ANZEIGE

Köln - In der vergangenen Saison musste die TSG Hoffenheim bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen. In dieser Saison beendeten die Sinsheimer ihre überragende Saison auf Platz 4. Nicht zuletzt das Resultat einer stabilen Defensive. So musste das Team von Trainer Julian Nagelsmann nach den Bayern die zweitwenigsten Niederlagen hinnehmen. Großen Anteil daran hatte ab dem sechsten Spieltag Benjamin Hübner, der mit Niklas Süle und Kevin Vogt die Dreierkette bildet. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Spätberufene und Sohn des Eintracht Fankfurt-Sportdirektors Bruno Hübner über die Fußball-Philosophie von Nagelsmann, über seine eigene Entwicklung und über künftige Familienduelle.

bundesliga.de: Egal ob die TSG nun Dritter oder Vierter wird, diese Saison war die beste der Vereinsgeschichte. Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass der Beinahe-Absteiger der vergangenen Saison jetzt Großes leisten könnte?

Benjamin Hübner: Ich denke, das hat sich im Lauf der Hinrunde gezeigt. Die Ergebnisse haben gestimmt und die Art und Weise des Fußballs auch. Wir waren in den meisten Spielen besser als der Gegner. Das gibt jedem einzelnen und der gesamten Mannschaft ein gutes Gefühl. Es waren ja nicht drei, vier Spiele, sondern halt 15, 16, 17.

bundesliga.de: Zu Saisonbeginn haben Sie gesagt "Wir wollen einen Fußball spielen, mit dem sich die Menschen identifizieren können". Können Sie die Hoffenheimer Art Fußball zu spielen bitte noch einmal kurz charakterisieren?

Hübner: Wir wollen den Ball und wir spielen Fußball – im wahrsten Sinn des Wortes. Der lange Ball ist im Spielaufbau nur die Notlösung, wir wollen Probleme spielerisch lösen. Ich denke, das unterscheidet uns von einigen anderen Mannschaften. Darüber hinaus sind wir taktisch sehr flexibel und können so im Spiel – wenn es passt – auch mehrmals die Grundordnung ändern.

>>> Alle Informationen zu #TSGFCA im Matchcenter

bundesliga.de: Für den Erfolg der TSG zeichnet sich nicht nur die Mannschaft, sondern auch Julian Nagelsmann verantwortlich. Wie haben Sie ihn in Ihrer ersten gemeinsamen Saison erlebt im Vergleich zu den Trainern auf Ihren vorherigen Stationen?

Hübner: Julian ist ein absoluter Fachmann mit einer sehr klaren Idee von Fußball. Aber da erzähle ich ihnen nichts Neues. Zudem hat er einen sehr guten Draht zur Mannschaft, zu jedem einzelnen im Team. Er schafft es auch diejenigen mitzunehmen, die nicht so viel Spielzeit bekommen. Das ist sicherlich ein großer Verdienst.

bundesliga.de: Nagelsmann ist gerade einmal zwei Jahre älter als Sie und hat nie im Profi-Bereich gespielt. Haben Sie sich anfangs darüber Gedanken gemacht?

Hübner: Zu keiner Zeit. Schon die Gespräche vor meinem Wechsel im vergangenen Sommer mit ihm und Alexander Rosen waren sehr gut und haben mir gezeigt, wer da sitzt, welche Kompetenz er mitbringt. Sein Alter hat für mich nie eine Rolle gespielt.

bundesliga.de: Lassen Sie uns über Sie persönlich sprechen: Als Sie im Sommer vom FC Ingolstadt zur TSG wechselten, benötigten Sie ein wenig Anlaufzeit, um sich einzufinden. Was war bzw. ist so anders als etwa in Ingolstadt?

Hübner: Die Art des Fußballs war anders, das Training ebenso. Ich habe einfach ein paar Wochen gebraucht, um mich anzupassen. Der Trainer hat mir in dieser Zeit aber sehr geholfen. Er hat mit mir gesprochen und mir immer wieder klar gemacht, was er von mir will. Gleichzeitig hat er mir Zeit für diese Anpassung gegeben.

bundesliga.de: Sie sind erst mit 26 Jahren Bundesliga-Spieler geworden. Hatten Sie den Traum von der Bundesliga zwischenzeitlich schon begraben?

