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Hannover - Vor der AWD Arena konnten die Anhänger von Hannover 96 im Europa-League-Truck den Siegerpokal schon einmal bewundern. "Den könnt ihr gleich hierlassen", war wohl der häufigste Satz, den die UEFA-Mitarbeiter zu hören bekamen an diesem Frühlingsabend in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Für Steven Cherundolo war es der 4823. Tag im Trikot von Hannover 96 - und "mit der schönste", wie der US-Amerikaner bundesliga.de verriet. "Es war ein schöner Tag, eine wunderbare Atmosphäre."

Mit einem 4:0 über Standard Lüttich zog Hannover 96 ins Viertelfinale der Europa League ein und feierte damit im 14. Spiel auf europäischer Bühne den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte. Es war das vierte Aufeinandertreffen der beiden Teams im laufenden Wettbewerb - und das erste Spiel, das die Niedersachsen gewinnen konnten.

"Die Reisen durch Europa sind wunderschön"



"Wir haben an Reife gewonnen", beobachtete Mirko Slomka: "Wir haben in den Gruppenspielen viel gelernt. Die waren sehr wichtig für uns. Und die Reisen durch Europa sind für Mannschaft, Fans und Umfeld wunderschön."

"Nach der Auslosung gegen Sevilla in der Qualifikation war nicht daran zu glauben, dass wir im April noch in der Europa League sind", so der Coach ehrlich - und fügte schmunzelnd hinzu: "Ich hätte nichts dagegen, auch im Mai noch dabeizusein." Das Finale findet bekanntlich am 9. Mai in Bukarest statt.

"Haben vor keinem Angst" - jetzt wartet Atletico Madrid



"Der Traum geht weiter", brachte ein strahlender Mario Eggimann das Ereignis auf den Punkt: "Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht? Nun warten ein paar schöne Gegner auf uns."

"Viele Mannschaften sind stärker als wir", gab Cherundolo zu. "Aber wir gefallen uns in der Außenseiterrolle. Und Angst haben wir vor keinem." Im Viertelfinale wartet nun Atletico Madrid, die Niedersachsen treten zuerst bei den Spaniern an. Das ergab die Auslosung am Freitagmittag in Nyon.

Mit einer Leistung wie am Donnerstag müssen sie sich auf keinen Fall verstecken. "Ich hatte allgemein das Gefühl, dass Hannover unterschätzt wird. Aber diese Leistung war beeindruckend. So kann Hannover noch viel erreichen", lobte selbst José Riga, Trainer von Gegner Standard Lüttich.

Kind hält sich Final-Termin frei



Und läuft bei Martin Kind offene Türen ein. "Es sind weitere Überraschungen möglich", ist sich der 96-Präsident sicher. "Auf diesem Fundament können wir aufbauen. Der 9. Mai ist gebucht in meinem Terminkalender", so Kind optimistisch.

Auch Jan Schlaudraff empfiehlt den Fans, sich Tickets fürs Finale zu kaufen. "Jeder kann sich eine Karte kaufen. Ein Europa-League-Finale sieht man doch nicht jeden Tag und ist bestimmt ein einmaliges Erlebnis." Umso mehr, sollten Schlaudraff und Co. mit von der Partie sein.

Auf dem Weg dahin will Urgestein Chrundolo seinen schönen Tagen bei den "Roten" noch einige hinzufügen. Und den Pokal für ein ganzes Jahr an die Leine legen.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs