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Zwei Spieltage vor Saisonende stehen der FC Bayern München und der FC Schalke 04 punktgleich an der Tabellenspitze. Beide haben 64 Punkte auf dem Konto, doch die Münchner haben eine um 13 Treffer bessere Tordifferenz, die am Ende entscheidend sein könnte.

Der FCB erwartet am 33. Spieltag daheim den VfL Bochum und muss zum Saisonfinale zu der dann eventuell schon abgestiegenen Hertha reisen. Das scheinbar leichtere Restprogramm, wenn man bedenkt, dass die "Königsblauen" noch den Champions-League-Anwärter aus Bremen empfängt und dann zu den heimstarken Mainzern muss.

Doch wie oft kam es in der Bundesliga-Geschichte bereits zu einem solch spannenden Saisonfinale? Und mit welchem Ausgang? bundesliga.de ist diesen Fragen auf den Grund gegangen:

Chancen stehen 50:50

In den 46 Jahren Bundesliga vor dieser Saison gab es zehn Mal zwei Mannschaften, die zwei Spieltage vor Saisonende punktgleich die Tabelle anführten. Dabei zeigte sich, dass sich auf die Torbilanz verlassen nach hinten losgehen kann. Denn in der Hälfte dieser Fälle überholte der Zweitplatzierte den nur um Haaresbreite besseren Spitzenreiter noch auf der Zielgeraden.

Allein in drei der vergangenen vier Fälle des "Fotofinishs" im Meisterschaftskampf rutschte die Mannschaft, die nach 32 Runden ganz oben stand, noch auf Platz 2 ab (Schalke 2000/01, FC Bayern 1992/93, Frankfurt 1991/92).

Drei Mal entschied die Tordifferenz

In der Vorsaison gab es eine ähnliche Konstellation wie aktuell: Der VfL Wolfsburg hatte nur eine geringfügig bessere Tordifferenz, gewann aber die letzten beiden Spiele, während die Bayern nur vier Punkte unter Interimstrainer Jupp Heynckes holten.

In drei der zehn Spielzeiten entschied am Ende einzig die bessere Tordifferenz den Titel: 1983/84 sicherte sich der VfB Stuttgart die Meisterschaft, obwohl man am letzten Spieltag gegen den direkten Konkurrenten Hamburger SV verlor. Einen Spieltag zuvor hatte der VfB aber gewonnen, während die Hanseaten zuhause gegen Frankfurt unterlegen waren.

13-Tore-Vorsprung fast futsch

Dass ein 13-Tore-Vorsprung - wie ihn die Bayern aktuell auf Schalke haben - noch fast komplett wegschmelzen kann, erlebten die Fans in der Saison 1977/78. Und das an nur einem Spieltag. Da lag der 1. FC Köln dank der 13 Tore besseren Tordifferenz an der Spitze: Am Ende wurde es dennoch richtig eng, da Verfolger Gladbach am letzten Spieltag Dortmund 12:0 schlagen konnte - doch auch der höchste Sieg der Bundesliga-Geschichte reichte nicht zum Titel.

In der Saison 2000/01 kämpften eben jene Schalker und Bayern in einem Herzschlag-Finale um die Meisterschaft: Ins Saisonfinale ging der FCB mit drei Punkten Vorsprung, aber der schlechteren Tordifferenz. Als S04 Unterhaching schon mit 5:3 besiegt hatte, liefen beim Gastspiel der Bayern in Hamburg die letzten Sekunden: Es stand 1:0 für den HSV, ganz Schalke feierte den Titel, bevor Patrik Andersson per Freistoß die Geschichte umschrieb.

Norddeutsches Duell

1982/83 standen die Rivalen Hamburg und Bremen an der Tabellenspitze, doch am Ende konnten die "Rothosen" die bessere Tordifferenz über die Ziellinie retten. 1992/93 waren Bremen und Bayern vor dem Saisonfinale punktgleich, doch während Werder in Stuttgart souverän mit 3:0 siegte, teilten die Bayern beim 3:3 auf Schalke nur die Punkte.

In der Saison 1991/92 stand Frankfurt mit der deutlich besseren Tordifferenz vor den Verfolgern aus Stuttgart. Am 33. Spieltag teilten beide die Punkte und Dortmund zog nach Punkten gleich. Am letzten Spieltag siegte der VfB nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 in Leverkusen, während die Eintracht in Rostock mit 1:2 unterlegen war. Dortmund reichte der 1:0-Sieg in Duisburg nur zu Platz 2.

Erstes "Fotofinish" 65/66

1970/71 standen die "Fohlen" aus Gladbach vor den letzten beiden Spieltagen ein Tor vor den Münchner Bayern. Am vorletzten Spieltag siegten die Münchner mit 4:1 gegen Braunschweig und übernahmen die Tabellenführung, weil Gladbach "nur” ein 4:3 über Essen gelang. Doch beim Saisonfinale unterlag der Rekordmeister mit 0:2 in Duisburg, während Gladbach einen souveränen 4:1-Erfolg in Frankfurt feiern konnten.

Besonders brisant war die Situation beim ersten Zweier-Finish der Bundesliga-Geschichte in der Saison 1965/66, als Dortmund und 1860 München punktgleich die Tabelle anführten und am 33. Spieltag im direkten Duell aufeinander trafen: Die "Löwen" siegten mit 2:0 im Stadion "Rote Erde” und sorgten für eine Vorentscheidung. Da reichte den Sechzigern am letzten Spieltag ein 1:1 gegen den HSV, zumal der BVB auch die letzte Partie verlor (1:4 in Frankfurt).

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