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München - Fußball total. Im September geht es Schlag auf Schlag. Fünf Bundesliga-Spieltage werden gespielt, die Champions League, die Europa League und die WM-Qualifikation starten. Der FC Bayern München marschiert vorneweg, verfolgt von - Aufsteiger Eintracht Frankfurt. Auch ein anderer Aufsteiger überrascht.

Die Fans rieben sich beim Studium der Tabelle verwundert die Augen. Nach dem 6. Spieltag in der Bundesliga waren nur noch drei Vereine ungeschlagen. Die Bayern, gut, damit konnte man rechnen. Frankfurt. Donnerwetter. Und Fortuna Düsseldorf. Wie bitte? Unglaublich.

Düsseldorfer Bollwerk



Die Rheinländer waren die große Wundertüte. 18 Neuzugänge wurden geholt, kaum einer davon hatte einen großen Namen. Und diese bunt zusammengewürfelte Truppe düpierte die großen Clubs. Sehr ansehnlich war die Spielweise nicht, aber in den ersten fünf Spielen blieb man ohne Gegentor. Das hatte noch kein Aufsteiger zuvor geschafft. Es musste schon der amtierende Torschützenkönig her, um Keeper Fabian Giefer erstmals zu überwinden. Schalkes Klaas-Jan Huntelaar gelang das an Spieltag 6.

Die Fortuna holte dennoch einen Punkt gegen die "Knappen" (2:2), hatte damit zehn Zähler auf dem Konto und mit Borussia Mönchengladbach, dem VfB Stuttgart und eben S04 immerhin bereits drei international aktive Teams im Programm gehabt. Urgestein Andreas Lambertz feierte am 3. Spieltag nach abgesessener Sperre verspätet sein Bundesliga-Debüt und ging damit als erster Profi in die Geschichte ein, der mit ein und demselben Verein in vier verschiedenen Ligen spielte, von der Oberliga bis zur Bundesliga.

Furiose Frankfurter



Ganz anders als die Fortuna eroberte Frankfurt die Bundesliga. Im Sturm. Eintracht-Coach Armin Veh setzte auf attraktiven Offensivfußball und das mit Erfolg. 16 Punkte aus den ersten sechs Spielen bei 16:8-Torem waren auch ein Rekord für einen Aufsteiger. Dagegen tat sich der Zweitliga-Meister SpVgg Greuther Fürth unerwartet schwer. Die Franken holten nur vier Punkte und fanden sich zusammen mit dem FC Augsburg im Tabellenkeller wieder.

An der Spitze dominierten die Bayern nach Belieben und ohne Punktverlust. Eindrucksvoll waren ihre Auftritte gegen Stuttgart (6:1) und auf Schalke (2:0). 19:2 lautete das Torverhältnis, sieben Punkte Vorsprung hatte der Rekordmeister bereits auf den Titelverteidiger. Trotzdem grantelte Sportdirektor Matthias Sammer nach dem 2:0 bei Werder Bremen, was wiederum Chefcoach Jupp Heynckes nicht gefiel.

Huszti trifft - und fliegt



Borussia Dortmund plagten derweil ungewohnte Abwehrprobleme. Binnen vier Tagen kassierte der BVB sechs Gegentore und büßte seinen Nimbus der Unschlagbarkeit ein. Nach saisonübergreifend 31 Spielen ohne Niederlage erwischte es die Westfalen am 4. Spieltag ausgerechnet bei der 2:3-Niederlage beim zuvor punktlosen Hamburger SV, dem der heimgekehrte Superstar Rafael van der Vaart neues Leben eingehaucht hatte. Kurz darauf verspielten die Dortmunder eine 2:0-Pausenführung in Frankfurt und mussten sich mit einem 3:3-Unentschieden begnügen.

Für ein Kuriosum sorgte Szabolcs Huszti von Hannover 96 am 3. Spieltag. Der Ungar war Mann des Tages beim 3:2-Erfolg gegen Bremen. Zwei Tore schoss er selbst, zum dritten gab er die Vorlage. Damit nicht genug: Nach seinem Last-Minute-Siegtreffer zog sich der 29-Jährige erst das Trikot aus und kletterte anschließend jubelnd auf den Zaun. Für beide "Vergehen" war zwingend eine Verwarnung fällig. Der Mittelfeldspieler flog vom Platz.

Müller übernimmt im Kraichgau



Während bei 1899 Hoffenheim mit Andreas Müller als neuem Sportdirektor der Kraichgauer ein guter alter Bekannter in die Bundesliga zurückkehrte. Große Betroffenheit löste der schwere Autounfall von 1899-Profi Boris Vukcevic aus, bei dem der 22-Jährige schwer verletzt wurde.

In der 2. Bundesliga dominierte zur allgemeinen Überraschung Eintracht Braunschweig das Geschehen vor Energie Cottbus und 1860 München. Ganz übel stand der MSV Duisburg mit nur einem Punkt aus den ersten sieben Spielen da. Auch die Entlassung von Trainer Oliver Reck brachte zunächst keine Besserung.

Start nach Maß in der "Königsklasse"



International begeisterten die deutschen Clubs in der Champions League. Alle drei Vertreter - Dortmund (1:0 gegen Ajax Amsterdam), Bayern (2:1 gegen den FC Valencia) und Schalke (2:1 bei Olympiakos Piräus) - gewannen ihre Auftaktspiele. Die vier Europa-League-Teilnehmer (Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, Stuttgart und Hannover) kamen dagegen alle nicht über Punkteteilungen hinaus.

Die deutsche Nationalmannschaft bekleckerte sich beim Start in die WM-Qualifikation nicht gerade mit Ruhm. Gegen die Färöer gab es zum Auftakt nach Toren von Mario Götze und zweimal Mesut Özil einen glanzlosen 3:0-Pflichtsieg. Kurz darauf entging das DFB-Team beim 2:1-Erfolg in Österreich (Treffer durch Marco Reus und erneut Özil) nur haarscharf einer Blamage. Zumindest waren aber die ersten sechs Punkte unter Dach und Fach.

Das Spiel des Monats September:



Wieder ein Spiel, bei dem Frankfurt beteiligt war. Zufall war das nicht. Denn die Hessen hatten sich von Saisonbeginn an Offensivfußball auf die Fahnen geschrieben. Doch gegen den Deutschen Meister ging der Schuss erst einmal nach hinten los. Nach Toren von Lukasz Piszczek (25.) und Marco Reus (28.) führten die Borussen zur Pause mit 2:0.

Wie schon gegen Leverkusen am 1. Spieltag warf der Rückstand die Eintracht aber nicht um. Kurz nach der Pause glich die Elf von Armin Veh per Doppelschlag die Partie aus. Takashi Inui (49.) und Stefan Aigner (51.) waren dafür verantwortlich. Wieder nur drei Minuten später brachte Mario Götze den BVB erneut auf die Siegerstraße.

Doch zum Sieg reichte auch das nicht. Eintrachts brasilianischer Innenverteidiger Anderson köpfte in der 73. Minute den abermaligen Ausgleich und rettete Frankfurt damit einen verdienten Punkt. Damit blieb der Aufsteiger in der Tabelle auf Platz 2, fünf Punkte vor Dortmund, das nur auf Position 6 rangierte.

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2012 im Überblick