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Die deutlichste Parallele ist momentan diese nahezu kindliche Freude beim Spiel mit dem Ball. Robben lacht viel, seitdem er beim FC Bayern München die rechte Offensivseite entlang rast und in den gegnerischen Abwehrreihen für Alarmstufe Orange sorgt.

Der Niederländer feierte auch seine drei Tore beim 7:0-Schützenfest gegen Hannover wieder ausgelassen, stieg sogar übermütig über zwei Werbebanden, um sein Trikot zu verschenken. So fröhlich hat man Robben in seiner Karriere lange nicht mehr gesehen, schon gar nicht beim FC Chelsea oder bei Real Madrid. Er erinnert tatsächlich an den momentan weltgrößten Spaßfußballer, Lionel Messi.

"Messi ist noch viel stärker"

"Messi ist der beste Spieler der Welt. Er ist noch viel stärker als ich", wehrt Robben Vergleiche mit dem Weltfußballer zwar ab. Aber Parallelen zwischen beiden bestehen eben nicht nur in der Freude am Spiel. Sowohl Messi als auch Robben heben ihre Mannschaften durch ihre individuelle Klasse auf ein höheres Level.

Arjen Robben hat in den letzten 16 Pflichtspielen für den FC Bayern 15 Tore erzielt. Mit ihm haben die Münchner 15 von 21 Bundesligaspielen (71,4 Prozent) gewonnen, ohne ihn gab es nur drei Siege aus zehn Partien (30 Prozent). Steht Robben auf dem Platz, erzielen die Bayern durchschnittlich 2,5 Tore pro Spiel, spielt er nicht sind es nur 1,2. Zudem macht der Niederländer die entscheidenden Tore. So wie im DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke, so wie in Florenz, so wie in Manchester.

"Arjen Robben ist unglaublich. Was er leistet in dieser Saison - sehr attraktiv. Ein Tor schöner als das andere", lobt Trainer Louis van Gaal seinen Landsmann. "Er ist ein Weltklassespieler, technisch sehr beschlagen und sehr, sehr schnell", ergänzt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und Philipp Lahm fügt hinzu: "Vor allem sein Eins-gegen-Eins und sein Torabschluss sind enorm stark."

Müller und Olic als kongeniale Partner

Die Jubelarien auf Robben nehmen kein Ende, doch das ist dem Tempodribbler noch lange nicht genug. "Es kann sein, dass ich in der Form meines Lebens bin. Aber das reicht mir nicht, ich will mehr, ich will Titel", kündigte er kürzlich in der "Bild am Sonntag" an.

Und für solche Erfolge braucht er eine starke Mannschaft um sich herum, das weiß auch Robben. Selbst ein Lionel Messi hat die Welt mit dem FC Barcelona nicht alleine erobert. Was bei den Katalanen Andres Iniesta, Xavi oder Thierry Henry sind, sind beim FC Bayern in dieser Saison Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Ivica Olic.

"Er profitiert auch von seinen Mitspielern", merkt Schweinsteiger zu Robben an. Untermauert wurde diese Aussage am Samstag gegen Hannover, als auch Müller und Olic in der 96-Abwehr für viel Unruhe sorgten und sogar als Doppeltorschützen glänzten. "Wir haben uns in einen kleinen Rausch reingespielt", stellte Müller fest und freute sich: "Es war klasse zu sehen, dass die Rädchen ineinandergreifen."

"Es ist wahnsinnig viel passiert"

Dass er in der Bayern-Maschine des Louis van Gaal ein entscheidendes Rädchen sein würde, war vor der Saison nicht abzusehen. Inzwischen ist Müller der einzige Offensivspieler der Bayern, der in allen 31 Bundesligaspielen zum Einsatz kam, davon 26 Mal in der Startelf. Mit 16 Pflichtspieltoren ist er zweitbester Torjäger der Münchner und mit zehn Assists in der Bundesliga auch deren bester Vorbereiter.

Der Traum von einer WM-Teilnahme ist nicht abwegig. "Es ist wahnsinnig viel passiert, aber wir haben jeden Tag so viel um die Ohren, kannst du gar nicht groß zurückblicken", kommentiert Müller seinen kometenhaften Aufstieg.

Olic so stark wie Gomez

Die WM ist für Ivica Olic kein Thema, Kroatien hat die Qualifikation verpasst. Die Saison bei den Bayern dürfte den unermüdlichen Arbeiter (van Gaal: "Ivica Olic ist immer scharf") aber entschädigen. Mit 14 Pflichtspieltoren hat er schon genau so viele Treffer auf dem Konto wie Mario Gomez.

Die Gala gegen Hannover versetzte auch den Publikumsliebling in Begeisterung: "Sehr viele Tore, sehr viele Chancen und auch sehr viel Spaß für die Fans - wir sind bereit für Mittwoch", sagte er im Hinblick auf das Hinspiel im Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon.

Dann kommt es aufs Neue auf den dreifachen bayerischen Wirbelwind an. Ein Sieg gegen Frankreichs Spitzenteam und Arjen Robben könnte schon bald den direkten Vergleich mit Lionel Messi aufnehmen - im Finale der Champions League.


Vom FC Bayern berichtet Matthias Becker