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Dortmund - Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund spielt die erfolgreichste Saison seiner Karriere und krönt sich am letzten Spieltag noch zum Torschützenkönig. 31 Treffer in einer Saison – das gelang beim BVB zuvor vor 51 Jahren bisher nur einer schwarz-gelben Legende. Ein guter Grund für den Gabuner, schon auf dem Platz ausgelassen zu feiern und sogar ein paar Tränchen zu verdrücken.

>>> Pierre-Emerick Aubameyang ist Spieler des 34. Spieltags

Michael Zorc konnte es sich nicht verkneifen, seinen Top-Stürmer nochmal auf den Arm zu nehmen. Als Pierre-Emerick Aubameyang nach dem Abpfiff gerade voller Stolz mit der Torjägerkanone im Arm zu seinem Interview-Marathon ansetzte, guckte der Sportdirektor des BVB kurz um die Ecke. "Schade Auba, Lewy hat am Ende doch noch zwei Tore gemacht", raunte er ihm zu – und grinste mit Aubameyang um die Wette.

"Lewy ist der beste Angreifer der Welt"

Natürlich wusste der pfeilschnelle Gabuner zu diesem Zeitpunkt längst, dass Robert Lewandowski am letzten Spieltag nicht mehr getroffen hatte. Und dass er selbst sich mit seinem Doppelpack beim spektakulären 4:3-Sieg der Borussia gegen den SV Werder Bremen doch noch zur Nummer eins der Bundesliga-Torjäger gekrönt hatte (>>> zur Torschützenliste der Bundesliga). Den Münchner im letzten Moment mit einer Bilanz von 31 zu 30 Treffern noch abgefangen zu haben, machte Aubameyang unheimlich stolz: "Lewy ist für mich der beste Angreifer der Welt. Ihn zu schlagen ist Wahnsinn. Ich weiß, dass er das ganze Jahr über Woche für Woche seine Tore schießt. Für ihn tut es mir leid, aber für mich ist es ein großartiges Gefühl."

In der vergangenen Saison hatte Lewandowski im Duell der besten Ballermänner der Liga mit ebenfalls 30 Treffern noch die Nase vorn; Aubameyang landete damals mit 25 Toren auf Rang zwei. In dieser Spielzeit lieferten sich beide von Beginn an wieder ein Duell auf ganz hohem Niveau. Gleich am ersten Spieltag legte Lewandowski einen Hattrick vor, Aubameyng antwortete per Doppelpack und startet zugleich einen kleinen Twitter-Fight: "Das Rennen ist eröffnet!"

Star ohne Starallüren

Dass Dortmunds Nummer 17 diesen Zweikampf 33 Spieltage später noch für sich entscheiden konnte, hat auch mit der besonderen Beziehung zwischen Aubameyang und Marco Reus zu tun. Gegen Bremen bekam der BVB zwei Strafstöße zugesprochen – für den Gabuner theoretisch zweimal die Chance, sein Torkonto aufzustocken. Dummerweise hatte er aber gerade vom Elfmeterpunkt aus zuletzt dreimal geschwächelt, so dass Trainer Thomas Tuchel nun Reus zum Schützen bestimmt hatte.

Eine Entscheidung, die Pierre-Emerick Aubameyang klaglos akzeptierte – und damit einmal mehr klar machte, warum er nicht nur bei den Fans, sondern auch den Mitspielern so beliebt und anerkannt ist. Denn Starallüren kennt der Stürmer, der in seiner Freizeit gerne mal schnell für einen Kurztrip oder Friseurbesuch nach Mailand jettet, auf dem Platz keine: "Ich bin kein Egoist. Ich habe zwar darüber nachgedacht, zu schießen. Aber ich habe an die Mannschaft gedacht. Und Marco ist der Spezialist für Strafstöße, darum habe ich ihm den Vortritt gelassen." 

>>> Aubameyang krönt sich noch zum Torschützenkönig

Ein großer, emotionaler Moment

Die Revanche folgte eine Minute vor Spielende, als Reus bei Strafstoß Nummer zwei entgegen aller Absprachen seinem Kumpel Auba den Ball in die Hand drückte. "Marco hat zu mir gesagt, ich soll ihn reinschießen", erzählte der hinterher. "Er ist ein großartiger Typ mit einem großen Herzen." Natürlich habe er in diesem Moment auch an die Torjägerkanone gedacht, wollte der 27-Jährige später gar nicht verhehlen: "Ich war mir sicher, dass ich sie gewinne, wenn ich dieses Tor mache. Ich wollte diese Trophäe unbedingt."

Entsprechend war es für Aubameyang ein großer, ein emotionaler Moment, als nicht nur Dortmunds dritter Platz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League, sondern auch sein persönlicher Triumph perfekt war. Als es Stadionsprecher Nobby Dickel nach dem Abpfiff öffentlich verkündete, war "Auba" gerade mit der Mannschaft auf Jubeltour vor der Nordtribüne –und legte quer über den Platz einen Spurt zur Südtribüne hin, um mit den Fans und einer La Ola gebührend zu feiern.

Mit glasigen Augen ein paar Tränen verdrückt

Das breite Grinsen bekam Pierre-Emerick Aubameyang danach gar nicht mehr aus dem Gesicht. Er feixte sich durch die Katakomben, hielt die Kult-Kanone inniglich im Arm und lachte mit den Mitspielern ausgelassen um die Wette. Bis auf jene fast stillen Szenen, als auch der extrovertierte Stürmer mit dem Faible für schnelle Autos und ausgefallene Mode mit glasigen Augen und glücklichem Gesicht ein paar Tränchen verdrückte.

Auch Aubameyang weiß um die Wertigkeit seiner Leistung.  31 Tore – das war in der langen Vereinshistorie des BVB zuvor erst einem Spieler geglückt. Der legendäre Lothar Emmerich, der sich in seiner Karriere zweimal die Torjägerkanone geholt hatte, hatte 1965/66 ebenfalls 31 Mal getroffen.

Die Kanone gehört der ganzen Mannschaft

Nach 51 Jahren hat er mit "Pierre-Emmerich" nun einen mehr als würdigen Nachfolger gefunden, dem es bei allem Selbstbewusstsein auch an einer gewissen Demut nicht fehlt. „"Mir bedeutet der Gewinn der Torjäger-Kanone wirklich sehr viel", unterstrich Aubameyang. "Aber sie gehört auch der Mannschaft, die diese vielen Tore erst möglich gemacht hat."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

>>> 34. Spieltag im Fokus: Darüber spricht die Bundesliga