Hübner: Ich habe nicht den üblichen Weg genommen. Ich habe beispielsweise nie in einem Fußball-Internat gewohnt wie viele meiner Kollegen. Aber ich habe dennoch immer an diesen Weg geglaubt. Der Traum war nie begraben.

bundesliga.de: Seit dem sechsten Spieltag stehen Sie nun aber beinahe ununterbrochen in der Stammelf und bilden mit Kevin Vogt und Niklas Süle die zweitbeste Defensivreihe der Bundesliga.

Hübner: Das freut uns alle sehr. Wir haben viele Spiele in dieser Konstellation absolviert, aber wir können auch jederzeit das Personal wechseln. Dass wir zu den besten Defensiv-Teams der Liga zählen, ist aber nicht nur der Verdienst der Abwehrreihe, sondern tatsächlich der gesamten Mannschaft.

bundesliga.de: Ihr Kollege Niklas Süle wechselt in der kommenden Saison zu den Bayern. Für Sie war der Wechsel zur TSG ebenfalls ein wichtiger Karriereschritt, den Sie hervorragend bewältigt haben. Machen Sie sich bereits Gedanken darüber wie es in der kommenden Saison ohne Süle sein wird?

Hübner: Nein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Niklas ist ein außergewöhnlicher Spieler, der sich in München durchsetzen kann. Ich bin mir sicher, dass wir in der kommenden Saison genügend Qualität im Kader haben werden. Spieler wie ihn zu ersetzen ist schwer, aber wir werden das schaffen.

bundesliga.de: War der 1:0-Sieg durch Ihren Treffer gegen Eintracht Frankfurt und damit gegen Ihren Vater Bruno, der dort Sportdirektor ist, einer der emotionalsten Momente der Saison?

Hübner: Natürlich war das etwas Besonderes. Es gab aber ein paar dieser Momente – das erste Spiel gegen Ingolstadt, das gleichzeitig mein erstes Bundesliga-Spiel für die TSG war. Der Sieg gegen die Bayern und das späte Tor in Köln, das den Einzug in einen europäischen Wettbewerb fixiert hat.

Video: Hübners Siegtor gegen Frankfurt

bundesliga.de: In der kommenden Saison könnte ein weiteres Familienduell dazu kommen, denn Ihr Bruder Florian ist mit Hannover 96 gerade aufgestiegen.

Hübner: Ich traue ihm den Sprung in die Bundesliga absolut zu und freue mich, dass es mit dem Aufstieg geklappt hat.

bundesliga.de: Wäre es ein Wunschtraum, mit einem Ihrer Brüder zusammen in einem Team zu stehen?

Hübner: Auf jeden Fall. Die Chancen stehen natürlich nicht sehr gut. Aber wer weiß, irgendwann vielleicht…

bundesliga.de:Vater Ex-Profi und heutiger Fußball-Funktionär, alle drei Söhne von Kindesbeinen an so oft wie möglich auf dem Fußball-Platz: Wie ist Ihre Mutter damit umgegangen?

Hübner: Sie hatte es nicht immer leicht mit uns (lacht). Weil wir eben auch zu Hause sehr oft über Fußball sprechen. Aber sie hat das überragend gemacht und ich bin ihr sehr dankbar, für alles, was sie für mich und meine Brüder getan hat und auch immer noch tut.

bundesliga.de:In der kommenden Saison werden Sie erstmals in Ihrer Karriere international spielen. Glauben Sie, dass Sie ein wenig beeindruckt sein werden?

Hübner: Ich werde es genießen – ganz einfach. Dafür wird man doch Fußballer. Man will sich mit den Besten messen und das traue ich unserer Mannschaft zu. Wir haben alle große Lust auf diese besonderen Spiele unter der Woche.

Das Gespräch führte Andreas Kötter