aber weit entfernt. Philipp Lahm empfiehlt den Angreifern nicht zu verzweifeln und Gomez beschwichtigt mit einem Blick in die jüngere Vergangenheit. "Ich war beim VfB in der vergangenen Saison über 800 Minuten ohne Tor und habe trotzdem 25 Tore gemacht. Wir sollten jetzt also nicht mit Zahlenspielen anfangen."

Ganz ohne Zahlen ging es dann aber doch nicht. Immerhin liegt der FC Bayern mit zwölf Zählern nach acht Spieltagen - übrigens derselbe Punktestand wie vor einem Jahr - schon acht Punkte hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen, was auch mit fehlenden Toren gegen Hamburg und Köln zu tun hat. "Bedenklich", findet Lahm das, "noch ist alles möglich, aber der Rückstand auf die Tabellenspitze ist schon gewaltig."

Van Gaal weiß um die Problematik, bleibt aber gelassen. Er sieht das Team grundsätzlich auf dem richtigen Weg und betont: "Die Preise werden nicht jetzt verteilt - sondern im April und Mai."

Aus München berichtet Michael Gerhäußer