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Ein Mannschaftskapitän muss auch Kritik üben. Und so lobt Heiko Westermann nach dem 3:3 gegen den Hamburger SV nicht nur die Moral des FC Schalke, sondern legt den Finger auch in die Wunde. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der Verteidiger, was der Mannschaft noch zu einem echten Spitzenteam fehlt, wie man am nächsten Samstag Leverkusen schlagen kann und welche Rolle das Pokalspiel am Mittwoch gegen 1860 München spielt.

bundesliga.de: Nach dem turbulenten Spielverlauf stellt sich die Frage, ob Schalke eher einen Punkt gewonnen oder doch zwei verloren hat?

Heiko Westermann: Es wäre absolut mehr drin gewesen für uns, wenn wir uns nur cleverer angestellt hätten. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir zweimal einen Rückstand aufgeholt haben. Und was wir in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, konnte sich vor allem kämpferisch auch sehen lassen.

bundesliga.de: Unter dem Strich sind Sie also zumindest mit der Moral und Leidenschaft hochzufrieden?

Westermann: Absolut! Das Spiel gegen den HSV hat einmal mehr gezeigt, dass bei uns eine echte Mannschaft auf dem Platz steht. Aber man muss auch zugeben, dass uns noch einiges fehlt. Vor allem in der ersten Halbzeit waren wir zu fahrlässig. Es darf einfach nicht sein, dass der Hamburger SV in unserem eigenen Stadion drei Tore schießen kann.

bundesliga.de: Auf der anderen Seite hat Schalke auch drei Treffer erzielt.

Westermann: Aber das muss dann auch einfach zum Sieg reichen. Wenn man zuhause drei Tore schießt, sollte man am Ende eigentlich auch drei Punkte auf dem Konto haben.

bundesliga.de: Den dritten Schalker Treffer haben Sie selbst mit einer mustergültigen Flanke auf Kuranyi vorbereitet.

Westermann: Ich weiß, dass Kevin gerne auf den zweiten Pfosten geht. Also habe ich den Ball lang hineingeschlagen - er kam gut und Kevin hat ihn noch besser verwertet.

bundesliga.de: War die Partie über die gesamte Spielzeit betrachtet der Beweis, dass Schalke zurzeit mit den besten Teams der Liga mithalten kann und zurecht weit oben in der Tabelle steht?

Westermann: Nimmt man die zweite Halbzeit zum Maßstab, könnte man das so sehen. Aber dann muss man die erste Hälfte besser außer Acht lassen. Es fehlt uns noch ein bisschen, um wirklich in der Liga ganz oben mit reinzurutschen. Es kann auch nicht sein, dass die Hamburger uns am Ende mit zehn Spielern noch auskontern. Da müssen wir abgeklärter werden.

bundesliga.de: Sie haben die schwächere erste Halbzeit angesprochen. Warum lief es bis zur Pause nicht so gut für Schalke?

Westermann: Das ist ganz einfach. Ich habe schon vor der Partie gewarnt, dass wir 90 Minuten lang 100 Prozent Vollgas geben müssen. Wenn wir das gegen so eine spielstarke Mannschaft wie den HSV nicht tun, dann wird es eben sehr, sehr schwer und dann wird man auch bestraft. Wir sind einfach noch nicht soweit, dass wir automatisch mit diesen Mannschaften auf Augenhöhe sind.

bundesliga.de: Das dürfte dann auch für das nächste Bundesligaspiel gegen den Tabellenführer Bayer Leverkusen gelten?

Westermann: Das wird generell gegen andere Spitzenteams wie Leverkusen oder Bayern so sein. Nur, wenn wir 90 Minuten Gas geben und 90 Minuten rennen, können wir gegen diese Mannschaften gewinnen. Wenn nicht, läuft es genau so wie in der ersten Halbzeit gegen den HSV– wir liegen 0:2 im Rückstand und müssen uns nicht wundern.

bundesliga.de: Das heißt im Umkehrschluss, mit 100 Prozent Vollgas sind auch gegen den Spitzenreiter drei Punkte möglich?

Westermann: Absolut, ich traue uns das zu!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte.