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Augsburg - Gerne hätte Markus Weinzierl wohl darauf verzichtet. Vor Beginn der Pressekonferenz musste der Trainer des FC Augsburg auch noch die Zusammenfassung der 0:2-Niederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 über sich ergehen lassen. So hatte sich Weinzierl Spiel eins nach der Neuformulierung der Saisonziele nicht vorgestellt, dennoch überwog bei den Augsburgern der Trotz.

"Die Welt geht für uns nicht unter", sagte Weinzierl, "aber wir sind nicht erfreut. Wir wollten nachlegen und weitermachen." Mit einem Sieg hätten die Augsburger am FC Schalke 04 in der Tabelle vorbeiziehen können und ihre vergangene Woche erstmals öffentlich proklamierten Europapokal-Ambitionen untermauern können. Stattdessen riss die Serie von zuletzt fünf Heimspielen in Folge ohne Niederlage.

"Auch Niederlagen gehören dazu"

"Uns war klar, dass wir nicht jedes Heimspiel gewinnen werden und auch Niederlagen dazugehören", relativierte Weinzierl. Dennoch war die Pleite gegen Mainz in den Augen des 40-Jährigen vermeidbar. Der FSV war nicht unbedingt die bessere, aber die cleverere und vor allem effizientere Mannschaft. Den zweiten Torschuss der Gäste nutzte Shinji Okakazi (32.) zur Führung, Ja-Cheol Koo (89.) machte kurz vor Schluss den Deckel drauf.

FCA-Trainer Weinzierl brachte es hinterher auf den Punkt: "Uns hat die große Anzahl an Chancen gefehlt und die paar, die wir hatten, haben wir liegengelassen." Die größte Chance zum Ausgleich vergab zehn Minuten vor Schluss der ehemalige Mainzer Shawn Parker. "Wir haben alles probiert, sind aber nicht belohnt worden", sagte der Stürmer.

Frische und Ideen fehlen

Der Wille war den Gastgebern nicht abzusprechen, schließlich verzeichnete der FCA sogar mehr Torschüsse (13:12) und mehr Ballbesitz (56 Prozent). Doch der letzte Pass kam zu selten, in der Offensive mangelte es gegen die dicht gestaffelte Defensive der Mainzer an zündenden Ideen. Insgesamt fehlte dem Spiel der Fuggerstädter ein wenig die Frische - wohl auch wegen der Grippewelle. "Wir sind nicht an die 100 Prozent herangekommen, die wir benötigen", gestand Halil Altintop, der zuletzt im Training krankheitsbedingt kürzer treten musste.

Die Niederlage gegen Mainz hat gezeigt, dass die Augsburger immer an ihr Maximum gehen müssen, um Erfolg zu haben. Und plötzlich wird die Mannschaft auch an ihrer neuen Zielsetzung gemessen. Vergangene Woche fiel die Zurückhaltung, erstmals nahmen Spieler und Trainer das Wort "Europapokal" in den Mund. Seit 14 Spieltagen belegt der FC Augsburg einen Europapokalplatz, doch die Konkurrenz macht Druck, die TSG 1899 Hoffenheim sitzt dem Tabellensechsten mit nur noch zwei Punkten Abstand im Nacken.

"Uns hat noch nie etwas umgeworfen"

Die Gefahr, dass sich der  FCA nun um die Früchte seiner besten Saison der Vereinsgeschichte bringt, sieht Jan-Ingwer Callsen-Bracker jedoch nicht. "Uns hat noch nie etwas umgeworfen", entgegnete der Innenverteidiger. Einem möglichen Spannungsabfall nach dem Erreichen des Minimalziels Klassenerhalt trat er entschieden entgegen. "Das hat damit gar nichts zu tun, wir wollen weiter Spiele gewinnen."

Kommenden Samstag gilt es im Duell mit dem SC Freiburg die zuletzt dürftige Auswärtsbilanz von nur einem Sieg aus den letzten vier Spielen in der Fremde aufzubessern. Und nachdem bei Markus Weinzierl der erste Ärger über die Niederlage gegen Mainz verflogen war, gab sich der Trainer ebenfalls kämpferisch: "Wir haben wichtige Punkte liegengelassen, aber die holen wir uns woanders wieder."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz