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Hannover - So schlecht war der FC Bayern München 43 Jahre lang nicht in eine Bundesliga-Spielzeit gestartet: Nach dem 1:2 beim 1. FSV Mainz 05 am dritten Spieltag der Saison 2009/10 fand sich der Rekordmeister auf Rang 14 der Tabelle wieder. Und wie es der Spielplan wollte, war als kommender Gegner VfL Wolfsburg zu Gast in der bayrischen Landeshauptstadt - der amtierende Meister, der die Bayern gut vier Monate zuvor auf dem Weg zum Titel mit einer 1:5-Klatsche entzaubert hatte.

Grund genug für die Sportliche Leitung vier Tage vor Ende der Transferperiode noch einmal aktiv zu werden. Von Real Madrid wurde Arjen Robben an die Isar geholt. 24 Stunden nachdem er seinen Vertrag unterzeichnet hatte, wurde der Holländer zur Pause eingewechselt und traf gleich zwei Mal beim 3:0-Triumph über den Titelverteidiger.

Geburt eines Traum-Duos

Beide Treffer legte ein gewisser Franck Ribéry auf. Gleich im ersten Spiel des Holländers zeigte sich, welch ein Glücksgriff den Münchnern gelungen war. Der Franzose und der Holländer hatten sich gesucht und gefunden. Sie entwickelten sich zum besten Flügelgespann der Welt - in einem Wort: Robbery! 

Bei den Bayern erhielt Robben das Trikot mit der Nummer zehn, das bis 2007 sein Landsmann Roy Makaay getragen hatte und seitdem nicht mehr vergeben worden war." Bayern ist die beste Wahl für mich, weil ich spielen will und zeigen will, was für ein Fußballer ich bin", hatte Robben seinen Wechsel von den "Königlichen" zum Rekordmeister begründet.

Und das stellt der Vize-Weltmeister von 2010 und WM-Dritte von 2014 seither Woche für Woche unter Beweis. In seiner ersten Spielzeit trug Robben 16 Treffer zur Aufholjagd bei und feierte am Ende mit den Münchnern das Double. Eine Leistung, der auch die Gegner Respekt zollten. Die Bundesliga-Profis wählten den Holländer zum "Spieler der Saison".

Titelhamster hat noch nicht genug

Nach zwei weiteren Meisterschaften und Pokalsiegen 2012/13 und 2013/14 sowie der Krönung seiner Karriere mit dem entscheidenden Treffer zum 2:1-Endstand gegen Borussia Dortmund im Finale der Champions League 2013 scheint Robben noch lange nicht satt.

Dem am 23. Januar 31 Jahre alt gewordenen Außenstürmer merkt man die Belastung von 13 Jahren als Profi nicht an. Unnachahmlich, wie er auf der rechten Seite seine Sprints anzieht, nach innen drängt und den Torabschluss sucht. Jeder Gegner weiß, was kommt, wenn Robben zum Sprint ansetzt, doch zu hindern ist er dank seiner Schnelligkeit nur schwer. Vor seinem 5:1 bei der WM über Titelverteidiger Spanien zog er einen Sprint mit 37 Stundenkilometern an. Nie zuvor hatte die FIFA so einen Wert gemessen.

Robben gewinnt vier von fünf Spielen

Trotz der WM-Belastung sind sich alle Experten einig: Die Bundesliga sieht in der aktuellen Saison den besten Robben aller Zeiten. Mit 17 Treffern nach 24 Spieltagen führt Bayerns Top-Torschütze die Torjägerliste an. So viel Treffer hat er zuvor in  keiner Spielzeit seiner Karriere erzielt.

In Hannover bestritt der Linksfuß das 126. Spiel für den FC Bayern in der Bundesliga und feierte seinen 100. Sieg (der Robben-Rekord in Bildern). So schnell erreichte kein anderer Akteur der Bundesliga-Historie die 100er-Marke. Ein Rekord für die Ewigkeit. Seine Vorgänger Willy Sagnol und Thomas Müller benötigten - ebenfalls im Dress des FC Bayern - 148 Spiele für ihren 100. Erfolg. 

In den 126 Bundesliga-Partien für den FC Bayern erzielte Robben 73 Tore. Eines mehr als die 72 Gegentore, die der FC Bayern in diesen Partien kassierte. Auch das ist einmalig in der Bundesliga-Historie. 

Nach dem Rekord ist vor dem Rekord

Und die Jagd nach Rekorden kann schon am übernächsten Spieltag seine Fortsetzung finden. Trifft Robben am 26. Spieltag im nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, wäre das sein 50. Treffer in der Allianz Arena. Aktuell teilt er sich den Tor-Rekord in der Arena mit Mario Gomez. Beide ließen die Fans 49 Mal jubeln. 

Trotz der Jagd von Rekord zu Rekord bleibt Robben bescheiden. "Wir haben oft genug gesagt, dass wir nicht für Rekorde spielen, sondern für Titel. Wir haben eine super Truppe mit tollem Charakter und ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein", stellt sich der Ausnahmefußballer ganz in den Dienst des Teams. Seinen Anteil an der Erfolgsgeschichte des FC Bayern seit der Verpflichtung im August 2009 lässt Robben andere beurteilen. 

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs