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Frankfurt - Zum vierten Mal in der Geschichte der Bundesliga hat ein Spieler von Eintracht Frankfurt die Torjägerkanone gewonnen. Alexander Meier folgt Jörn Andersen (1989) und der Legende Anthony Yeboah (1993 und 1994) mehr als zwei Jahrzehnte später. Während der Norweger Andersen und der Ghanaer Yeboah damals noch in deutschen Spitzenmannschaften spielten, ist Meier Teil einer Durchschnittstruppe. Auch deshalb hat er eine  außergewöhnliche Leistung vollbracht.

Neunzehn Tore hat der 32 Jahre alte Angreifer erzielt in nur 26 Spielen. Sein letztes Spiel hat er am 25.Spieltag bestritten.  Danach musste er am Knie operiert werden, war zur Tatenlosigkeit verurteilt und hat die Kanone im Grunde im Krankenbett und in der Reha gewonnen. Alex Meier ist einer der ganz großen Sieger dieser Saison. "Das ist mein erster Titel", sagte er ergriffen, "deshalb ist es etwas ganz Besonderes."

"Eintracht Frankfurt ist stolz auf Alex Meier"

Die Fans in Frankfurt hatten Meier eine tolle Feier beschert.  Bestimmt 45 000 der 51 500 Zuschauer hatten in der Frankfurter Arena noch lange nach dem Abpfiff ausgeharrt. Die Mannschaft wurde für den saisonabschließenden 2:1-Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen gefeiert, auf dem Videowürfel liefen die letzten Augenblicke des Abstiegskampfes. Und die Zuschauer blieben. Sie warteten auf ihren Helden, auf Alexander Meier. Sie haben ihn voller Inbrunst besungen. "Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft wie er will, sogar mit dem Zopf." Der Vierzeiler hat das Zeug zum Kult.

Nach der Übergabe der Kanone flossen auch noch ein paar Tränen. Nicht bei Meier selbst. "Das hatte ich im Griff", sagte er ganz cool. Aber bei Heribert Bruchhagen, seinem größten Förderer im Klub. Der Vorstandsvorsitzende hatte Meier vor mehr als zehn Jahren nach Frankfurt geholt und gerade auch in schwierigen Zeiten, wie zuletzt nach dem Abstieg 2011, zu ihm gestanden.  "Für solche Spieler lohnt sich die tägliche Arbeit", hat Bruchhagen mal gesagt. Jetzt rief er mit belegter Stimme ins Mikrofon: "Eintracht Frankfurt ist stolz auf Alex Meier." Der Lärmpegel stieg auf selbst für Frankfurter Verhältnisse außergewöhnliche Höhen. Da wollten die Mitspieler nicht zurückstehen. Alle Spieler trugen ein Plakat mit der Aufschrift "What, if god was one of us? / AMFG" (Was wenn Gott einer von uns wäre?/ Alex Meier Fußball-Gott). Eine Hommage an ihren erfolgreichen Kollegen, ein Dank an den besten Torschützen, eine Anspielung auf Meiers Ehrennamen, den ihm die Fans vor zwei Jahren verliehen haben: "Fußball-Gott".

Meier setzt sich gegen Lewandowski, Robben und Co. durch

Als er die Kanone dann in der Hand hielt, wollte er sie gar nicht mehr hergeben. Bis zuletzt hatte Meier nicht daran geglaubt, noch nicht einmal in der zweiten Halbzeit. Immer wieder hatte er in den letzten Wochen betont, "dass einer der Bayern die Kanonen holen wird." Als Robert Lewandowski die Bayern gegen Mainz in Führung gebracht und auf zwei Tore an Meier herangerückt war, wurde er doch ein wenig nervös. "Naja, Lewandowski ist einer, der durchaus auch in der zweiten Halbzeit noch zwei Tore schießen kann", sagte Meier. Doch der Pole traf nicht mehr, in Frankfurt war alles bereit für die Krönung des Torschützenkönigs.

"Es war umso schöner, dass es geklappt hat", sagte er und bedankte sich brav bei den Zuschauern, bei den Kollegen und bei Bruchhagen. "Ich muss Danke sagen an alle Fans, es macht mich einfach stolz, was da passiert ist", sagte eine ergriffener Meier, "es war ein besonderer Moment, ich hatte Gänsehaut." Das Plakat der Kollegen sei eine "tolle Geste" gewesen und seinen Chef Heribert Bruchhagen werde er nochmal extra umarmen. "Ihm habe ich viel zu verdanken", sagte Meier. 

Am Abend hat Meier mit den Mitspielern in einer Frankfurter Diskothek gefeiert, mit viel Erleichterung und viel Spaß. Den Vorschlag aus der Mannschaft, der Torschützenkönig müsste die Kosten des Abends übernehmen, konterte Meier trocken: "Die müssen mir den Abend bezahlen." Am Montag ist es vorbei mit dem Spaß. Dann wird er nach Basel zurückkehren und in der Rennbahn-Klinik die Reha wieder aufnehmen. "Urlaub fällt dieses Jahr aus", sagt er. "Ich will so schnell wie möglich zurück auf den Platz." Das wird freilich dauern. Bis zu sechs Monaten Pause muss bei einer so schweren Verletzung (Operation an der Patellasehne) gerechnet werden. Meier schreckt das nicht. "Ich weiß, dass ich wieder spielen werde", gibt er sich optimistisch. Ob er nochmal in seiner Karriere neunzehn Tore erzielen kann? "Die Latte liegt hoch, aber dafür habe ich ja in dieser Saison auch schon früher aufgehört", scherzt er.

Aus Frankfurt berichtet Josef Schmitt