Köln - Am Samstag empfängt Hertha BSC im Spitzenspiel des 21. Spieltags den FC Bayern München. Werden die Berliner, die acht ihrer neun Heimspiele gewinnen konnten, zum Prüfstein für den Rekordmeister? Hertha-Stürmer Alexander Esswein ist einer, der weiß, wie die Münchener zu schlagen sind. Mit seinem Ex-Verein FC Augsburg gelang ihn das sogar zweimal. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 26-Jährige über das Topspiel und die Chancen der Berliner.bundesliga.de: Alexander Esswein, am Samstag gastiert der FC Bayern München in Berlin. Spüren Sie in der Stadt und in der Mannschaft eine große Vorfreude auf das Spiel?

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Alexander Esswein: Auf jeden Fall. Wir sind heiß darauf, vor ausverkauftem Haus gegen Bayern München zu spielen. Wir wollen den Bayern einen großen Fight liefern und werden versuchen, einen oder drei Punkte zu holen. Aber das wird eine harte Aufgabe, für die wir eine couragierte Leistung bringen müssen.

bundesliga.de: Die letzten elf Duelle mit den Bayern hat Hertha alle verloren. Ihre persönliche Bilanz sieht da deutlich besser aus. Sie haben mit dem FC Augsburg zweimal gegen die Münchener gewonnen. Sind Sie der Bayern-Experte im Team?

Esswein: (lacht) Stimmt. Ich hatte zweimal das Glück, gegen die Bayern zu gewinnen - einmal in München und einmal zuhause in Augsburg. Man will gegen die beste Mannschaft Deutschlands immer etwas holen. Dafür muss dann alles zusammenpassen. Man muss selbst einen Sahnetag erwischen, und den Bayern darf nicht so viel gelingen. Man darf nicht viel zulassen. Aber wir wissen auch, dass es fast unmöglich ist, die Münchener 90 Minuten auszuschalten. Deshalb braucht man sicher auch eine Portion Glück.

bundesliga.de: Gehören die Siege gegen den FC Bayern zu den Highlights in Ihrer Karriere?

Esswein: Natürlich, zumal sie auch in die erfolgreiche Zeit der Bayern unter Pep Guardiola gefallen sind. Das waren Highlights, gerade der Sieg in München hat richtig Spaß gemacht, weil auch niemand auf uns gesetzt hatte.

bundesliga.de: Hertha hat in dieser Saison acht von neun Heimspielen gewonnen und im Olympiastadion nur vier Gegentore kassiert. Glauben Sie, dass die Bayern vor dieser Bilanz Respekt haben?

Esswein: Das denke ich schon. In der letzten Woche haben sie sich auch in Ingolstadt sehr schwer getan und erst nach der 90. Minute die Tore gemacht. Wir müssen ihnen das Leben schwer und die Räume eng machen und ihnen den Spaß am Fußballspielen nehmen.

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bundesliga.de: Hertha hat eine starke Heimbilanz, auf der anderen Seite aber auch noch keine Gegner aus den Top 5 empfangen. Die schweren Brocken kommen alle noch in der Rückrunde nach Berlin.

Esswein: Ja, aber wir sind auch zuhause sehr stark. Wir sollten uns von keinem Gegner abschrecken lassen und werden versuchen, die Serie auszubauen.

bundesliga.de: Sie sind im vergangenen Sommer nach Berlin gekommen, waren erst Stammspieler und kommen jetzt meistens von der Bank. Haben Sie von Trainer Pal Dardai ein Feedback bekommen, warum es momentan nicht so oft für die erste Elf reicht?

Esswein: Man möchte immer Stammspieler sein. Das ist auch mein Ziel. Ich werde weiter in jedem Training Gas geben, um es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen. Aber ich spiele in Berlin in einer sehr guten Mannschaft. Wir haben eine sehr gute Hinrunde absolviert, mit der ich auch persönlich zufrieden bin, auch wenn es immer noch etwas besser geht. Der Trainer spricht auch mit mir und erklärt mir, warum ich mal nicht spiele. Manchmal liegt es am Gegner, zu dem ein anderer Spieler aus seiner Sicht besser passt. Er gibt mir auch Tipps, was ich noch besser machen kann und sagt, dass ich mir mehr zutrauen soll. Wir sind in einem regen Austausch.

Video: Bayern vs. Hertha: Das ewige Duell

bundesliga.de: Der aktuelle Trend der letzten Resultate ist nicht mehr so gut wie der Saisonstart. Von den letzten sieben Bundesliga-Spielen gingen fünf verloren. Was hat zuletzt gefehlt, um erfolgreicher zu sein?

Esswein: Keiner hatte eine so gute Hinrunde mit 30 Punkten von uns erwartet. In jeder Saison gibt es Phasen, die etwas schwieriger sind. Wir müssen jetzt versuchen, den Trend in die andere Richtung umzukehren. Vielleicht fehlen manchmal nur ein paar Meter, um in der Defensive wieder noch kompakter zu stehen. Und wir müssen wieder effektiver werden. Wir hatten allerdings auch schwere Auswärtsspiele und hätten beispielsweise bei Bayer Leverkusen auch etwas mitnehmen können. Nichtsdestotrotz ist es egal, gegen welchen Gegner wir spielen. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass wir jede Mannschaft schlagen können. Vielleicht kommt das Bayern-Spiel jetzt gerade zur rechten Zeit.

bundesliga.de: Vor Ihrer Zeit hat Hertha in der jüngeren Vergangenheit schon öfter in der Rückrunde deutlich weniger Punkte geholt als in der Vorrunde. Besteht die Gefahr, dass sich das wiederholen könnte.

Esswein: Die Gefahr besteht immer, wenn man in einen Negativstrudel gerät. Die Bundesliga ist eng. In der Hinrunde konnte uns fast keiner schlagen. Jetzt müssen wir aufpassen, dass es nicht in die gegengesetzte Richtung geht. Wir müssen alle hart an uns arbeiten, gut verteidigen, ein einfaches Spiel praktizieren. Dann sehe ich die Gefahr aber nicht.

bundesliga.de: Wo siedeln Sie Hertha in der Tabelle an? Gibt der aktuelle Platz 6 das Leistungsvermögen korrekt wieder?

Esswein: Der Platz ist realistisch, es kann aber genau so gut mehr wie weniger werden. Wenn wir am Ende der Saison auf Platz 6 einlaufen, ist jeder zufrieden. Aber die Bundesliga hält an jedem Spieltag Überraschungen bereit. Man muss immer und ganz egal gegen welchen Gegner als Mannschaft zusammenstehen und 100 Prozent abrufen. Wenn wir die Tugenden in die Waagschale werfen, ist mir nicht bange.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski