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Köln - Noch befinden sich die 18 Clubs intensiv in der Vorbereitung, es geht jedoch in die heiße Phase - der Bundesliga-Start steht vor der Tür! Am 14. August beginnt die 53. Bundesliga-Saison, mit zahlreichen Neuzugängen, welche die 18 Clubs entscheidend verbessern sollen.

Einige Transfers, die den Kader verstärken sollen, haben die Vereine bereits vollzogen. bundesliga.de stellt die entscheidenden Transfers vor und analysiert, wie sie ihren neuen Club besser machen können. Heute: Arturo Vidal vom FC Bayern München.

Das fehlende Puzzleteil

Im Schatten des schlagzeilenträchtigen Abschieds von Bastian Schweinsteiger zu Manchester United hat Sportdirektor Michael Reschke den Königstransfer der Münchner eingefädelt. Erneut war es Reschke, der den 28-Jährigen von einem Wechsel in die Bundesliga überzeugen konnte. Wie schon im Jahr 2007, als er Vidal aus seiner Heimat Chile zu Bayer 04 Leverkusen lotste. Damals wie heute hat er namhafter Konkurrenz ein Schnippchen geschlagen (zum Transferreport).

Doch was macht den frischgebackenen Gewinner der Copa America überhaupt so begehrt? Wie kann er das oft an der Perfektion kratzende Spiel unter Coach Pep Guardiola überhaupt bereichern? Die Antwort ist tatsächlich relativ simpel. Denn trotz der extrem hohen Qualität im Münchner Mittelfeld bringt Vidal ein Alleinstellungsmerkmal mit. Er ist ein klassischer Box-to-Player und damit im Kader der Münchner einzigartig.

So verstärkt Vidal die Bayern

Vidal gilt als einer der besten Mittelfeldspieler der Welt und befindet sich auf dem Zenit seines Schaffens. In der vergangenen Saison feierte er mit Juve das italienische Double und scheiterte auch in der Champions League erst im Finale am übermächtigen FC Barcelona. Zudem schaffte er mit Turin eben das, was die Bayern in dieser Saison auch erreichen wollen: vier Meisterschaften in Serie.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie wichtig er für das Spiel der Alten Dame war. In vier Jahren erzielte er wettbewerbsübergreifend in 171 Spielen 48 Treffer und bereitete 26 weitere vor. Schon in seiner letzten Saison bei Bayer Leverkusen war er nach Arjen Robben und Thomas Müller der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga (zehn Tore). Für einen gelernten Defensiven außergewöhnliche Werte.

"Er wird uns gut tun"

Doch die Bedeutung, die er für das Juve-Spiel hatte – und für das Bayern-Spiel in Zukunft haben wird, geht weit über schnöde Statistiken hinaus. Wucht, Dynamik, Aggressivität und schier grenzenlose Leidenschaft paaren sich mit Technik, Torgefahr, Übersicht und exzellentem Passspiel. Es sind genau diese Attribute, die dem Bayern-Spiel zuletzt häufiger abgegangen sind. Vor allem in den großen Duellen. Doch nicht nur deshalb ist sich Sportvorstand Matthias Sammer sicher: "Er verkörpert in der Art und Weise, wie er Fußball spielt, einen Siegertypen", sagte er auf der Pressekonferenz, wo Vidal offiziell vorgestellt wurde.

Vidal ist nicht nur ein kompletter Spieler, er ist zudem polyvalent. Eine Tatsache, die vor allem den in Mittelfeldspieler vernarrten Guardiola freuen dürfte. Ob als alleiniger Sechser, in einer Doppelsechs oder als Achter. Sogar die Position des Außenverteidigers kann er ohne Probleme ausfüllen. "Arturo beschränkt sich nicht auf die Defensive; er gibt auch Impulse nach vorne, so einen Spieler gibt es nicht oft", weiß auch Jupp Heynckes, der sowohl den Chilenen als auch die Bayern bereits trainiert hat.

Taktikfuchs Guardiola

Mit Vidal, Xabi Alonso, Philipp Lahm, Thiago Alcantara, David Alaba, Mario Götze, Thomas Müller, Sebastian Rode sowie den hoffnungsvollen Talenten Joshua Kimmich, Pierre-Emile Höjbjerg und Gianluca Gaudino gehört das FCB-Mittelfeld zu den besten der Welt. Und Taktikfuchs Guardiola weiß diese Spieler einzusetzen.

Während der Spanier in seiner ersten Saison meist auf ein eher klassisches 4-3-3-System setzte, kam in der abgelaufenen Runde eine Mischform aus dem 4-3-3 und einem 3-4-3 zum Einsatz. Die nominellen Außenverteidiger schieben bei eigenem Ballbesitz mit nach vorne und schaffen so eine Überzahl. Um aber nicht komplett die defensive Stabilität zu verlieren, kippt der alleinige Sechser zwischen die beiden ebenfalls weit aufgerückten Innenverteidiger ab.

Metronom des Gegenpressings

Zwar könnte Vidal auch diese Position problemlos bekleiden, doch Guardiola setzt hier wohl eher auf “Passmonster“ Alonso. Für den Chilenen ist die Halbposition auf der Acht vorgesehen. Hier könnte er an der Seite des Spielgestalters Thiago als erster Abfangjäger und Metronom des Gegenpressings seine komplette Dynamik ausspielen. Mit seinem Tempo ist er zudem in der Lage, schnellstmöglich in der Zentrale und auf den Außenbahnen Löcher zuzulaufen.

Triple-Coach Heynckes prophezeit bereits, dass Vidal im Münchner Mittelfeld "für die fehlende Balance sorgen“ werde. Für eben die Balance, die für Guardiolas Personalpuzzle und den maximalen Erfolg unabdingbar ist. Es sieht so aus, als hätte der FC Bayern das fehlende Puzzleteil endlich gefunden.

Von Thomas Ziemann

Übersicht: Darum machen die Top-Transfers ihre Clubs besser