ANZEIGE

Köln - Der 1. FC Kaiserslautern gehört vom Selbstverständnis in die Bundesliga. Der Traditionsclub aus der Pfalz hat in dieser Spielzeit die Strategie gewechselt, um im dritten Jahr nach dem Abstieg wieder zurückzukehren.

Übersicht: Alle Kandidaten im Aufstiegscheck

Vor und während der Saison hat sich der 1. FC Kaiserslautern von großen Namen getrennt. Bereits im Sommer verließen Mohamadou Idrissou und Marc Torrejon den Verein. Im Januar wurde dann auch Srdjan Lakic abgegeben. Die Pfälzer setzen nun auf junge, hungrige Spieler aus der Region und haben mit 24,4 Jahren die im Schnitt jüngste Mannschaft der beiden Bundesligen.

Die Situation:

Im Moment ist Kaiserslautern punktgleich mit dem Zweiten - SV Darmstadt - Dritter. 45 Punkte bedeuten zwei Zähler Vorsprung auf den vierten Platz und acht auf Rang fünf. Die Roten Teufel haben ihr Schicksal selbst in der Hand und tun momentan alles um ihr Ziel zu erreichen.

Von den letzten acht Spielen verlor der FCK nur eins, das gegen den FSV Frankfurt (Spielbericht), der eine hervorragende Rückrunde spielt. Fünf Siege konnte Kaiserslautern in diesen Partien einfahren. Insgesamt hat nur Spitzenreiter Ingolstadt mehr Siege (13) vorzuweisen, als die Pfälzer (zwölf).

Das macht Hoffnung:

Dass die Roten Teufel auf den Aufstieg hoffen dürfen, haben sie in erster Linie ihrer Heimstärke zu verdanken. Kaiserslautern ist das einzige Team ohne Heimniederlage und die mit Abstand beste Heimmannschaft der 2. Bundesliga (Heimtabelle). Seit über einem Jahr wurde auf dem Betzenberg nicht mehr verloren.

Darüber hinaus gilt der FCK als das spielerisch beste Team der 2. Bundesliga, hat den meisten Ballbesitz, spielt die meisten Pässe und gibt enorm viele Torschüsse ab. Nur Ingolstadt gab mehr schoss noch häufiger (405) als Kaiserslautern (390). In der Defensive stehen die roten Teufel ebenfalls sicher. Die Gegner des FCK kamen 235 Mal zum Torschuss. Das bedeutet Platz zwei für Kaiserslautern in dieser Statistik. 23 Gegentore sind der fünftbeste Wert.

Das ist auch der Verdienst der echten Pfälzer Buben Dominique Heintz, Willi Orban und Jean Zimmer. Willi Orban ist der jüngste Kapitän der 2. Bundesliga und mit 68 Prozent gewonnenen Duellen ist er hinter Ingolstadts Marvin Matip der zweitbeste Zweikämpfer der Liga. Orban wurde in Kaiserslautern geboren und hat nie für einen anderen Club gespielt.

Die Entdeckung der Saison heißt aber wohl Jean Zimmer: Anfangs wurde er als Rechtsverteidiger aufgeboten und hatte auf der Position das Duell gegen Michael Schulze und den Stammplatz verloren. Runjaic setzte Jean Zimmer am 14. Spieltag am Millerntor erstmals offensiv ein und Zimmer traf. Seitdem ist er gesetzt und hat vier Tore in den letzten elf Spielen erzielt.

Orban, Heintz und Zimmer spielen ebenso wie Amin Younes und Philipp Hofmann in der deutschen U21.

Hier lauern Gefahren:

Der 1. FC Kaiserslautern hat zwei große Probleme, die sie aber bisher gut kompensieren konnten. Das erste ist die Chancenverwertung, denn es war noch wesentlich mehr drin, als die 34 erzielten Tore. Nur Bochum ließ mehr Großchancen ungenutzt (24) als der FCK (22). Bezeichnenderweise ist der Sechser Alexander Ring mit sechs Toren der Top-Torjäger. Angesichts der guten Defensive fällt das aber nicht so sehr ins Gewicht.

Was der Mannschaft von Kosta Runjaic dagegen noch ernsthafte Probleme bereiten könnte, ist die dürftige Auswärtsbilanz: Auswärts gab es nur zwei Siege, zwölf Punkte in zwölf Auswärtsspielen. In der Auswärtstabelle liegen die roten Teufel auf dem 13. Platz. Das ist für einen Aufstiegsaspiranten an sich zu wenig.

Vor allem, da noch Auswärtsspiele gegen den Karlsruher SC (Vorschau) und am 31. Spieltag gegen den SV Darmstadt auf dem Programm stehen. Von den direkten Konkurrenten hat Kaiserslautern nur noch Ingolstadt am letzten Spieltag auf dem Betzenberg zu Gast.

Aussichten und Aufstiegschancen:

Nach zwei knapp verpassten Aufstiegen (2012/13 in der Relegation gegen Hoffenheim chancenlos, 2013/14 Vierter) soll es im dritten Anlauf zurück in die Bundesliga gehen. Um das Restprogramm ist Kaiserslautern aber nicht zu beneiden. Außer gegen den KSC, Darmstadt und Ingolstadt spielen die Pfälzer auch noch gegen den Fünften RB Leipzig und auswärts bei Fortuna Düsseldorf.

Die statistischen Chancen auf den Aufstieg stehen relativ gut. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 sind bislang 53 Teams aufgestiegen. 19 davon hatten 45 oder weniger Punkte nach 25 Spieltagen auf dem Konto – das entspricht 36 Prozent. Von diesen 53 Aufsteigern schafften 21 Teams den Sprung nach oben, die nach 25 Runden auf Platz Drei oder schlechter standen, was ungefähr 40 Prozent entspricht.

Die roten Teufel müssen in den verbleibenden fünf Auswärtsspielen dringend besser punkten, als in den bisherigen Partien in der Fremde. Der Nachteil des schweren Restprogramms kann für den FCK auch durchaus zum Vorteil werden - wenn die Pfälzer die Spiele gegen die direkten Konkurrenten gewinnen.

Sebastian Stenzel und Tobias Anding

Interview: Alexander Ring über die Aufsteigschancen des FCK

Infografik: Der 1. FC Kaiserslautern im Steckbrief

Portrait: Kosta Runjaic - Ein Aufsteiger vor der Krönung