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Die Volkswagen Arena galt in der Vorsaison als uneinnehmbare Festung: Fast alle Mannschaften, die beim VfL aufkreuzten, hätten sich die Reise nach Niedersachsen genauso gut sparen können: Lediglich Eintracht Frankfurt schaffte es am 3. Spieltag mit einem 2:2, den "Wölfen" ein Remis abzutrotzen - die übrigen Teams fuhren mit leeren Händen zurück.

Bayern und Bremen? Jeweils mit 5:1 abgeschossen! Der HSV? 3:0 abgeledert! Die beeindruckende Heimbilanz des damaligen Magath-Teams: 59 von 61 mögliche Punkten geholt, 51 Tore geschossen und nur 13 kassiert. Einmalig in der Bundesligageschichte.

13 Gegentreffer in sechs Heimspielen

Der VfL im Herbst 2009: Die Festung Volkswagen Arena steht zwar nicht in Schutt und Asche, doch sie ist merklich gebröckelt. Nur zehn Punkte in sechs Spielen sammelte Wolfsburg, zwei Heimniederlagen stehen bereits zu Buche.

Bei der Suche nach den Gründen für die verlorene Heimstärke stößt man unweigerlich auf die durchlässige Defensive. Unter Magath ließ der VfL im eigenen Stadion kaum etwas durch, kassierte in den ersten sechs Partien vor eigenem Publikum nur vier Gegentreffer. Nun sind es bereits 13 - so viele, wie in der gesamten Vorsaison.

VfL-Fans werden ungeduldig

Es ist offensichtlich: Beim Team von Trainer Armin Veh stimmt es in der Abstimmung der Mannschaftsteile nicht, was sich zuletzt beim 3:3 gegen Mainz 05 offenbarte. Selbst eine zweimalige Führung genügte gegen den frechen Aufsteiger nicht.

Die Fans verloren die Geduld und skandierten "Wir wollen Euch kämpfen sehen" - so etwas hatte es in der Volkswagen Arena seit zwei Jahren nicht mehr gegeben. Spielmacher Zvjezdan Misimovic konnte die Reaktion der Anhänger nachfühlen: "Ich kann die Leute verstehen. Es ist an uns, die Stimmen verstummen zu lassen."

Einstiger Abwehrchef auf der Bank

Der Knackpunkt für die unerklärliche Heimschwäche des VfL dürfte der 3. Spieltag gewesen sein, als man nach zwei Siegen zum Saisonbeginn den HSV empfing. Bereits nach sieben Minuten klingelte es zwei Mal, Wolfsburg schaffte den zwischenzeitlichen Ausgleich und wurde am Ende zum 2:4-Endstand ausgekontert.

Die Defensive, ein Prunkstück unter Magath, wirkte seitdem verunsichert und verlor zunehmend an Stabilität. Andrea Barzagli, unumstrittener Abwehrchef in der Meistersaison, zeigte plötzlich Unsicherheiten und fand sich ab dem 8. Spieltag auf der Bank wieder. Doch auch mit Ricardo Costa, und Alexander Madlung blieb Wolfsburgs Innenverteidigung anfällig - zuletzt gegen Mainz.

Mentale Probleme beim Meister?

Da sich das Defensivpersonal bis auf den Abgang des "Bankdrückers" Cristian Zaccardo nicht geändert hat, liegt die Vermutung nahe, dass der Kopf eine Rolle spielen könnte. Armin Veh verweist auf die gestiegene Erwartungshaltung: "Alles weniger als der Titel ist schon schlecht. Der neue Trainer hat es gleich drei Mal so schwer. Weil er ja im Prinzip nichts kann, vorher war doch alles viel besser."

Dabei sprechen die nackten Zahlen sogar für den neuen Trainer. Zieht man die Auswärtsbilanz nämlich hinzu, fällt der Vergleich mit der Vorsaison positiv aus. Weil der VfL in der vergangenen Vorrunde in fremden Stadien nur wenig zu bestellen hatte, steht Veh zunächst besser da als dessen Vorgänger Magath.

Besiktas-Fans feiern "Wölfe"

Nach elf Spieltagen hatten die Niedersachsen zwei Zähler weniger geholt und standen in der Tabelle zwei Plätze tiefer. Es ist also nichts verloren für den Meister - zumal der Champions-League-Auftritt am Dienstag die Hoffnung auf eine Wiederkehr der alten Stärke schürt.

Beim 3:0-Auswärtssieg gegen Besiktas Istanbul wurde die Mannschaft von Armin Veh selbst von den türkischen Fans lautstark gefeiert. In der Bundesliga würde es den "Wölfen" fürs erste genügen, die heimischen Fans in der Volkswagen Arena wieder zum Jubeln zu bringen.

Johannes Fischer