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Köln - Das Drehbuch der Bundesliga hat es schon oft so gewollt: dramatische Entscheidungen am letzten Spieltag über Meisterschaft und Abstieg. Zum Teil taumelten die Clubs erst in den Schlussminuten einer langen Saison in den Abgrund, während andere doch noch die fast wundersame Rettung feierten.

bundesliga.de hat fünf der spektakulärsten Abstiegskrimis eines letzten Spieltags zusammengestellt.

Braunschweig verliert das Fernduell

Es ist der 9. Juni 1973. Damals steigen nur zwei Mannschaften ab. Treffen kann es einen der beiden Rivalen aus Niedersachsen: Eintracht Braunschweig oder Hannover 96. Die Eintracht hat die besseren Karten, sie hat einen Punkt mehr und ein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. 96, der Tabellensiebzehnte, muss zum Wuppertaler SV. Hannover gewinnt aber überraschend deutlich 4:0 beim WSV, zeitgleich verliert die Eintracht ihr Heimspiel 1:2. Braunschweig steigt ab, der Nachbar bleibt drin.

Wolfsburg übersteht Abstiegsendspiel

In der Saison 2005/06 gibt es am letzten Spieltag ein richtiges Abstiegsendspiel: der VfL Wolfsburg (15.) empfängt den 1. FC Kaiserslautern (16.) - der FCK muss bei einem Punkt Rückstand gewinnen. Von der 20. bis zur 66. Minute führt Lautern mit 1:0 durch Halil Altintop, ehe der bis dahin recht unbekannte Cedrick Makiadi den Ausgleich schafft. Am Ende reicht es für die Pfälzer nur zu einem 2:2; ein Tor fehlt zum Klassenerhalt.

Hoffenheim der Sieger im Drama mit vielen Akten

Der 34. Spieltag der Saison 2012/13 wird zum Gefühls-Chaos zwischen Fußball-Himmel und -Hölle: für die TSG Hoffenheim und Fortuna Düsseldorf. Die TSG ist nach 33 Spieltagen Vorletzter und muss am 34. Spieltag nach Dortmund. Hoffenheim siegt trotz 0:1-Rückstand sensationell mit 2:1 beim Vize-Meister (Doppelpack Salihovic, 77. und 82. Minute).

Fortuna Düsseldorf steht an den ersten 33 Spieltagen nie auf einem direkten Abstiegsplatz, aber nach dem 34. Spieltag und dem 0:3 in Hannover ist es erstmals so weit. Nach Schlusspfiff in Hannover sieht die Fortuna die letzten Sekunden von BVB-TSG, das noch nicht beendet ist. Und feiert urplötzlich den Klassenerhalt, weil Dortmund gegen Hoffenheim kurz vor Schluss der vermeintliche Ausgleich gelingt - dann hätte Fortuna die Klasse gehalten! Doch Referee Dr. Jochen Drees entscheidet in Dortmund zu Recht auf Abseits. F95 steht endgültig als Absteiger fest, die TSG schafft via Relegation den Klassenerhalt.

Die Tränen des Andi Brehme

Es ist eines DER Bilder der mehr als fünfzigjährigen Bundesliga-Geschichte. Andreas Brehme weint hemmungslos an der Schulter seines Weltmeisterkumpels Rudi Völler. Was ist passiert? 1995/96 gibt es das Abstiegsendspiel zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer wären bei einem Sieg gerettet, führen nach 58 Minuten durch einen Treffer von Pavel Kuka mit 1:0. Erst in der 82. Minute erzielt Markus Münch den 1:1-Ausgleich für Bayer. Das ist der Endstand: Der 1990er WM-Held von Rom, Andreas Brehme, steht als Absteiger fest.

Übersteiger Fjörtoft, Nürnberg im Abgrund

Es ist die "Mutter aller Abstiegsdramen", der 29. Mai 1999 wird in Nürnberg und Frankfurt niemals vergessen. 1998/99 liegt der 1. FC Nürnberg vor dem letzten Spieltag mit drei Punkten und fünf Toren scheinbar komfortabel auf dem zwölften Platz; am Ende steigen die Franken nach der 1:2-Heimpleite gegen Freiburg ab! Weil Frank Baumann kurz vor Schluss eine Großchance vergibt und weil Jan-Aage Fjörtoft eine Minute vor Schluss nach legendärem Übersteiger das 5:1 für Eintracht Frankfurt gegen Kaiserslautern schießt: das für die Abstiegsfrage entscheidende Tor.

In der Nachbetrachtung geht es oft nur um das Fernduell zwischen Frankfurt und Nürnberg. Doch zwischen der 70. und der 82. Minute ist sogar Hansa Rostock der Absteiger, ehe Slawomir Majak zum 3:2 beim VfL Bochum trifft. Günther Koch, die Radio-Stimme des "Clubs", bringt das ganze Nürnberger Drama kurz vor Abpfiff auf den Punkt: "Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund."