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Jürgen Klinsmann muss sich vorgekommen sein wie ein leibhaftiger Messias. Nach der gelungenen Rückkehr von Bayern München in die Champions League prasselte von allen Seiten das Lob auf den Trainer herab, als habe der deutsche Rekordmeister bereits das Endspiel der "Königsklasse" gewonnen.

Verantwortliche und Spieler knieten sich beinahe nieder vor Klinsmann - allen voran der "Kaiser". "Wir haben Glück, dass er sein goldenes Amerika verlassen hat und nun den FC Bayern bereichert. Was er bisher verändert hat, das kann sich sehen lassen", schwärmte Franz Beckenbauer.

Glücklich, aber verdient

Das 1:0 (1:0) gegen Steaua Bukarest fühlte sich für die Bayern nach der demütigenden Strafrunde im UEFA-Pokal an wie eine Wiedergeburt. Manager Uli Hoeneß erklärte nach dem verdienten, wenn auch durchaus glücklichen Erfolg und dem Unentschieden zwischen den weiteren Gruppengegnern Olympique Lyon und AC Florenz (2:2): "Es ist ein Traum für uns, besser kann die Champions League nicht beginnen."

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ergänzte staatsmännisch beim Bankett nach Mitternacht: "Wir wollen die Spitze in Europa wieder angreifen, und der erste Schritt ist getan. Wir sind optimistisch."

Schwärmerei und Dankbarkeit

Klinsmann wurde dabei gelobt wie ein Wunderheiler, der einen Sterbenskranken durch Handauflegen doch noch zu neuem Leben erweckt hat. "Jürgen passt zum FC Bayern. Seine ganze Umstrukturierung, da wären wir nie drauf gekommen", sagte Präsident Beckenbauer.

Und die Spieler schienen sich ebenfalls in Dankbarkeit und Schwärmerei überbieten zu wollen. "Er hat eine positive Ausstrahlung, das tut uns gut, das gibt uns Kraft", sagte Daniel van Buyten, der in der 15. Minute nach einem Freistoß des starken Bastian Schweinsteiger den einzigen Treffer an einem verregneten Abend erzielte.

Positive Aura färbt auf die Spieler ab

Auch Michael Rensing wirkte wie beseelt von Klinsmann. "Der Trainer hat eine positive Aura, so, wie er die Dinge rüberbringt, färbt das auf die Spieler ab", sagte der Torhüter, der auch noch eine weitere, angenehme Erfahrung machen durfte: Der neue Trainer hat viele Veränderungen vorgenommen, der legendäre "Dusel" des FC Bayern aber ist geblieben.

Denn bei aller Begeisterung: Zahlreiche Klöpse im Abwehrverhalten, denen unter anderem zwei Pfostentreffer des rumänischen Vizemeisters entsprangen, wären fast fatal gewesen. "Am seidenen Faden", habe der Sieg gehangen, gab Klinsmann zu.

Toni findet in Zapata seinen Meister

Was der Münchner Trainer damit wohl sagen wollte: Ein etwas kaltschnäuzigerer Gegner als der rumänische Rekordmeister hätte die Bayern für ihre Abwehrfehler in der zweiten Halbzeit büßen lassen. Und auch dafür, dass sie mit den eigenen Torchancen arg fahrlässig umgingen.

Etwa Torjäger Luca Toni, der zwei Hochkaräter ausließ und bei seinem Debütantenball in der Champions League wirkte, als habe er keine Tanzpartnerin abbekommen. Außerdem stand in dem Kolumbianer Robinson Zapata auch noch ein Torhüter für Bukarest auf dem Platz, der sich an diesem Abend das Prädikat "weltklasse" verdiente.

Gute Kombinationen

Die Defizite hatte Klinsmann erkannt, naturgemäß stellte er allerdings die durchaus positiven Aspekte in den Vordergrund. In der Tat kombinierten sich die Bayern zu vielen guten Chancen, und nicht zu Unrecht bezeichnete es der Trainer als "beeindruckend", wie die Mannschaft das Spiel phasenweise kontrollierte.

"Mit breiter Brust", könne sie in die Begegnung gehen, hatte ihr Klinsmann vorher gesagt. Hinterher lobte er, dass die Spieler nach zweieinhalb Monaten Arbeit im Training nun die "Stärke und Fitness" hätten, um in der Champions League mit "einer positiven Körpersprache aufzutreten".

Einen Moment lang genießen

Der Auftaktsieg sei "wichtig für den Kopf" der Spieler, erklärte Klinsmann. Er selbst, bekannte er nach seinem geglückten Einstand als Trainer in der Champions League, werde diesen Erfolg, der "eine gute Basis" für den weiteren Fortgang in der Gruppe F sei, "einen Moment lang genießen".

Aber nur einen Moment. Am Samstag ist Werder Bremen in München zu Gast, und da hat Klinsmann ein Problem zu lösen, wenn auch ein Luxusproblem: Das 3-5-2-System funktioniert zurzeit gut, doch wo findet darin künftig Franck Ribery Platz. Und vor allem: Wer nicht mehr?